Sam & Dave - "Hold On, I'm Comin'"
Mit dem Ableben von Sam Moore, der zweiten noch verbliebenen Hälfte von Sam & Dave, endete Anfang des letzten Jahres ein weiteres Stück der einzigartigen Stax-Geschichte. Man muss es Trump & Co. unter die Nase reiben: Das war vor 60 und sogar vor beinahe 70 Jahren das Label, in dem Black & White zusammen auf Augenhöhe arbeiteten. Immerhin in einer Zeit, als die Immobilienfirma von Donalds Vater Fred mit der Ablehnung afroamerikanischer Mieter:innen auffiel. Den Crossover-Geist hört man in der Musik, die in eben jenem neuen Schulterschluss entstand.
Sam & Dave schrieben zwar selbst keine Lieder, hatten aber das große Glück, beim Label auf enorm starke Autoren zu treffen. Die heißen: Steve Cropper, leider 2025 ebenso verstorbener Lead-Gitarrist des Albums "Hold On I'm Comin'", Isaac Hayes, der spätere Herr des "Shaft"-Titellieds, David Porter, sein kirchensozialisierter Kompagnon, Manager bei Stax, Eddie Floyd, Mister "Knock On Wood", sowie der frisch gebackene Co-Eigentümer von Stax, Al Bell. Diese Herren komponierten gemeinsam in Zweier- und Dreier-Teams. Sam & Dave bekamen alle Stücke als erste.
In "Hold On, I'm Comin'", dem Debüt der beiden Tenor-Kehlchen, übernahm Sam die jeweils höheren Noten. Teilweise trällert mal der eine, mal der andere eine Strophe solo, aber so ganz alleine geht es selten vonstatten, weil meistens der andere mit Harmony-Vocals dahinter zum Vorschein kommt. So umschlingen sich die Gesänge der beiden oft wechselseitig. Diese Arrangements sind schon sehr einmalig. Gleichwohl blieben es die Interpretationen nicht: Etliche Tracks der LP traten eine lange Cover-History quer durch den Beat-Garten, den Rhythm'n'Blues-Wald, die Rock-Prärie und den Soul-Park an. Samples kamen hingegen kaum welche, trotz immenser Steilvorlagen.
Schon die Einstiegs-Fanfare von "Don't Help Me Out" gäbe Anlass zum Sampeln. Die rau gekläffte Zeile "It's sugar and spice and everything nice - that's you!" in "It's A Wonder"? Ein Wunder, dass die nicht wild verwurstet wurde. "Ease Me" arbeitet mit ausgeprägt räumlicher Abmischung: Saxophon links, Stimmen rechts. Der Titelsong greift erstmals auf einen Trick zurück, den das Stax-Studio dann öfter verwendete: Ein Lautsprecher und ein Mikrofon waren auf der Herren-Toilette installiert, um eine bewusste Rückkopplung in einem Raum mit Hall zu erzeugen. Ein bisschen Psychedelic gab es passend zum Jahr 1966 auch, den Basslauf und die Stimmung in "If You Got The Loving". Der Über-Song für alle, die den Titelsong für allzu tot gedudelt halten, dürfte "Don't Make It Hard So On Me" sein. Sowas tauft man wohl 'Deep Soul'. Es musizieren hier und auf allen Tracks Booker T. & The MG's, und sie tun es genial.
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