Janet Jackson - "Control"
Falls irgendjemandem der Albumtitel zu kryptisch erscheinen sollte: keine Sorge. Ms. Janet Jackson beseitigt sicherheitshalber alle Unklarkeiten: "This is a story about control. My control. Control of what I say. Control of what I do. And this time I'm gonna do it my way."
Man kann sich kaum vorstellen, was es die jüngste Tochter des Jackson-Clans gekostet haben muss, sich vom Einfluss ihres übermächtigen, übergriffigen, alles kontrollieren wollenden Vaters zu befreien. Ursprünglich hatte sie gar keine musikalische Karriere angestrebt, sie hätte lieber studiert. Statt dessen wurde sie erst als jugendliche Schauspielerin in der TV-Serienversion von "Fame" verheizt, dann gezwungen, unter Joseph Jacksons Fuchtel zwei unterdurchschnittlich spannende Soul-Alben aufzunehmen. Sich unüberlegt in eine Ehe zu stürzen, erschien ihr wohl als einziger Ausweg, um sich dem Würgegriff der Familie zu entwinden. Auch keine Lösung, offenbar: Die Verbindung wurde 1985 anulliert.
Tatsächlich als Tor in die Freiheit erwies sich hingegen, die Karriere als Musikerin anzugehen, allerdings auch sehr entschieden in die eigenen Hände zu nehmen, obschon Papa Joseph natürlich schäumte und geiferte. Janet, wild entschlossen, ihr eigenes Ding durchzuziehen, war das aber egal. Sie suchte und fand in Jimmy Jam und Terry Lewis ein Songwriter- und Producer-Team und in Paula Abdul eine fähige Choreografin. Gemeinsam revolutionierten sie R'n'B und Pop auf einmal und setzten auch gleich neue Standards für Musikvideos.
"Control" ist Befreiungsschlag und Statement, ein Fanal für weibliche Selbstbestimmung in künstlerischer, gesellschaftlicher, sexueller, in jeder Hinsicht. Den eher bräsigen angesoulten R'n'B ihrer ersten beiden Alben ließ Janet Jackson hinter sich. Statt dessen hielten Funk, Disco und staubtrockene Synthie-Percussion Einzug in ihren Sound, ein Vorläufer oder sehr frühes Zeugnis dessen, das später unter dem Label New Jack Swing zur Blüte kam.
"Control" spuckte fünf Singles aus, die allesamt in den Top Five der Billboard Charts landeten, wurde fünffach Platin-veredelt, beeinflusste von Aaliyah, Beyoncé, Britney, Ciara, J.Lo, Tinashe ... ach, so ungefähr jede weibliche Künstlerin, die nach ihr kam. Nicht obwohl Joseph Jackson seine Finger nicht im Spiel hatte. Sondern weil.
Für die ganz Langsamen noch einmal zum Mitschreiben: "My name is not 'Baby'. It's Janet. Ms. Jackson, if you're nasty." Aye, Ma'am!
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