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Platz 4: Their Satanic Majesties Request

"Pet Sounds". "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band". "Their Satanic Majesties Request"? Irgendwie nicht.

Dabei erweckte schon das Cover den Eindruck, als wolle das Album zwingend in diese Reihe aufgenommen werden. Allein die Gestaltung, viel zu nah an "Sgt. Pepper" angelehnt, ließ das Ganze auf den ersten Blick etwas verkrampft wirken. Es sah aus, als wollten die Stones auf den psychedelischen Trend aufspringen und sich ausgerechnet an die Beatles anbiedern. Letztlich war es einfach nicht das Album, das Kritik und Fans 1967 von ihnen hören wollten. Entfernt man sich allerdings von der Vorstellung, wie sich die Rolling Stones gefälligst anzuhören haben, gibt es hier ganz wundervolle Dinge zu entdecken. Jedenfalls klangen sie nie wieder so stoned wie hier.

Dabei befinden wir uns hier lediglich am Ende einer Entwicklung, die nach "Between The Buttons" nur logisch erschien. Eine Entwicklung, die nach "Their Satanic Majesties Request" auch dringend zurückgenommen werden musste. Der Titel hat übrigens einen sehr britischen Ursprung. Die auf dem britischen Pass stehende Formel "Her Britannic Majesty's Secretary of State Requests and Requires …" inspirierte die Stones dazu.

Wie es später beinahe zur Tradition avancierte, fanden die Aufnahmen zwischen Gerichtsverhandlungen, Drogenproblemen und Gefängnisaufenthalten statt. Live trat die Band 1967 fast gar nicht mehr auf. Zeitgleich stellt "Their Satanic Majesties Request" mit seinem psychedelischen Irrgarten die perfekte Spielwiese für Brian Jones dar, der hier seinen letzten großen Auftritt innerhalb der Band hat. Munter spielt er sich durch Theremin, Orgel, Harfe, Blockflöte, Mellotron, Dulcimer, Maultrommel und was er sonst noch so alles im Studio findet. Während er sich zu fernen Galaxien aufmachte, spielte sich außerhalb der Aufnahmeräume die harte Realität ab. Wegen Drogenbesitzes zunächst zu neun Monaten Gefängnis verurteilt, bewahren ihn nur psychiatrische Gutachten vor der Haft. Die Ärzte beschreiben ihn als einen "extrem verängstigten jungen Mann mit suizidalen Tendenzen". Bitter.

Hat man sich erst einmal an all die Klangexperimente, verschrobenen Ideen und Melodien gewöhnt, die stellenweise eher an die frühen Pink Floyd als an die Beatles erinnern, erblüht mit "She's A Rainbow" plötzlich ein Kleinod, das zu den besten Stones-Liedern überhaupt gehört. "She comes in colours ev'rywhere / She combs her hair / She's like a rainbow." Das Streicherarrangement stammt von John Paul Jones, der wenig später bei Led Zeppelin landen sollte. "2000 Light Years From Home" schwebt mit wunderbar unheimlicher Atmosphäre so weit hinaus ins All, wie sich die Stones musikalisch nie wieder vorwagen sollten. Mit "In Another Land" findet sich hier zudem die einzige Bill-Wyman-Komposition, die es zu seinen Lebzeiten als regulärer Song auf ein Stones-Studioalbum schaffte. Leider singt und schnarcht er ihn auch selbst.

Mag man ihnen damals die Nähe zu "Sgt. Pepper" vorgeworfen haben, doch gehen die Rolling Stones in ihren Experimenten sogar weiter, als sich die Beatles je vorgewagt hatten. Songs lösen sich auf, Geräusche übernehmen, Instrumente tauchen auf und verschwinden wieder. Das Album zeigt allerdings auch, dass Jagger und Richards weder Brian Wilson noch Lennon und McCartney sind. Ihre größten Stärken liegen woanders als im psychedelischen Pop. Letztlich musste jedoch genau dieses Album passieren, damit danach Longplayer wie "Sticky Fingers" geschehen konnten. Einmal mussten sich die Stones komplett austoben. Egal, wie man es dreht und wendet, egal, ob man es mag oder nicht: "Their Satanic Majesties Request" ist das mit weitem Abstand spannendste Rolling Stones-Album.

Für die Playlist: "She's A Rainbow", "2000 Light Years From Home"
Für die Tonne: "In Another Land"

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