Tanz die Scheiße raus: Bei den US-Popikonen prallt New-Wave auf Post-Punk und das innere Teenagerherz brennt lichterloh.
Berlin (jas) - September 1989 in Düsseldorf im Tor 3. August 2013, Huxley's Neue Welt. Und nun Ende Juni 2026 wieder Berlin, aber Open Air in der Zitadelle. Ich habe also meinen persönlichen The B-52's-Hattrick geschafft. Natürlich war 1989 das absolute Highlight: Als Teenagerin und Mega-Fangirl mit Freundinnen in den vorderen Rängen zu allen Hits abgetanzt. Wir vergötterten vor allem Cindy Wilson und Kate Pierson und träumten davon, ebenfalls eine tolle Space-Rock-Pop-Dance-Girlband zu gründen.
Von "Love Shack bis "Rock Lobster"
Natürlich erwartet man, dass auch fast 40 Jahre später alle Hits gespielt werden – von "Love Shack" über "Planet Claire", "Rock Lobster" bis zu "Dance This Mess Around" vom knallgelben Meilenstein-Debüt. Und natürlich enttäuschen uns Fred Schneider, Cindy, Kate und Band nicht. Zumal es ihr einziges Konzert in diesem Jahr in Deutschland ist – und vermutlich gar die letzte Gelegenheit dieses Potpourri der popkulturellen Anziehungskraft hierzulande live und in Farbe zu erleben.
Die Damen und Herren auf der Bühne sind an diesem Abend gut gelaunt, obwohl sie vor zwei Tagen noch in Manchester festhingen, der Flug nach Berlin war ausgefallen. Nach einem kurzen Intro – es begrüßt eine mit Strass verzierte Totenkopf-Animation samt türkiser Perücke – folgt eine digitale Fotocollage aus der langen, bunten Bandgeschichte. Immerhin sind die B-52's schon seit 1976 aktiv! Seitdem prägten ihre Mode und Hits mehrere Generationen.
Tanzparty mit Kate Pierson
Auch wenn die Haartollen nicht mehr hochgesteckt sind und die Kleider weniger knallig (das trifft allerdings nur auf Cindy), liefert die Band aus Athens, Georgia noch immer pures Entertainment und allerlei Erinnerungen aus der gutgelaunten Fotokiste. Und dann beginnt das Sommerbad der Gefühle mit dem ersten Space-Hit "Planet Claire". Die amerikanischen Popikonen versprühen ihren Charme und beschallen lebendig und schrill die historische Zitadelle in Spandau.
Kate Pierson hat hier ein Extrakrönchen verdient: Was für eine Power die mittlerweile 78-Jährige noch in der Stimme hat. Sie tanzt, strahlt und macht auch die meisten Ansagen. Mit ihren roten Haaren und dem bunten Glitzer-Outfit sticht sie sofort ins Auge. Die hohen Töne trifft sie noch ganz wunderbar, wie man bereits im Opener hören kann. So möchte man mit 78 bitte auch sein.
Das innere Teenagerherz brennt
Bei The B-52's prallt New Wave auf Post-Punk: Man kommt aus den Dance-Moves gar nicht mehr heraus. Der Schweiß tropft aus allen Poren, und die Texte laufen automatisch durch die Gehirnwindungen, so oft hat man die Platten aufgelegt. Die Setlist besteht aus allen Songs, die man hören will, und auch Stücken, die man weniger im Gedächtnis hat, die aber die Vielseitigkeit der Band widerspiegeln. Der Song "Mesopotamia" erschien etwa 1982, die dazugehörige EP produzierte David Byrne.
Mit dem Album "Cosmic Thing" sorgte die Band 1989 für noch mehr Aufmerksamkeit, auch an diesem Abend tanzt man zu "Roam" und ihrem wohl bekanntesten Track "Love Shack", der 1990 bei den MTV Video Music Awards den Preis für das beste Video abstaubte. Mein persönliches Highlight aber: "52 Girls". "Effie, Madge, Mabel, Biddie. See them on the beach. Or in New York City. Tina, Louise, and there's Hazel and Mavis. Can you name, name, name ..." Ja, die Namen kann ich alle im Schlaf kreischen. Nächster Lieblingshit: "Dance This Mess Around", auch wenn Cindy nicht mehr alle Töne trifft, erfüllt dieser Song das innere Teenagerherz.
Cindy und Kate bleiben für immer meine Heldinnen. Auch Sänger Fred Schneider steht nicht hintenan. Er hat wieder allerlei kleine Instrumente im Gepäck, etwa ein Glockenspiel, hinter dem sein Gesicht komplett verschwindet. Schneider hat auch keine Hemmungen, den Clown zu spielen und setzt sich Hasenohren in den Farben der deutschen Flagge auf. Zwischendurch fallen immer wieder deutsche Begriffe, Bier, Brezel usw. Dat is Germany, wa.
Der Hummer tanzt
Ähnlich wie am Abend zuvor bei Dogstar greift der B-52's-Gitarrist manchmal ein Stück zu sehr in die Solosaiten. Und für meinen Geschmack kamen die schrillen Keyboard-Sounds oft viel zu leise rüber. Gerade die Zugabe "Rock Lobster" prägen diese schrillen Akkorde entscheidend. Ist dann aber schnell wieder verziehen, da plötzlich ein lebensgroßer Hummer auf die Bühne kommt und zum Finale mit Band und Publikum tanzt.
Und weil wir schon am Meckern sind, die Kameraführung war leider auch nicht überragend. Die Girls wurden viel zu wenig auf den zwei kleinen Leinwänden rechts und links gezeigt. Vorwiegend stand der Drummer im Mittelpunkt oder eben der Poser-Gitarrist. Letzterer war übrigens nicht Keith Strickland, der kreative Motor hinter der Band. Er steht seit 2022 leider nicht mehr auf der Livebühne. Aber alles verziehen, denn dieses Konzert war mal wieder einzigartig. Zum Abschied begleitet uns dann auch noch "All You Need Is Love". Danke!
Text: Jasmin Lütz. Fotos: Rainer Keuenhof.



















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