Taschentücher raus! Die Rapperin gedenkt nicht nur ihrem verstorbenen Kollegen und Labelboss, sondern erinnert vor allem an den Menschen und Freund.

Bonn (dani) - Beim Tribute-Konzert zu seinen Ehren vergangenen Monat in der Kölner Lanxess Arena ließ sich das Gefühl schier mit Händen greifen: Xatar ist tot, es lebe Xatar. Im Rahmen der Gedenk-Show stand selbstverständlich auch Schwesta Ewa auf der Bühne. Sie erinnerte mit ihrem hochemotionalen Song "Giwar" nicht nur an ihren Kollegen und Labelboss. Sie betrauerte viel mehr den Menschen, den sie verloren hatte, einen Freund:

Die hochdramatische (um nicht zu sagen: grenzwertig schmalzige) Hook steuert Steve Jackson bei. Damit und mit dem rührseligen Piano erfüllt der Song wahrhaftig jedes Klischee. Ewa flowt darüber, wie sie halt immer flowt: als sei jede Entwicklung nach Cora E. eingefroren.

Eine Herzensangelegenheit

Ausnahmsweise stört mich das hier aber genau so wenig wie das gnadenlos kitschige Instrumental. Man spürt einfach in jeder Sekunde, dass es ihr Bedürfnis und Herzensangelegenheit ist, wenigstens die Erinnerung an Giwar Hajabi fest- und am Leben zu erhalten, wenn sie ihn schon gehen lassen musste. In ihren Zeilen rekapituliert sie Xatars Leben und ihren eigenen bei Alles oder Nix zurückgelegten Weg, highlightet gemeinsam erlebte Momente, Höhen wie Tiefen.

Nichts an diesem Track wirkt aufgesetzt oder kalkuliert. Ewa zeigt sich viel mehr von Grund auf dankbar. Ihren Schmerz über den erlittenen Verlust transportiert sie vollkommen ungefiltert und macht ihn so selbst für diejenige nachvollziehbar, in deren Leben weder Xatar noch sein Werk besonders tiefe Spuren hinterlassen haben. "Giwar", fraglos real hip hop, liefert so ein Paradebeispiel für Authentizität, das sogar drei Minuten vergessen lässt, dass Schwesta Ewa wirklich nicht der sympathischste Charakter im Deutschrap-Zirkus ist. Warum sie allerdings wieder ihr Kind auf die Bühne und vor Kameras zerren musste, verstehe, wer will.

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