Im ersten Halbfinale des Liederwettbewerbs in der Wiener Stadthalle bleiben die Favoriten Favoriten und Boy George wird heimgeschickt.
Wien (mag) - Pyrotechnik, Sarah Engels lässt sich fallen, und es wird getanzt: Zum dritten Mal in seiner Geschichte startet das ESC-Liveshow-Spektakel in der österreichischen Hauptstadt. Wobei sich die Show gestern Abend weniger nach einem spontan, spritzigen Halbfinale anfühlte, sondern eher wie eine gescriptete Bestätigung der Prognosen der Buchmacher*innen. Belgien, Finnland, Griechenland, Israel, Kroatien, Litauen, Moldau, Polen, Schweden und Serbien haben sich dabei für das Finale am Samstag qualifiziert.
Mit 15 stand Vicky Leandros schon mal in Wien auf der Songcontest-Bühne. Fast 60 Jahre später gibt sie "L'amour est bleu" neu arrangiert als Eröffnungsact zum besten. Dann rappt Moldau zum Auftakt einen Sprachenstrudel, zu hören ist neben Italienisch, Französisch, Spanisch, Rumänisch, Englisch auch Latein. "Viva Moldova" ist nicht nur eine Hymne auf das Land, es ist auch ein pro-europäsiches Zeichen, das Satoshi energiegeladen präsentieren.
Sarah Engels mit wagemutigem Stunt
Akylas singt Griechenland in die letzte Live-Show und repräsentiert seine Nation traditionell, modern, queer und elektronisch. Ähnlich clubbig geht Schweden zur Sache, und auch der große Favorit Finnland liefert eine epische Show inklusive brennendem Beichtstuhl und dramatischer Live-Geige - ab ins Finale mit euch. Dorthin schafft es auch Noam Bettan für Israel, der zu Beginn seiner Performance seines soliden israelisch-französisch-englischen Chansons nur vereinzelt Buh-Rufe aus dem Publikum überhören muss.
Die 33-jährige Sarah Engels heizt der Wiener Stadthalle mit Pyrotechnik ordentlich ein. Zwar ist der Song "Fire" selbst nicht mal ansatzweise so heiß wie vermutlich die Bühne nach Engels Auftritt. Als sich die Sängerin rückwärts von einer Plattform in die Arme ihrer Tänzerinnen fallen lässt, sorgt sie mit ihrer Performance dennoch für Gesprächsstoff. Als großer Geldgeber ist Deutschland neben Italien, Frankreich und Großbritannien fix im Finale.
Pleite für Boy George
Nicht für das Finale qualifiziert haben sich Georgien, Montenegro, Estland, Portugal und San Marino. Der Zwergstaat hatte trotz Unterstützung von 80er-Camp-Legende George O'Dowd keinen Grund zum Jubeln. "Superstar", aber nicht beim ESC: Popsängerin Senhit muss nun also zum dritten Mal beim Liederwettbewerb den Heimweg ohne gläsernes Mikro antreten.
Glitzer-Elvis und roter Glamour
Die Jokes sind einstudiert, die überschwängliche Stimme auftrainiert und sogar ein "authentischer" UK-Akzent wurde zum Besten gegeben: Das Moderations-Duo Viktoria Swarovski und Michael Ostrowski führt großteils souverän durch den musikalischen Abend. Im Duett mit dem australischen Spaßact Milkshake-Man besingt das Gespann die Unterschiede zwischen Australien und Austria. "Spiders, snakes, shark attacks, Australia would kill me" trällert Swarovskis Playback, Go-Jo entgegnet: "Your desserts, they cause heartattacks, wintersports don't thrill me". Recht witzig gemacht, ist die Abba-Anlehnung fast schon der eingängigste Song des ersten Halbfinales.
Optisch ist es neben dem Känguru auf der Bühne nur mittelmäßig skurril: Der moderierende Schauspieler Ostrowski hat sich in einen silbernen Elvis-Ganzkörperanzug geschmissen und Swarovski macht ihrem Namen in einer roten Glitzerrobe alle Ehre. Nur eins ist wohl im Stress in der Garderobe liegen geblieben: Der unaufgesetzte Wiener Schmäh. Und so wird der österreichische Greenroom, der als Wiener Kaffeehaus konzipiert wurde, leider zu einem etwas seelenlosen Ort, ohne grantigen Ober.
Foto: Alma Bengtson/EBU

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