Erstaunlich, dass die BSW-Gründerin und der Dorfdiskorapper so lange sprechen konnten - wo man doch angeblich gar nix mehr sagen darf!?
Saarbrücken (dani) - Sahra Wagenknecht empfängt Finch Asozial. Schon als zweiterer dieses Gipfeltreffen der Sympathieträger*innen vergangene Woche ankündigte, zeichnete sich ab, was das Gespräch in voller quälender Länge nun bestätigte: Da hat sich aber einer ganz ordentlich vor den Karren spannen lassen.
Zwischen Finchs Feststellung, es sei "ein Armutszeugnis für die anderen", die anderen Parteien nämlich, dass ihn außer der Namensgeberin des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) ja sonst niemand auf seinen Song "Kein Bock Auf Krieg" angesprochen habe, und der schleimigen Verabschiedung Wagenknechts, die finde es "auf jeden Fall super, dass es in dieser Misere auch noch kritische Stimmen gibt wie deine", passte eine Stunde, die sich anfühlt wie drei. Die Ex-BSW-Chefin (den Vorsitz der nach ihr benannten Partei hat sie inzwischen ja schon wieder niedergelegt) lieferte eine beeindruckende Demonstration, wie man mit vielen, geschliffenen Worten rein gar nichts sagt, das inhaltlich über "Alle anderen sind schuld" hinausginge. Ansonsten hüpfte sie gelenkig von Widerspruch zu Widerspruch.
Na, Bock auf Krieg?
Den Anlass für die Einladung habe Finchs Song "Kein Bock Auf Krieg" gegeben. Dessen Message erschöpft sich im Wesentlichen im Titel und kommt mir so umstritten auch gar nicht vor. Leute, die zugeben, dass sie Krieg so richtig, richtig geil finden, gibt es (immer abgesehen von denen, die skupellos genug sind und die Möglichkeiten dazu haben, sich am Leid anderer goldene Nasen zu verdienen), gar nicht so wahnsinnig viele, glaub' ich. Dennoch setzt sich Finch hin und erwartet offfenbar, dass Politiker*innen ihre Arbeit stehen umd liegen lassen, um sich mit ihm über dieses dumme Bummstechnoliedchen hier zu unterhalten:
Sahra Wagenknecht, die das Propagandageschäft unzweifelhaft versteht, lässt ihn nicht nur in dem Glauben, sie befeuert ihn noch, indem sie Finch Honig ums Maul schmiert, wie mutig "heutzutage" doch sei, sich gegen Militarisierung zu positionieren. Finchs Eitelkeit schmeichelte das offenbar genug, um billigend in Kauf zu nehmen, sich als Wahlkampfhelfer des BSW instrumentalisieren zu lassen. Vielleicht hat er es auch einfach nicht gemerkt, dass er da im Wesentlichen nur als Vehikel saß, um BSW-Parolen an eine etwas jüngere Zielgruppe durchzureichen.
Viel beizutragen hatte Finch jedenfalls nicht. Die Unterhaltung, über weite Strecken ein Wagenknecht-Monolog, kreiste hauptsächlich um Aufrüstung und die Wieder-Einführung der Wehrpflicht. Kurz ging es um Labels wie "rechts" und "links", noch kürzer um den abgehängten Osten. Wagenknecht verortete die Ursache für viele Probleme in Deutschland in der immer stärkeren gesellschaftlichen Spaltung: der einzige Punkt, in dem ich ihr uneingeschränkt beipflichte. Statt aber irgendeine Lösung vorzustellen, die ihre Partei möglicherweise in petto hätte, lamentierte sie lediglich darüber, dass ihrer politischen Konkurrenz die Ideen fehlten.
Grünen-Bashing wie bei Söders
Insbesondere ihr fortwährendes Grünen-Bashing zwang mich zwischendurch zu checken, ob ich nicht versehentlich in Markus Söders Food-Blog gerutscht bin. "Die Grünen sind der Inbegriff einer privilegierten Arroganz", die nur darauf aus sei, die Menschen zu belehren: genau mein Humor, das aus dem Mund der ungefähr arrogantesten, belehrendsten privilegierten Person im ganzen Politikbetrieb zu hören, aber ... naja.
"CDU, SPD, das ist ja alles gar nicht mehr konservativ", pflichtete Finch artig bei, "nicht mal ein Stückchen." Ich weiß zwar nicht, in welcher Welt er lebt, dass er ausgerechnet bei den Genannten irgendwelche progressiven Tendenzen erkennt, aber: Ich bin bisschen neidisch. Egal, jedenfalls sei, so Finch, wer konservative Politik wolle, ja geradezu gezwungen, die AfD zu wählen. Ein Parteiverbot wäre seiner Meinung nach übrigens "das Schlimmste", es würde die AfD nur stärken. Was, laut Wagenknecht, ohnehin alle anderen tun: "Die Radikalisierung der AfD ist das Ergebnis des Umgangs mit ihr."
Wisst ihr Bescheid: Die Partei ist also nur deswegen voller Nazis, weil alle sie unentwegt als Nazi-Partei bezeichneten. Weswegen es auch ein fataler Fehler sei, nicht mit ihren Vertreter*innen zu paktieren: "Wenn eine Partei von 20, 30, 40 Prozent gewählt wird, dann muss ich doch 'nen Respekt haben dafür, dass diese Menschen sich so entscheiden." Tja, und wenn 20, 30, 40 Prozent demokratisch die Demokratie abschaffen wollen: Scheiß doch drauf, dass sie sich einst beim Verfassen des Grundgesetzes Gedanken gemacht haben, wie sich eine Wiederholung genau dieses Falls verhindern ließe. Oder wie?
Einigeln in der Opferrolle
Was nicht genehm sei, werde "alles weggecancelt", beklagte Finch dann auch. Insofern passen er und seine Gastgeberin gut zusammen: Sich einigeln in einer Opferrolle, darin schenken sie sich wirklich nichts. Finch (der seinerseits gerne mal seine Fanmeute auf private Instagram-Kanäle schickt, wenn jemand einen seiner Songs nicht so prall findet, sagsjanur) beschwerte sich über negative Reaktionen auf seinen Anti-Kriegs-Track. Wagenknecht bejammerte, ihre Partei werde "massiv geächtet und bedrängt". Komisch, dass, was die AfD angeblich doch gestärkt haben soll, angewandt auf das BSW, plötzlich als "Mittel, um Parteien klein zu halten", dient.
Nichts anzubieten
Ansonsten wurde ziemlich oft gesagt, dass man dieses und jenes ja nicht mehr sagen dürfe. Es wurde wiederholt angesprochen, was "viele sich nicht anzusprechen trauen". Die "Meinungsfreiheit ist eingeschränkt", müsst ihr wissen. Zudem benutzen diejenigen, die Sahra Wagenknecht ganz nonchalant als "Willkürregime" bezeichnet, "Krieg als Ersatzreligion, weil sie den Leuten nichts Positives anzubieten haben". Für all das Positive, das das BSW über einen Kriechgang in Putins Enddarm hinaus anzubieten hätte, war in dieser gefühlt endlosen Stunde dann aber dummerweise doch irgendwie keine Zeit mehr. Tja.
Dass mir der YouTube-Algorithmus im Anschluss an diese Tortur einen schwurbelig-esoterischen Werbespot für "Naturmedizin" auf "Rohhonig"-Basis einspielte, wundert mich nicht. Wer diesen Heiße-Luft-Talk bis zum Ende durchgehalten hat, ist danach auch dafür weich genug in der Rübe. Wo ist mein Orgon-Generator?














2 Kommentare mit 9 Antworten
Ja, ich denke halt, was Finch nicht verstehen will, ist, dass Konflikte aus Kompromissen bestehen. Einfach zu sagen, dass man auf Krieg keinen Bock habe, ist ja dann ein Schlag ins Gesicht für alle, die die Demokratie in diesem Land am Laufen halten. Ich glaube, er macht es sich hier einfach zu bequem. Noch nie einen Krieg selber erlebt, aber darüber urteilen wollen, dass man diesen unter allen Umständen verhindern müsse, um dann nach Aufgabe seine Freiheit einfach herzuschenken. Schlafwandler nennt man sowas.
...cool, gehst Du für mich hin und verteidigst unsere Demokratie? Ich gehe da nämlich nicht hin. Geil wäre, wenn Du noch 2 andere kennst, die für meine Söhne gehen. Die gebe ich nämlich nicht. Nur damit Du weißt, dass Ihr dann nicht nur einer sondern drei weniger seid.
Ach, Yukon. Ich geh' doch selbst gar nicht hin. Werd' mich krank schreiben lassen. Und jetzt les' meinen Kommentar bitte nochmal ganz langsam und versuche dir eine sinnvolle Betonung dazu auszudenken
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...hm, ok, falls das heißt, ich habe da eine Finte deinerseits in dem Text übersehen und eigentlich meinst Du ja das Gegenteil und so...dann rudere ich zurück und nehme meinen Text für ein andermal und für jemand anders...don't know, hab mir auch den falschen Moment für laut.de lesen ausgesucht. Eigentlich gar keine Zeit und äh....ich muss weg.
Manchmal lohnt es sich einfach im letzten Satz anzufangen, vieles, was ich schreibe, wirkt manchmal etwas ermüdend. Bis bald.
...bis bald, ich feiere das...und sowas gerade hilft mir auch, mir die eigene zeitweise Impulsivität vor Augen zu halten...und dabei, mir die richtige Zeit zum Lesen und Verstehen auszuwählen...peace
Das Eine ist, Krieg scheiße zu finden. Das sehen glaube ich 99% der Menschen so (ich auch!). Das Andere ist, dass man die Irren dieser Welt nicht mit einem Angriffskrieg durchkommen lassen darf, denn ansonsten sind wir evtl. die Übernächsten (DAS SOLLTE MAN ALS IN DEUTSCHLAND GEBORENER EIGENTLICH WISSEN). Denn das Signal, welches davon ausgeht, alles über sich und andere ergehen zu lassen, ist eine Einladung für die Imperialisten dieser Welt, fremdes Gebiet zu erobern, ohne Gegenwehr erwarten zu müssen.
Leider bin ich nicht gebildet und finanziell ausgestattet genug, um an diesem großartigen Abenteuer teilnehmen zu dürfen. Ich bin jetzt schon sicher, dass das Jobcenter sagen wird, leider reichen meine Qualifikationen dafür nicht aus und zudem bin ich auch nicht reich geboren, zwar in Deutschland, aber allein schon die Gepflogenheiten werden mir schwerfallen, also das soziale Antizipieren im Schützengraben jetzt. Ich denke, da sind viele Andere einfach besser und konservativer erzogen. I can't change my mould.
Nun muss sich jeder selbst ausmalen, ob es besser wäre, verteidigungsbereit zu sein und sich im Fall der Fälle zu verteidigen oder sich eben einem russischen oder chinesischen Reich zu unterwerfen. Naja, wir werden evtl. sehen, was passiert. Ich bin raus. Krieg Facebook vibes *.gg.
...als Menschenhasser bin ich minimalst teamfähig in solch einem Fall. Nullkommanull geeignet. Wahrscheinlich würde sich mein Vorgesetzter(?) nach endlosen Diskussionen und Socken-Verstecken durch mich selbst in die Luft sprengen, dann wäre die Brigade Kopf- und Führungslos.
Ich und mein Finch, ich und mein Fiiiinch...ich und mein, ich und mein Finch