Zwischen Konzert und Hausparty verwandelt der US-Superstar die Merkur Spiel-Arena in ein Stück Puerto Rico.

Düseldorf (jim) - Es gibt Konzerte, die wirken wie ein Best-of der größten Hits. Und es gibt Konzerte wie dieses, bei denen die Musik nur ein Teil des Erlebnisses ist. Bad Bunny bringt seine "Debí Tirar Más Fotos"-Tour in die Merkur Spiel-Arena und verwandelt Düsseldorf in ein Stück Puerto Rico.

Schon beim Betreten der Arena fällt auf, dass sich die Bühne in zwei Welten teilt. Auf der einen Seite die Hauptbühne mit riesiger Leinwand, auf der anderen eine detailgetreue Casita, eine Nachbildung jener Häuser, die das Bild seiner Heimat prägen. Überall wehen Flaggen lateinamerikanischer Länder, Fächer kreisen durch die Luft. Angesichts der Temperaturen im geschlossenen Stadion eine Notwendigkeit, gleicht die Arena bei geschlossenem Dach doch einer Sauna.

Der erste Akt

Der Auftakt gehört direkt den musikalischen Wurzeln Benito Antonio Martínez Ocasios. Begleitet von einer exzellenten Liveband taucht er tief in Salsa, Merengue und andere traditionelle Einflüsse ein. Ein Zeremonienmeister im beigefarbenen Anzug führt durch die ersten Momente, während Bad Bunny immer wieder innehält, den Applaus aufsaugt und sichtbar genießt. Man kauft es ihm auch tatsächlich ab, erzählt er doch davon, nie damit gerechnet zu haben, mit genau dieser Musik Stadien in Deutschland zu füllen.

Zu den emotionalen Höhepunkten zählt ein ausuferndes Synthsolo, das an Mike Dean erinnert und schließlich in "Baile Inolvidable" mündet. Spätestens hier wird klar, dass diese Tour weit mehr sein will als eine Aneinanderreihung von Streaming-Hits. Zwischendurch fordert Benito das Publikum auf, den Moment zu genießen. Ein passender Gedanke für eine Tour, deren Titel übersetzt 'Ich hätte mehr Bilder machen sollen' bedeutet. Die Besucher:innen erhalten ein kleines Fanlicht in Form einer Kamera. Als tausende dieser Lichter immer wieder die Arena erhellen, entsteht die schönsten Bilder des Abends.

Umzug in die Casita

Nach dem ersten Akt zieht Bad Bunny in die Casita um – und die Atmosphäre ändert sich schlagartig. Aus Konzert wird Hausparty. Reggaetón und Latin Hip-Hop lassen die Arena erbeben, während Tänzerinnen und Tänzer die kleine Bühne beleben. Benito trägt eine Jacke im Deutschland-Trikot-Look, schüttelt Hände, nimmt sich Zeit für Fans und holt sogar einen Zuschauer in seine Casita hochz. Trotz seines Superstar-Status wirkt Bad Bunny bemerkenswert nahbar.

Als das Stadiondach schließlich ein Stück geöffnet wird, fühlt sich die frische Luft fast schon wie eine Zugabe an.
Mit "Enséñame a Bailar" präsentiert Bunny nun den exklusiven Song des Abends (jede Tourstadt bekommt einen speziellen Song präsentiert) bevor die puerto-ricanischen Pleneros de la Cresta ein eigenes Intermezzo erhalten und die Show zurück auf die Hauptbühne wechselt.

Der geborene Entertainer

Dort folgen Highlights wie "Ojitos Lindos", das von Tänzern begleitet wird, sowie das unvermeidliche "Dákiti", bei dem die ganze Halle lauthals mitsingt. Pyrotechnik, ein weiterer Outfitwechsel und ein bittersüßer Moment beim Titelsong der Tour führen schließlich in einen druckvollen Reggaeton-Schlussspurt. Bad Bunnys Performance ist zudem über jeden Zweifel erhaben. Er singt alles live und trotz der immensen Schwüle bleibt er im Vollbesitz seiner Kräfte. Ein geborener Entertainer mit versatiler Stimme, der alle mitreißt: Sei es als Chansonnier mit großer Geste oder als nimmermüde Stimmungskanone.

Bemerkenswert bleibt auch, dass Bad Bunny den gesamten Abend über bei sich bleibt. Er spricht Spanisch, macht keinerlei Zugeständnisse an ein internationales Publikum und vertraut darauf, dass seine Kultur für sich selbst spricht. Genau darin liegt die besondere Stärke dieses Konzerts. Bad Bunny bringt nicht einfach Puerto Rico nach Deutschland, sondern er lässt Düsseldorf für zweieinhalb Stunden zu einem Teil davon werden. Gracias por todo, Benito.

Text: Johannes Jimeno.

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