In einer fulminant choreographierten Halftime Show vereint Bad Bunny ganz Amerika. Auch Lady Gaga und Ricky Martin sind mit von der Partie.
Santa Clara (dml) - Was für ein Auftritt! Schon vor dem 60. Super Bowl war klar, dass Bad Bunny die harsche Kritik des US-Präsidenten, dem die Vorstellung gar nicht gefiel, einen lateinamerikanischen Sänger zum Protagonisten der Halftime Show zu machen, nicht auf sich sitzen lassen würde. Andererseits war es ausnahmsweise gut, dass Donald Trump in diesem Falle nicht seine Klappe halten konnte. Als Reaktion darauf lieferte uns der puerto-ricanische Sänger und Rapper ein grandioses Spektakel.
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Wo soll man da anfangen? Dieses Bühnenset ist schlichtweg beeindruckend. Die Performance beginnt in einem Zuckerrohrfeld, in dem sich zahlreiche, weiß gekleidete Bäuerinnen und Bauern mit Pava-Strohhüten tummeln und arbeiten. Bad Bunny, der die Show mit "Tití Me Preguntó" einleitet, trägt ein weißes Football-Trikot mit der Aufschrift "Ocasio" und der Nummer 64, eine Anspielung auf den Mädchennamen seiner 1964 geborenen Mutter Lysaurie Ocasio. Zudem hält er einen Football in der Hand, der zum Schluss noch eine wichtige Rolle spielen wird.
Cameo-Auftritte
Er läuft und rappt durch das Zuckerrohrfeld, begegnet dabei Menschen aus dem Alltag, seien es Taco-Verkäufer, Nagellackiererinnen oder ältere, domino-spielende Herren. Er landet schließlich auf einer fetten Party und steigt auf eine pinke Casita, während er "Yo Perreo Sola" und "Soltera" performt. Zwischen all den Tänzerinnen erkennt man unter den Gästen der Feier auch bekannte Namen wie Jessica Alba und Pedro Pascal, aber auch die Rapperin Cardi B.
Nachdem unter Bad Bunny das Dach einbricht, tritt er locker die Haustüre auf, um nach draußen zu stapfen. Nächstes Szenenbild: Er steigt auf einen Oldtimer-Pick-Up-Truck und rappt "Monaco", eingeleitet von einer Hommage an Daddy Yankees Reggaeton-Klassiker "Gasolina." Umgeben wird Daddy Yankee von einer elektrisierenden Choreographie aus Tänzerinnen und Tänzern im Arbeiterlook.
Lady Gagas Liebeserklärung an Puerto Rico
Für die musikalische Untermalung der folgenden Hochzeitszeremonie ist Überraschungsgast Lady Gaga zuständig, die eine Salsa-Version ihres Hits mit Bruno Mars "Die With A Smile" zum Besten gibt. Auffällig präsentiert sich auch ihr Kleid, an dem die puerto-ricanische Nationalblume Flor de Maga hängt. Bad Bunny kehrt zur Hochzeitsfeier mit "BAILE INoLVIDABLE" zurück. Ein süßes Detail auf der Hochzeitsfeier stellt dabei ein kleiner Junge dar, der vor Langeweile eingeschlafen ist, eine Szene, bei der sich viele in den Kommentaren angesprochen fühlen.
Schließlich lässt sich Bad Bunny ins nächste Set fallen. Wir sahen bereits ein Zuckerrohrfeld, eine ganzes Haus, eine Hochzeitsfeier, Bunny landet in einem lateinamerikanischen Kleinstadtviertel samt Markt und Barbershop, während er "NUEVAYoL" singt. Zum Ende des Songs übergibt er einem kleinen Jungen seine kürzlich gewonnene Grammy-Trophäe. Zur Erinnerung: Er ist der erste Künstler, der die Haupt-Kategorie "Album des Jahres" mit einem komplett spanischsprachigen Album gewann.
Auch Ricky Martin ist zu Gast
Wenn schon ein Puerto-Ricaner die Halftime Show anführt, darf selbstverständlich auch eine Latin-Pop-Legende wie Ricky Martin nicht fehlen. Martin sitzt mitten in einer Bananenplantage und stimmt mit "Lo Que Le Pasó A Hawaii" den nächsten Song Bad Bunnys an. Mit im Bild: Zwei weiße Plastikstühle, die an das Cover von Bad Bunnys Album "Debí Tirar Más Fotos" erinnern. Darauf folgt "El Apagón", auf Deutsch "Der Stromausfall", für den Bad Bunny auf einen Strommast klettert. Das Szenenbild ist dabei symbolisch zu betrachten, da der Titel auf die problematische Energieversorgungssituation in Puerto Rico aufmerksam machen soll.
Ein Amerika
Für "Café Con Ron", einem der letzten Songs der Performance, stürmen Leute mit den Flaggen nord-, mittel- und südamerikanischer Staaten durch die Szenerie, um sich bei Bad Bunny zu versammeln. Dieser geht nun mit den Flaggenträgern in Richtung Kamera, während er "God Bless America" ruft und daraufhin alle amerikanischen Staaten, beginnend mit Chile und endend mit Kanada und Puerto Rico, aufzählt. Hinter ihm ist auf der Werbetafel der Spruch zu erkennen: "The only thing more powerful than hate is love". Zum Schluss gibt er auch preis, was auf dem anfangs erwähnten Football steht: "Together we are America". Er verlässt die Szene mit dem Titeltrack seines letzten Albums im Hintergrund.
An diesen Super Bowl wird man sich garantiert noch in Jahrzehnten erinnern, nicht nur wegen der aufwändigen Szenengestaltung und der tollen Choreographie, sondern auch wegen dem allgemeinen Vibe. Man kann die Freude aller Beteiligten förmlich aus ihren Poren triefen sehen. Auch wirkt alles so verflucht bescheiden und paradoxerweise trotzdem so glanzvoll. Nichtmal die Hochzeitsdarbietung prahlt mit allzu pompösen Schickimicki. Pure Ausgelassenheit und Freude reichen hier völlig aus. Kendrick Lamars Performance aus dem letzten Jahr mag meinen musikalischen Geschmack vielleicht eher ansprechen, aber seine gesamte Show macht durchaus einen sehr schlichten Eindruck, wenn man es mit dem diesjährigen Freudenfest vergleicht.
Nörgeleien des Präsidenten
Des einen Freude, des anderen Leid. Auch wenn Donald Trump vor dem Super Bowl eigentlich darauf beharrte, sich die Halftime Show nicht anschauen zu wollen, verliert er prompt ein paar Worte über die Performance. Unter anderem beschwert er sich darüber, dass man kein Wort verstünde und die Tänze unangemessen für minderjährige Zuschauer wären. Ich frage mich ja, vor wem sich die Kiddies eher hüten sollten. Aber seht einfach selbst:






















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goat