laut.de-Kritik

Pink Floyd treffen Steven Wilson.

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Seit Jon Courtney 2020 nach einer zehnjährigen Pause seine Alternative-Prog-Formation Pure Reason Revolution reaktiviert hat, sind drei Alben im Zweijahres-Takt erschienen. Anders als die drei diversen Releases der Nuller Jahre manifestierte die Gruppe ihren Alternative Prog und flocht mal elektronische und mal psychedelische Elemente in das Klangbild ein.

"Eupnea" führte die bekannten Trademarks fort, textlich behandelte der Bandkopf die Frühgeburt seiner Tochter. "Above Cirrus" kleidete die multiple Krisenlage um Corona, Brexit und Ukraine in himmelsstürmende Kompositionen. Mit "Coming Up To Consciousness" legte Courtney einen Seelenstriptease hin und etablierte ein neues Line Up: Chloe Alper ging und Heilung-Sängerin Annicke Shireen übernahm den Vocal-Sidekick Part von Bandkopf Courtney.

Nun folgt Album Nummer vier nach dem Hiatus. Der Nabelschau folgt wieder ein thematisch anders gelagertes Werk. Das Thema lautet 'Engel', wie der Albumtitel "Terrifying Angels" vermuten lässt. Die Cherubin, jene fettleibigen und rotwangigen Putti, von denen die Gemälde der Spätrenaissance und des Barocks förmlich überschwemmt werden, sind als Idealbild der Engel im Bewusstsein geblieben.

Courtney, der seinen Uniabschluss über Kants Kritik der reinen Vernunft geschrieben hat, sieht das Schalten und Walten der Lichtbringer deutlich ambivalenter. Seine Engel sind gleichzeitig alttestamentarische Rächer und in allzu weltlichen Kontexten düster dräuend unterwegs. Mitgefühl ist ihnen fremd, sie stehen uns und allem gleichgültig gegenüber. Daher die Aura der Grausamkeit, die sie oftmals umgibt. Wobei die Engel sich nur an den Menschen anlehnen: Die Hybris, die uns versuchen lässt, das Himmelreich auf Erden zu verwirklichen, verführt uns dazu, unsere gute Erde in eine Hölle zu verwandeln.

"Rumination Ruin" beschreibt die zerstörerische Kraft des Grübelns. PRR kleiden die eindringlichen Lyrics in einen noisigen Brachialrocker, der über einen dem Led Zeppelin-Klassiker "Immigrant Song" nachempfundenen Rhythmus die Gedankenspirale abwärts düst. Auf einen Break folgt ein im 3er-Metrum gehaltenes Crescendo.

Die Laut-Leise-Dynamik stellt ein Markenzeichen der Band dar, jedoch mit klarer Tendenz zu den lauten Momenten. Alleine das  elektrisch-pluckernde "Below Radiance" gibt einen Ruhepol. Solche Momente gab es etwa auf "Eupnea" mit "Beyond Our Bodies". In "Black-Arrow Acrobats" greift das Gesangsduo die Hand des Hörers und führt ihn in den Hook-Himmel. Der Song entpuppt sich als Hit, wohlgemerkt mit einer Länge von neun Minuten.

Der Titeltrack vereint auf 13 Minuten die Trademarks des Trios. Psychedelic à la Pink Floyd trifft auf harsche, markante Single Note-Riffs, die von krautiger Elektronik eingerahmt werden. In dem mehrteiligen mit Tempo-Wechseln gespickten Epos harmonieren die Gesangsarrangements exzellent. Courtney übernimmt zwar weiterhin das Gros der Melodien. In der Stimmführung ist Shireen jedoch deutlich präsenter als noch auf dem Vorgänger. In Ermangelung eines Tieftöners übernehmen kompetente Musiker die Bass-Linien. Namentlich geben sich Riverside/Lunatic Soul-Bandkopf Mariusz Duda und Ex-Pain Of Salvation-Mitglied Kristoffer Gildenlöw die vier Saiten in die Hand.

Der zweite Longtrack "Hold Your Wrath" fährt einige frickelige Jazz-Rock-Passagen auf und erinnert an Steven Wilsons Solo-Auftritte zu "Grace For Drowning"-Zeiten. Der Aufbau gleicht einem steten Auf- und Ab, Crescendi gleich einer monströsen Bergetappe bei der Tour de France. Der noisige Breakdown im Anschluss an einen kurze A Capella-Part der Sängerin lässt den Lautstärkepegel nach oben schnellen.

Wo bei vielen Prog-Combos das Rad neu erfunden wird, der Wagen indes nicht rollt, bleiben PRR ihrer Linie treu mit minimal-invasiven Kurskorrekturen.

Trackliste

  1. 1. Spin Like Fire
  2. 2. Black-Arrow Acrobats
  3. 3. Haywire Heart
  4. 4. Terrifying Angels
  5. 5. Rumination Ruin
  6. 6. Below Radiance
  7. 7. Hold Your Wrath

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1 Kommentar

  • Vor 39 Minuten

    Ich fand die beiden Vorgänger eher beschaulich um nicht zu sagen eher lahm. Das kann man von Terryfing Angels nun wirklich nicht mehr sagen. Gefällt mir demnach deutlich besser als die angesprochenen Alben. Solide 4/5 von mir, an Eupnea und vor allem dem Debut kommt es aber nicht heran. Muss es aber auch nicht. Unterhält ja trotzdem gut. Mich zumindest.