laut.de-Biographie
Slayr
Grüße an die statistisch gesehen zwei oder drei User*innen dieser Seite, die eigentlich zur fast gleichnamigen Metalband durchgestellt werden wollten. Ihr könnt euch gleich über "South Of Heaven" belesen. Aber wenn dieser mystische Vertipper euch schon hierhergeführt hat: Darf ich euch für ein wenig Digicore begeistern?
Gestatten: Philadelphias Slayr. Geboren als Einzelkind in den Vororten hat er Klavierunterricht bekommen und sich dann an Konsolen in Videospielmusik verliebt, bevor er an die klassischen Rapthemen seiner Generation geraten ist: Lil Uzi Vert, Kanye West, Playboi Carti, XXXTentacion. Aber wie viele andere Kids, die den Sprung in den Rap im Discord-Zeitalter nehmen, kann auch Slayr sich nicht ganz auf ein Genre eingrenzen.
Interesse kommt bei jungen Musiknerds schnell und schubweise: Tatsächlich an Metal, was auch die Namensgebung erklärt, aber auch am Hyperpop, an Psychedlia, an eigentlich allem, was so durch den Freundeskreis geht. Das passt, denn Slayr ist ein Teenager durch den Lockdown und die Musiksozialisierung funktioniert sowieso nicht analog und geht durch mehrere gleichzeitig einstürzende Genres.
Als Slayr alt genug ist, um ernsthaft Musik zu veröffentlichen, gibt es längst mehrere Genre-Bezeichnungen, die seinem Anspruch Heimat geben. Digicore, Rage, Jerk, Plugg - all das sind verwischte Äquivalente von Hip Hop-Sounds, die mal regional verwurzelt waren oder die es nur online gibt. Und Slayr ist einer von vielen Grenzgängern, die in sie alle oder in keinen von ihnen so richtig passt.
Erste Projekte wie "BeFour My Creation" oder "Gaia" 2022 und 2023 sorgen noch nicht gerade für Aufmerksamkeit. Er ist nur einer von vielen, die mit diesem Sound experimentieren. Es braucht ein paar Releases, bis er seine Stimme endgültig findet. Es ist der Track "Holding", der ihn auf ganz neue Radare befördert - und sein 2025-Album "Half Blood" zu einem Kultfavorit werden lässt.
Hier ist dann aber auch der Clue: Slayr entwickelt schnell die Reputation, einer der verwässerteren Vertreter seines Genres zu sein, nicht so Hardcore wie die anderen - und ergo eher bei Genre-Outsidern beliebt ist. Wenn dann Indietronica-Lieblinge wie die Underscores anfangen, seine Musik bei DJ-Sets zu spielen, verstärkt dieser Eindruck sich nur noch mehr. Aber ganz ehrlich: Wenn man all die Herleitung der Musik und all das Zwischen-den-Stühlen-stehen einmal zusammenkratzt - dann macht diese Positionierung doch nur Sinn.
2026 erscheint mit "Half Blood (BloodLuxe)" eine Deluxe-Version seines potentiellen Rage-Klassikers, und auf einmal hat man Slayr international auf dem Schirm. In welche Richtung an Sound oder Genre er sich von nun an entwickeln wird, es ist keine Frage: Leute werden zuhören.


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