laut.de-Kritik
Die Kunst, nicht breiig zu werden beim Brei machen: Dreampop meets Grunge.
Review von Kerstin KratochwillLangsam etwas zu Brei verarbeiten, so der paraphrasierte Bandname von Slow Pulp aus Wisconsin: Und die Musik auf ihrem dritten Album "Melodie" hört sich passenderweise auch an wie eine hypnotische Entschleunigung von Nineties-Alt-Rock und Dreampop-Indie. Damit erinnern sie vor allem an die Shoegaze-Veteranen Drop Nineteens, die aus beiden Genre-Welten stammen. Verfeinert mit folkigen, psychedelischen, alt-countryesken und grungigen Elementen schweben die Tracks getragen von der verträumten bis fordernder Stimme von Sängerin und Gitarristin Emily Massey dahin. Songs wie "Better Mann" oder das Titelstück "Melodie" sind hingegen treibende geradezu getriebene Indie-Rock-Bretter, die mehr an ihre shoegazigen Anfänge erinnern.
Erstaunlicherweise produziert von Elliot Kozel (bekannt für seine Arbeit mit Rosalia, SZA und Lizzo), markiert das Album eine Abkehr von den vorherigen, selbstproduzierten Projekten der Band hin zu einem poppigeren Anstrich. Das pulsierende "Red Car" ist so ein erstaunliches Stück, das warme Melodie mit kantigen Riffs und noisigem Teppich verbindet – ein Indie-Instant-Hit.
Slow Pulps Ansatz, 90er Jahre-Indie mit der neuen Generation von Dreampop-Shoegaze-Artists zu verbinden, rückt sie in die Nähe von Acts wie Momma, Soccer Mommy oder Alvvays. Ihre geradezu warmherzige, spartanische wie gelassen Art des Musizierens verleiht ihnen jedoch einen uniquen Status.
Das Schöne an "Melodie" ist die Gleichzeitigkeit von melodieschimmernden Momenten, lauten wie leisen Passagen sowie bittersüßen und verschwommenen Parts – ohne dass diese in einem Brei verschwinden. Das Album endet schließlich mit seinen besten Zeilen im melancholischen Schlusstrack "Slip Away": "And everything feels easy / When I forget that everything is different / When it's over / Then I slip away".


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