laut.de-Kritik
Der nächste Neuanfang landet beim tatsächlichen Anfang.
Review von Kerstin KratochwillVier Jahre haben sich die Editors Zeit für ein neues Album gelassen: Nachdem man auf "EBM" und einer Kollaboration mit dem Elektronik-Produzenten Blanck Mass seelenlosen Electro-Pop produzierte und davor auf "Violence" (2018) mit Gewalt und glattgebügeltem Mainstream-Pop die Coldplayisierung der Band vorantrieb, soll nun wieder alles neu beziehungsweise alt werden. Back to the roots quasi, zurück zum geliebten und gefeierten Debüt sowie Follower-Album, die beide immer noch als die ersten und letzten großartigen Werke der Briten gelten.
Das achte Album "Surface, Echo & Sound" soll also an diese Anfänge erinnern. Ansatz ist dabei akustikbasierte Songarbeit, ähnlich wie beim letzten Solo-Album "There Is Nothing In The Dark Which Isn't There In The Light" von Frontmann Tom Smith – vom grellen Scheinwerferlicht zum gothic-lastigen Kerzenschein, Johnny Cash meets Joy Division, und statt ins Stadion soll es nun wieder zurück in die Indie-Disco gehen.
Geschrieben und aufgenommen in einem Proberaum im ländlichen Gloucestershire, möchte die Band das Ursprüngliche, Natürliche in ihrer Musik evozieren. Mit Mandoline, Melodieverspieltheit und Melancholie durchtränkt, haben so viele Songs einen luftigen folkig klingenden Indie-Rock-Anstrich bekommen, der zuweilen an frühe U2 denken lässt - weitgehend pathosfrei also.
Treibende Songs wie "The Rush" oder "Call It In" erinnern tatsächlich an ihre Anfangszeiten, und es ist schön zu hören, dass die überfrachteten und überladenen Sounds ihrer letzten Alben im englischen Misthaufen gelandet sind. In der Mitte des Albums findet sich aber auch viel rustikales Beiwerk. Tracks, die belanglos dahinplätschern wie zum Beispiel "Shadow", das am Ende doch wieder pathetisch ausufert. Ganz so als hätte man es sich auf dem Schaukelstuhl auf der Veranda gemütlich gemacht und gerührt angesichts der eigenen Authentizitätsarbeit in den Sonnenuntergang geblickt.
Mit "Real" kann man sich auch nicht wirklich von alten manierierten Angewohnheiten verabschieden, ein Song, der wie ein Fremdkörper wirkt im als "back to the roots" gepriesenen Album. Der Neustart mit Rückgriff auf das Alte gelingt nicht ganz, dennoch finden sich auf "Surface, Echo & Sound" die besten Editors-Songs seit Jahren.


2 Kommentare
Schade, dass die Autorin nicht erkennt wie großartig das neue Album der Editors ist. Und wo genau Anklänge an die frühen U2 herkommen erschließt sich mir auch überhaupt nicht. Aber egal, Editors sind zum Glück nicht für jeden etwas.
Schade um diese lieblos hingeworfene Kritik.
Wo bitte schön klingt Violence nach Coldplay?
Als ob in all den Jahren keine grandiosen Editors Song mehr erschienen sind geschweige den fantastische Alben. Ich könnte locker 20 Songs aufzählen, die vor allem auch live richtig gut funktionieren.
Shadow finde ich schön platziert in der ersten Hälfte des Album und vor allem das Ende klingt schön bombastisch.
Auf Much Love wird gar nicht erst eingegangen, ein weiteres „The Cure mässiges” Highlight auf dem Album.
Selbst Seriously macht grossen Spass nach mehrmaligen Hören.
Für mich ein grandioses und in sich stimmiges Album und für mich neben den ersten 3 Alben sowie Violence ein klares 5/5 Album. The Weight, In Dream und EBM folgen mit 4.5/5.