Porträt

laut.de-Biographie

Cameron Winter

Der erste Song von Cameron Winter, den man online findet, heißt "The Pi Song" und ist bis heute auf dem SoundCloud-Profil seines Vaters zu hören. Als Cameron zwölf Jahre alt ist, gewinnt er damit den "Pi Day Song Contest" eines Mathematik-Museums. Neben endlosen Zahlenfolgen und Kuchen-Wortwitzen gibt er uns darin zu denken: "Pizza pie is always a hit / If you eat too much, your heart will stop a little bit". Zehn Jahre später sind Cameron Winters Songs bei größeren Erkenntnissen angelangt: "God is real, God is actually real, I'm not kidding this time!"

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Bevor er mit der Band Geese und seinem Soloprojekt Erfolg haben wird, wächst Cameron Winter in Brooklyn auf. Der Sohn einer Autorin und eines Komponisten entdeckt schon früh die Liebe zur Musik und schreibt mit zehn Jahren seinen ersten Song – ja, noch vor "The Pi Song"! – über einen einsamen Trucker. Aus diesem Hobby, traurige, kleine Geschichten zu schreiben, wird später ein legitimeres Projekt: Geese.

Dort übernimmt Winter Keyboards, Gitarre, Gesang und den größten Songwriting-Anteil. In der High School gegründet, veröffentlichen die fünf Freund:innen aus Brooklyn ein Album und eine EP, die beide nicht mehr offiziell erhältlich sind. Eigentlich ist der Plan, sich nach der Schulzeit, also im Jahr 2020, aufzulösen und zu studieren, doch ein Labelvertrag bei Partisan Records lässt sie diesen Plan verwerfen.

Zu dieser Zeit spielt Winter auch noch im etwas ruhigeren Indie-Duo Men Of The Reef, von dem es bislang nur eine EP gibt. Geese bekommen mit "Projector" und "3D Country" immer mehr Lob von der Musikpresse, nichtsdestotrotz sehnt Winter sich bald nach einem Soloprojekt. "Ich habe einfach viel Musik gehört, durch die mir klar wurde, dass ich Regeln befolgt hatte, die gar nicht hätten befolgt werden müssen", erzählt er der New York Times.

Unter seinem eigenen Namen erscheinen im Oktober 2024 also zwei "Singles", zwei Monate später das Album "Heavy Metal". Ein Release ausgerechnet im Dezember, dem Monat, in dem die Presse den Neuerscheinungen am wenigsten Beachtung schenkt – "Heavy Metal" wirkt nicht wie der große, von Fanfaren begleitete Schritt zur Solokarriere. Und doch wird es bald genauso bedeutsam wie Geese' Musik. Die Songs auf Winters Soloalbum sind verhalten, eigenartig formuliert und nicht gerade ohrwurmig. Geese ist zwar auch nicht wirklich die zugänglichste Musik aller Zeiten, aber es hat Explosionen, Energie und Rock'n'Roll. "Heavy Metal" widerspricht seinem Titel; es ist Cameron Winter am Klavier, umringt von zufällig wirkender Produktion und Stream-of-consciousness-Gedanken.

Cameron Winter - Live At Carnegie Hall Aktuelles Album
Cameron Winter Live At Carnegie Hall
Wie ich es wagte, dem Geese-Sänger eine 3/5 zu geben – ein Essay über Hype.

Doch es trifft gerade darin einen Nerv. Winters quäkende, brüchige Stimme geht so vielen ins Mark, seine Texte sind brillant verquer und zugleich verletzlich geschrieben. Inspiriert von Poeten wie Leonard Cohen und Bob Dylan, wird Winter bald mit diesen verglichen. Eigentlich hatte Winter Angst, dieses Album zu veröffentlichen, da so viele, inklusive seines Vaters, ihm nach dem Hören davon abrieten. Jemand von seinem Label erklärte Winter, dies sei kein Album, das ihn aus dem Elternhaus bringen könne. Winter erwidert aber zur Veröffentlichung: "Ich bin jung und schäme mich nicht dafür, bei meinen Eltern zu leben." Wenige Monate später schon ist er in eine eigene Wohnung gezogen. Wie ein Rockstar verhält er sich dennoch nicht, sondern tritt in Interviews als zurückhaltender Künstler mit exquisit trockenem Humor auf. Der Presse gegenüber behauptet er unter anderem, er habe das Album in Guitar-Center-Filialen aufgenommen und einen fünfjährigen Bassisten angeheuert.

Die langsam wachsenden Lorbeeren um "Heavy Metal" legen dem Hype um das nächste Geese-Album "Getting Killed" ein gutes Nest. Als "Getting Killed" durch die Decke geht, leuchtet das wiederum ein weiteres Spotlight auf Winters Soloprojekt. Bei Phoebe Bridgers' lang erwartetem Album "Lost Weekend" singt er unter dem Decknamen Son-John Johnson mit – ein Alias, das er seitdem nicht weiterverwendet hat.

Der Vergleich mit Bob Dylan kommt Winter schon bald näher als gedacht: Im Dezember 2025 tritt er in der New Yorker Carnegie Hall auf, als jüngster Künstler (23 Jahre) seit Dylan anno 1963. Das Konzert mit Winter am Klavier und gefilmt von Paul Thomas Anderson, zeigt seine Stimme und Songwriting-Brillanz klarer denn je. Es scheint, als habe sich nun einer der markantesten Künstler seiner Generation offenbart. Der Audiomitschnitt erscheint im Oktober 2026 unter dem Titel "Live At Carnegie Hall".

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