laut.de-Kritik
Geschärfter und pointierter als das Original.
Review von Markus SeibelEinige werden beim neuen Album ein leichtes Déjà-vu empfinden. Und zurecht, denn es ist eine Neuaufnahme des 1983er Albums. Die neue Version des legendären Albums bietet dabei nicht nur die Accept-Kultstimme von Udo Dirkschneider, sondern mit Sabaton-Vokalist Joakim Brodén obendrein eines der bekanntesten Gesichter der heutigen Szene als Gast. Aber auch alte Weggefährten wie Doro Pesch, Dee Snider, Mille Petrozza oder Michael Kiske sind vertreten. Die Band weiß ganz offensichtlich, wie man sich auf diesem veröffentlichungsreichen Sektor präsentieren muss. Kann denn die Musik auf der dargebotenen Silberscheibe auch mithalten?
Den Anfang macht der kernige, gitarrenorientierte Titeltrack. Mit ordentlich Power und Speed irgendwo zwischen alten Running Wild und Helloween mit diesen für Accept typischen Mitsing-Chören. An die Solinger Edelstahlschmiede erinnert auch das folgende "London Leatherboys" mit seinem gelungenen Mitsing-Refrain und dem Reibeisen-Organ von Udo Dirkschneider. Mit gedrosselter Geschwindigkeit rockt der eingängige Stampfer "Fight It Back", während "Head Over Heels" zunächst wie eine Midtempo-Nummer tönt, mit hymnischer Note im Chorus.
Gibt es trotz gleicher Reihenfolge und Benennung der Songs denn klare klangliche Unterschiede? Absolut! "Balls To The Wall Reloaded" wirkt im Gegensatz zum Original deutlich geschärfter und pointierter. Dadurch klingt die Neuaufnahme gleichzeitig klarer und natürlicher als die ursprüngliche Version. Auch die Vocals von Udo haben sich in den vergangenen Jahren beachtlich weiterentwickelt und werden in der Neuaufnahme zurecht mehr in den Mittelpunkt gerückt und klarer abgemischt. Dennoch werden die Tracks von der Instrumentalfraktion praktisch originalgetreu wiedergegeben, ohne irgendwelche Schnörkel. Im Vergleich mit der doch etwas angestaubten Originalversion gewinnen die Lieder soundtechnisch unheimlich an Druck. Das führt dazu, dass "Balls To The Wall Reloaded", obwohl es theoretisch das selbe Album ist, einen ganz eigenen Charakter und eine andere Atmosphäre hat. Dabei kommt die Neuaufnahme ohne Verzerrungen über Einspieler und Vocals aus und trifft das Ohr deswegen deutlich direkter und schärfer. Vor allem bei "Losers And Winners" ist der Unterschied hörbar. Die Neufassung gibt dem Song durch tiefere Instrumente und das Weglassen von Rauschen mehr Raum für Intensität und Melancholie. Denn es wird auch auf dieser Platte deutlich: die Herren machen genau die Musik, die sie machen wollen. So funktioniert auch auf der Wiederveröffentlichung die Mischung aus klassischen 80s-Metal-Riffs.
Davon abgesehen, hat Udos Gesang einfach Wiedererkennungswert. Kurzum: Dirkschneider ist mit "Balls To The Wall Reloaded" eine gutklassige, kraftvolle und modern produzierte Wiederveröffentlichung gelungen, das insbesondere Fans des klassischen Heavy Metals ansprechen sollte. Ob klar und pointiert oder verzerrt und rau ist wohl eine individuelle Geschmacksfrage. Aber ganz egal ob in maskuliner oder femininer Ausführung: Für Freunde der gepflegten Melancholie ist dieses Album Pflicht!
7 Kommentare mit 5 Antworten
fun fact, balls to the wall ist eine meiner Lieblingsstellungen
Sehr gerne würde ich den Spiegel machen. Am liebsten an der selben Wand, Ei and Ei.
Nein! Hier fehlt jedem Track der Biss. Accept haben mich als 13jähriger vom 80iger Pop in eine neuen musikalische Welt geführt und dafür bin ich ihnen bis heute sehr dankbar. auch wenn ich schnell erkannt habe, das sie nur die spitze eines sehr tiefreichenden Eisberges waren. Aber das jetzt...sorry!
Das sehe ich ganz anders. Die Songs haben viel mehr Drucks und Wumms! Zudem haben Lyrics wie aus Balls To The Wall gerade gesellschaftlich jetzt noch einmal eine andere Konnotation. Ohne dazu viel hineininterpretieren und hier das Feuilleton aufmachen zu wollen, entscheidet ist was es beim Hörer auslöst. Und man hört dass Udo fire in sich hat, wenn er das singt und damit ein Statement abgibt.
THE voice of Teutonic Heavy Metal, wie die Webseite des Udos den Udo nennt, klingt leider äußerst schwach produziert. Ich verstehe das wirklich, dass gerade Musik die besonders brachial wirken soll oft so furchtbar langweilig, sauber und flach produziert wird.
Puuuuh, ist das verhunzt. Metal ist ja nicht so mein Genre. Aber dass man Neufassungen auch in gut abliefern kann, haben z.B. Blind Guardian neulich noch gezeigt.
Metal ist durchaus schon mein Genre (neben vielen anderen, und ich kann da nur zustimmen.
Haha, was für ein cash grab. Hat der nicht jahrelang gemeint, er wäre es leid, Accept zu spielen und darauf beschränkt zu werden? Jedenfalls sehe ich nicht einen Grund diese Versionen den originalen vorzuziehen. Wie schaffen die es, solche Songs klingen zu lassen, wie 08/15-Beiträge auf einem Metal Hammer-Sample lel
Geschärfter und pointierter als das Original, das m. E. ein Meilenstein des Metals ist? Keinesfalls. Kann die Rezi überhaupt nicht nachvollziehen. Die Neuvesionen schwanken zwischen schwach, überflüssig und allenfalls passabel. Winter Dreams hebt sich immerhin positiv ab, da der Song zumindest einen anderen Charakter bekommt und Udos Gesang hier weniger abfällt. Glaube aber nicht, dass ich das Machwerk öfter hören werde. Mehr als 2 Sterne sind nicht drin.
Nach einmaligem Durchhören habe ich mir erstmal das Original reingezogen, um wieder klar zu werden.