Der langjährige Bassist starb bereits letzte Woche im Alter von 72 Jahren an Krebs. Die Band trauert um einen "feinen Menschen".
Düsseldorf (mis) - Michael Kemner ist tot. Der Bassist der Post-Punk-Legende Fehlfarben starb bereits am 3. Januar im Alter von 72 Jahren an einem Krebsleiden. Die Band verbreitete die traurige Nachricht am Wochenende auf ihren Social-Media-Accounts. Dort heißt es: "Unser toller Bassist und Bandmate hat seinen letzten Kampf verloren. Wir vermissen dich. Es ist unendlich traurig. Du warst so ein unaufgeregter feiner Mensch und Musiker. Verantwortlich für viele Songs. In großer Trauer, deine Fehlfarben."
Kemner war Ende der 70er Jahre Stammgast im Ratinger Hof, dem Wohnzimmer einer Szene, das bald als kreatives Epizentrum in die Musikgeschichte eingehen sollte. In der Gaststätte trafen sich Musikerinnen und Musiker, die später in Bands wie Die Krupps, Propaganda, Die Toten Hosen, Östro 430, DAF und eben Fehlfarben bekannt wurden. Kemner ist zunächst Bandmitglied von DAF und spielt 1979 deren Debütalbum "Ein Produkt der D.A.F." am Bass ein. Als die Band nach London umsiedelt, kehrt der Mann aus dem Bergischen Land noch vor den Aufnahmen zu "Die Kleinen Und Die Bösen" nach Düsseldorf zurück und schließt sich den Fehlfarben an.
Er kommt zum richtigen Zeitpunkt: Das Debütalbum "Monarchie und Alltag" entwickelt sich schnell zum Szene-Erfolg. Eine so harte, ungekünstelte Musik mit deutschen Texten kennt man in der Bundesrepublik bis dahin nicht. Neben Peter Heins kräftigen Wortbildern und der Brillanz des Gitarristen Thomas Schwebel tragen Kemners hypnotische Akkordmotive maßgeblich zum Erfolg der Lieder bei: Düster dramatisch in "Das Sind Geschichten", elektrisierend in "Paul Ist Tot" und dem NDW-Hit "Ein Jahr (Es Geht Voran)".
Der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung kommerziell nur mäßig erfolgreiche Tonträger entwickelte sich über die Jahre analog zu "The Velvet Underground & Nico" zu einem unsterblichen und viel zitierten Klassiker, einer der wichtigsten deutschsprachigen Platten überhaupt. Nach Heins Ausstieg bleibt er für das zweite Album "33 Tage In Ketten" an Bord, gründet danach mit DAF-Kollege Wolfgang Spelmans Mau Mau und ist 2002 beim umjubelten Fehlfarben-Comeback "Knietief im Dispo" wieder Teil der Besetzung.
2022 erschien das letzte Studioalbum "?0??", das der Gruppe mit Platz 19 die beste Chartplatzierung ihrer Karriere bescherte. im Frühjahr 2025 spielte die Band ihre letzten Konzerte mit Kemner. Vor Weihnachten erschien "33 Tage in Ketten" in einer Neuauflage. Parallel dazu führte Thomas Schwebel das Album im Rahmen des Lieblingsplatte Festivals in Düsseldorf mit Gastmusikern auf: An der Gitarre stand Tapete-Records-Chef Gunther Buskies, am Schlagzeug Rick McPhail (Ex-Tocotronic) und Kemners Instrument bediente Peta Devlin (Die Braut Haut Ins Auge).
Kemners früherer DAF-Kollege Robert Görl kondolierte bereits vor drei Tagen über Instagram und erinnerte an die gemeinsame Zeit:






















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