laut.de-Kritik

Riotgaze? Riotgaze!

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Softcult ist ein kanadisches Alternative-Rock-Duo, bestehend aus den Zwillingsschwestern Phoenix und Mercedes Arn-Horn, das seinen Sound selbst als Riotgaze bezeichnet. Und ja, das trifft das rohe wie ätherische Klangbild der beiden ziemlich gut: Nach vier erstaunlichen EPs erscheint nun mit "When A Flower Doesn't Grow" das Debütalbum der Band, auf dem sie ihre von My Bloody Valentine, Bikini Kill und Cocteau Twins inspirierten Tracks in aller brutalen und dunklen Schönheit erzittern und erblühen lassen.

Ihre musikalischen Blumen wachsen auf von DIY- und Riot-Grrrl-Ethik kultivierten Boden und sind intensiv gedüngt mit Mitteln aus Grunge, Punk, Shoegaze, Lo-Fi und Indie-Rock. Dieser Mix aus energetisch Prügelndem und noisig Flirrendem findet sich exemplarisch im mitreißenden "She Said, He Said".

Ihrer Punk-Riot-Lust lassen sie im atemlosen "Hurt Me" zügellosen Lauf, ein Song, der an Breeders und Nirvana erinnert, um dann im nächsten Song "I Held You Like Glass" eine zerbrechliche Dreampop-Hymne anzustimmen. Dem klassischen Shoegaze hauchen sie derweilen in "Naïve" oder "Queen Of Nothing" eine beseelte Atmosphäre ein und verlassen damit eingetretene Pfade des Genres.

Der Titel ihres selbstproduzierten Albums ist übrigens einem berühmten Zitat des Autors Alexander Den Heijer entlehnt: "Wenn eine Blume nicht blüht, muss man die Umgebungsbedingungen verbessern, in denen sie wächst – nicht die Blume selbst". Getreu diesem Motto verändern Softcult von EP zu EP bis hin zu diesem ausgereiften und atemberaubenden Debüt immer wieder ihr musikalisches Grundgerüst, mal radikal, mal behutsam – aber immer mit kathartischem Zweck.

"When A Flower Doesn't Grow" ist ein konzeptionelles Werk über innere Metamorphosen. Geschrieben aus der Perspektive einer Person, die durch traumatische Erfahrungen erschüttert wurde, ihre Umgebung ändert und letztlich heilt, indem sie zu der Person heranwächst, die sie immer sein sollte – "trotz eines Umfelds, das versucht hat, sie zu brechen", wie die Band selbst erklärt. Und unserer harten Außenwelt könnte man nicht widerständiger begegnen als mit Softcults unerschrockener Musik.

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. Pill To Swallow
  3. 3. Naive
  4. 4. 16/25
  5. 5. She Said, He Said
  6. 6. Hurt Me
  7. 7. I Held You Like Glass
  8. 8. Queen Of Nothing
  9. 9. Tired
  10. 10. Not Sorry
  11. 11. When A Flower Doesn't Grow

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