laut.de-Kritik
Zwanglos-herzliche Pop-Rap-Melancholie.
Review von Jasmin LützGleich mit dem ersten Track seines ersten Albums "Softy" geht Thorben Kaiser aka ZackiBoy ans Eingemachte "Jeden Tag Pillen, jeden Tag Pillen", heißt es in "Venlafaxin" Ein Leben, überwältigt vom ganz normalen Alltagskrams und der mentalen Gesundheit. Auf "Softy" gibt es allerlei elektronische Beats, Melodika und tanzbare Melodien zu hören. Es erzählt aber auch von Überlastung und Situationen, denen man oft nicht gewachsen ist.
Bei ZackiBoy denkt man gleich an Andreas Dorau, und - zack! - taucht er auch schon als Special-Gast auf. "Immer Ehrlich": Das unterschreibt man sofort und wippt zum spacigen 1980s-Sound. Mit schrägen Tönen, fetten Beats und Sprechgesang erklärt uns ZackiBoy die Welt des Internets.
Er nimmt uns mit in seinen Alltag, teilt seine Gedanken und betrachtet alles ganz genau: gereimte Geschichten über Familie, Freund:innen und jahrelange Beobachtungen im Kneipen- und Musiker-Milieu. Mal düster, oft zwanglos-herzlich, aufgepeppt mit einer Menge Eigenhumor: "Bart Brille Bauch" toppt das Rap-Wunder von "Bauch Beine Po".
Auch wenn sie sich nicht verpissen sollen wie damals bei den Lassie Singers, bekommen "Paare" ihr Fett weg. Das System der Zweisamkeit ist einfach altmodisch und fade, mit dem Knickknack läuft es auch nicht mehr so wie beim Nachbarn: Ist das der Neid oder doch schon der Eindruck vom happy Singledasein?
Auch bei einem ZackiBoy, der oft alles auf die naive Schulter nimmt, hinterlässt so manche intensive Erfahrung Narben auf der Seele. Überforderung an allen Ecken, digitale und mentale Müdigkeit, enthüllt er mutig und übersteuert sie mit knackigen Sound-Collagen. Smoothe Rap-Einlagen gibt es auf "Only Positive Vibes" mit Augenringemann. Hier kommt man kurz zur Ruhe, bevor es mit "Gute Laune" zurück auf die emotionale Tanzfläche geht.
Bei all den lebendigen Klängen schleppt sich die finale Melancholie in den Vordergrund. "Wände Gucken" und "Maus" beschreiben die akute Reizüberflutung zwischen Konzertevent und der eigenen heimischen Tanzhalle. Am Ende möchte man den Softy einfach nur umarmen und ihn an Schlingensiefs Worte erinnern: Scheitern als Chance. Mit diesem zackigen Groove schaffen wir das crazy Life.


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