laut.de-Kritik

Dreierfantasien, die keiner braucht.

Review von

Es ist mal wieder so weit: Fantasy bringen ihr 15. Studioalbum auf den Markt und leuchten damit erneut die Tiefpunkte des Schlagers aus. Dass "Bube Dame König" ausgerechnet an Gründonnerstag erscheint, wirkt fast folgerichtig. Selbst als Atheist bekäme man ein ungutes Gefühl, so einen Mist ausgerechnet an Karfreitag zu veröffentlichen.

Telamo wirbt derweil schwer: Fantasy hätten sich extra für ihre treuen Fans "mit jungen Komponisten sowie innovativen Texterinnen und Textern zusammengetan". Offenbar verschmerzbar soll da sein, dass das Albumcover einmal mehr absolut unterirdisch aussieht. Schatten und Spiegelungen folgen keiner erkennbaren Logik, die auf dem Boden verstreuten Spielkarten und Chips liegen in einem anderen Winkel als die Füße der beiden Schlagerstars. Dass so etwas abgesegnet wird, grenzt an schiere Marktverhöhnung.

Aber gut, es geht ja schließlich um die Musik. Und was einen auf "Bube Dame König" erwartet, ist an Geschmacklosigkeit kaum zu übertreffen. "Ein Anderer Duft" macht die thematische Ausrichtung direkt klar: "Da ist ein anderer Duft in deinem Haar / War dir ein anderer Mann denn heut' so nah". Untermalt wird das Ganze von der gewohnt zähen Telamo-Grütze.

Der Titeltrack, man ahnt es, bleibt nicht auf einer eindeutigen Ebene. Was einem dann an Lyrics vorgesetzt wird, verstört dennoch nachhaltig: "Ja, du willst es mit uns beiden, doch drei sind einer zu viel" ist nur eine der poetischen Perlen der "innovativen Texterinnen und Texter". Fürs Musikvideo stehen die beiden Fantasierenden natürlich allzu gern zur Verfügung, mit dem Effekt, dass man instinktiv die Straßenseite wechseln möchte.

"Heut Nacht Brauch Ich Ne Lüge" dreht den Spieß gedankenlos um. Was im Opener noch als moralischer Tiefpunkt galt, die fremdgehende Frau, ist hier plötzlich halb so wild, wenn man selbst daneben langt. Einfach nicht zu Ende gedacht: Es war ein Fehler, die andere war doch nicht annähernd so perfekt wie du! Man könnte fast glauben, Fantasy wollten hier eine Metaebene eröffnen und die Selbstlüge des lyrischen Ichs kritisieren. Wer das als Hörer ernsthaft annimmt, belügt sich allerdings am Ende als einziger selbst. Musikalisch erreicht der Track neue Tiefen: Fredi Malinowski und Martin Hein singen plötzlich in höheren Lagen und legen damit unfreiwillig offen, dass hier weder gesanglich noch kompositorisch noch textlich viel Substanz vorhanden ist.

"Versuchs Doch Mal Mit Liebe" wirkt da fast wie ein normaler Song: etwas mildere Texte, ein Hauch von Eingängigkeit sind im Fantasy-Kosmos offenbar schon ein Fortschritt. "Das Tabu" tritt anschließend wieder alles mit Füßen. Endlose Romantisierung des Seitensprungs, "Zwei verbotene Herzen / Im Schein der Kerzen" als lyrischer Höhepunkt, das sagt eigentlich schon alles.

In "Jeder Tag Mit Dir" bricht das Duo tatsächlich in den ersten 50 Sekunden aus dem typischen Schlagertrott aus. Für einen kurzen Moment keimt so etwas wie Interesse auf, ein seltenes Gefühl auf diesem Album. "Sag Niemals Nie" bringt so etwas wie Pathos mit, garniert mit ein paar englischen Floskeln – und siehe da: Es funktioniert halbwegs. Der Track hebt sich ab und ist tatsächlich nicht komplett misslungen.

"Was Hast Du Mit Mir Vor" rettet sich zurück in die Belanglosigkeit. "Was macht deine Hand auf meinem Knie" eröffnet einen Song, in dem Freundschaft zur Romantik verklärt wird, und das ist ebenso vorhersehbar wie unerquicklich.

In "Adam Ohne Eva" liegt endgültig der Hund begraben. Natürlich ist die Frau mal wieder fremdgegangen, grr! Es folgen poetische Verse: "Soll ich denn Adam ohne Eva sein / Du allein hast die Wahl / Beißt du gleich in jeden Apfel rein / Ist dir das so egal". Fantasy nehmen also die Geschichte vom Baum der Erkenntnis, werfen der Frau vor, gleich in jeden Apfel zu beißen, und legen ihr obendrein noch Gleichgültigkeit zur Last.

Wenn man sich seine Metaphern derart leichtsinnig zusammenklaubt, wird langsam klar, warum dieses Schlagerduo textlich immer wieder in dieselbe objektifizierende Sackgasse läuft. Dabei läge die Deutung so nahe: Die biblische Erzählung lässt sich als Geschichte menschlicher Entwicklung lesen, als Symbol für Neugier und Erkenntnisdrang – und vor allem als geteilte Verantwortung. Doch statt sich auch nur ansatzweise mit dieser Dimension auseinanderzusetzen, reduziert man alles auf eine platte Schuldfrage. Die wird hier, natürlich, Eva zugeschoben. Adam hat ja auch erst als zweites am Apfel geknabbert. Aus dieser schiefen Perspektive wird dann noch ein moralischer Vorwurf gebastelt, der schließlich in grenzdebilen Schlagerzeilen endet. Mehr Kurzschluss geht kaum.

"Melodie Der Nacht" und "Geh Jetzt Nicht Vorbei" bieten immerhin kurz Gelegenheit zum Durchatmen. "Samstagnacht" widmet sich erwartbar wieder "Lust und Sehnsucht", "Lüg Mich Bitte Nochmal An" erneut dem Dauerbrenner Fremdgehen.

"Wo Schläfst Du Heut Nacht" ist schließlich genau so primitiv, wie der Titel vermuten lässt: "Dein Tattoo, das hab ich längst entdeckt / Sag mir nur, hast du noch wo eins versteckt". Spätestens beim dazugehörigen Video, in dem sich die beiden Sänger auf einem Bett räkeln, setzt endgültig der Fremdscham-Reflex ein. Auch der "Hitmix 2026" ist, wenig überraschend, erwartbar unerquicklich.

"Bube Dame König" ist ein Album, das nicht nur musikalisch auf der Stelle tritt, sondern auch inhaltlich in einer Endlosschleife aus Eifersucht, Untreue und rückwärtsgewandten Rollenbildern festhängt. Fantasy unterbieten damit selbst die niedrig gehängten Erwartungen des Genres im Jahr 2026. Ja, das wird sein Publikum finden, wie immer. Aber wer mehr sucht als akustisch verpackte Belanglosigkeit mit fragwürdigem Weltbild, bekommt hier vor allem eines serviert: einen ziemlich überzeugenden Grund, einfach mal wieder etwas anderes zu hören.

Trackliste

  1. 1. Ein Anderer Duft
  2. 2. Bube Dame König
  3. 3. Heut Nacht Brauch Ich Ne Lüge
  4. 4. Versuchs Doch Mal Mit Liebe
  5. 5. Das Tabu
  6. 6. Jeder Tag Mit Dir
  7. 7. Sag Niemals Nie
  8. 8. Was Hast Du Mit Mir Vor
  9. 9. Adam Ohne Eva
  10. 10. Melodie Der Nacht
  11. 11. Geh Jetzt Nicht Vorbei
  12. 12. Samstagnacht
  13. 13. Lüg Mich Bitte Nochmal An
  14. 14. Wo Schläfst Du Heut Nacht
  15. 15. Hitmix 2026

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1 Kommentar mit 2 Antworten

  • Vor einer Stunde

    Das Schlager-Duo
    Fantasy, bestehend aus Fredi Malinowski und Martin Hein, ist vor allem deshalb so beliebt, weil es das Genre des modernen Popschlagers maßgeblich geprägt hat und dabei eine besonders enge, authentische Bindung zu seinen Fans pflegt.

    Moderner Sound: Das Duo hat den klassischen Schlager durch den Einsatz moderner Beats und Einflüsse (z. B. eine andere Bassdrum) "verjüngt" und tanzbarer gemacht.
    Authentizität und Fannähe: Fredi und Martin gelten als Künstler zum "Anfassen". Ihre Bodenständigkeit, die auch durch ihre persönlichen Hintergrundgeschichten (wie frühere Gelegenheitsjobs oder schwierige Kindheitserlebnisse) unterstrichen wird, macht sie für viele Fans nahbar.
    Themenvielfalt und Emotionen: Ihre Lieder behandeln klassische Schlager-Themen wie Sehnsucht und Liebe, werden aber oft als "Fest der Vielfalt und Emotionen" beschrieben, die das Publikum direkt ansprechen.
    Kontinuität: Seit ihrer Gründung 1997 haben sie sich über Jahrzehnte eine treue Fangemeinde aufgebaut und landen regelmäßig auf Platz eins der Albumcharts.
    Ehrlichkeit: Die Musiker scheuen sich nicht, auch kritische Töne zur Musikbranche oder zu großen TV-Shows zu äußern, was sie in den Augen ihrer Fans glaubwürdig macht.