Mateo und Co. wollen auch vom Fußball-Hype profitieren. Dafür verkaufen sie Herz und Seele eines Klassikers - und ihre Fans für dumm.

New York (dani) - Gestern noch dachte ich, Fußballfan-Herzen leiden wahrlich schon genug unter den Umständen, unter denen in diesem Jahr die Weltmeisterschaft ausgetragen wird. Um den Beweis anzutreten, dass es immer noch schlimmer geht, steuern jetzt auch noch Culcha Candela einen WM-Song bei. Schau an! Dafür hat sich die Crew um ihren herzigen Vorsänger Mateo sogar herabgelassen, sich von A nach B zu bewegen. Respektive nach "New York", da waren sie vorher nämlich noch nie:

Hier kommt wirklich zusammen, was zusammen gehört: Grölende Unsympathen in Deutschlandtrikots beschwören zu stumpfen Bummsbeats dumpfes Wir-Gefühl. Im Promo-Sprech heißt das: "eine moderne Fußballhymne voller Stadiongefühl, Sommer-Euphorie und Reisefieber", dargeboten in Culcha Candelas "unverwechselbarem Mix aus Hip Hop, Dancehall, Reggae und Latin-Vibes". Man könnte auch sagen: Ein Song, eiskalt kalkuliert zugeschnitten auf die Bedürfnisse angesoffener Event-Fan-Horden auf den Fanmeilen, die sich damit unter Garantie reihenweise abholen lassen.

Zumindest ab einem gewissen Promillewert, da frisst der Bauer nämlich alles, Hauptsache er kennt es. Dafür haben Culcha Candela gesorgt, verwursten sie doch einen echten Klassiker des deutschen Liedguts: "Ich War Noch Niemals In New York" von Udo Jürgens. Pardon, ich meine natürlich, sie "verleihen dem Evergreen einen zeitgemäßen Anstrich". Wen juckt da schon, dass sie dem ursprünglichen Song dabei komplett entkernen und ihm Herz, Seele und jeden Sinn rauben? Udos zarte, melancholisch-wehmütige, Fernweh-geschwängerte Träumerei vom Ausbruch aus Zwängen und Konventionen verkehren Culcha Candela in einen bräsigen Stadion-Gesang des Kalibers "Finaaaleee, ooooohoooo!" Es tut wirklich weh.

Klare Haltung: Rückgratverkrümmung

Ihr ahnt aber gar nicht, was der Pressetext zu dieser Gülle noch bereithält: Culcha Candela, erfahren wir da, "stehen nicht nur für gute Laune und energiegeladene Live-Shows, sondern auch für klare Haltung. Auf Instagram und TikTok beziehen sie regelmäßig Stellung zu gesellschaftlichen und politischen Themen, engagieren sich gegen Rassismus und Diktatur und machen auf Missstände wie Gewalt gegen Frauen aufmerksam."

Ja. Was läge da wohl näher, als einen hurraschreierischen WM-Song zu machen? Eine Hymne für ein Turnier, ausgerichtet von einem durch und durch korrupten Verband, der auf seine eigenen Statuten scheißt, um einem verbrecherischen Autokraten in den Arsch zu kriechen, der wiederum auf Spieler, Teammitglieder, Fans und den Sport scheißt, so lange er das Event als Propagandainstrument und Bühne für sein aufgeblasenes Ego und zum Profitmachen benutzen kann? Rückgratverkrümmung ist auch eine Haltung, is' klar.

Finde die Message!

"Auch der WM-Party-Track 'New York' kommt nicht ohne klare Botschaft aus", schwadroniert das Promo-Blabla zum Song weiter, und ich bin jetzt wirklich gespannt, wo die wohl versteckt sein mag. Festhalten! Angeblich hier:

"Die Sonne scheint und wir sind alle gut drauf
Der Fanblock steht und das ganze Team auch
Trikottausch mit fremden Freunden, kalte Drinks ohne ICE'
"

Falls es euch ebenfalls entgangen ist: "Mit diesem Song feiern Culcha Candela die verbindende Kraft des Sports, die Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlichster Herkunft und die besonderen Momente, die nur große Turniere schaffen können. Fans aus aller Welt kommen zusammen, teilen dieselbe Leidenschaft und erleben für wenige Wochen genau das, worum es im Fußball am Ende geht: Gemeinschaft, Emotionen und unvergessliche Erinnerungen."

Ich weiß echt nicht, was ich dazu sagen soll. Auf einen fahrenden Zug aufzuspringen und unkritischen Event-Fans genau das zu geben, was sie haben wollen, ist eine Entscheidung, die man treffen kann. Um so müheloser, je weniger einen dabei die eigenen Prinzipien stören. Man muss die Leute, die diese Sellout-Grütze hören und kaufen, dann aber nicht für noch dümmer verkaufen, als sie sind.

Fotos

Culcha Candela und Udo Jürgens

Culcha Candela und Udo Jürgens,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Culcha Candela und Udo Jürgens,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Culcha Candela und Udo Jürgens,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Culcha Candela und Udo Jürgens,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Culcha Candela und Udo Jürgens,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Culcha Candela und Udo Jürgens,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Culcha Candela und Udo Jürgens,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Culcha Candela und Udo Jürgens,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Culcha Candela und Udo Jürgens,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Culcha Candela und Udo Jürgens,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Culcha Candela und Udo Jürgens,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Culcha Candela und Udo Jürgens,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Culcha Candela und Udo Jürgens,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Culcha Candela und Udo Jürgens,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Culcha Candela und Udo Jürgens,  | © laut.de (Fotograf: Andrea Ullemeyer) Culcha Candela und Udo Jürgens,  | © laut.de (Fotograf: Andrea Ullemeyer) Culcha Candela und Udo Jürgens,  | © laut.de (Fotograf: Andrea Ullemeyer) Culcha Candela und Udo Jürgens,  | © laut.de (Fotograf: Andrea Ullemeyer) Culcha Candela und Udo Jürgens,  | © laut.de (Fotograf: Andrea Ullemeyer) Culcha Candela und Udo Jürgens,  | © laut.de (Fotograf: Andrea Ullemeyer) Culcha Candela und Udo Jürgens,  | © laut.de (Fotograf: Andrea Ullemeyer) Culcha Candela und Udo Jürgens,  | © laut.de (Fotograf: Andrea Ullemeyer) Culcha Candela und Udo Jürgens,  | © laut.de (Fotograf: Andrea Ullemeyer) Culcha Candela und Udo Jürgens,  | © laut.de (Fotograf: Andrea Ullemeyer)

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