laut.de-Kritik
Die Platin-Rocker stehen sich selbst im Weg.
Review von Kai ButterweckWer auf abwechslungsreiche und technisch anspruchsvolle Rockmusik steht, die sowohl im vollen Stadion als auch im verschwitzen Club funktioniert, dem haben Shinedown in den letzten Jahren ziemlich viel Freude bereitet. Nun liegt endlich das langersehnte achte Studioalbum der Band aus Florida auf dem Tisch. "EI8HT", so der simple Titel des Werks, startet mit einem verspielten Klavier und dem vertrauten Organ von Frontmann Brent Smith. Der Opener "At The Bottom" beginnt soft, weckt Queen-Erinnerungen und bläst sich pünktlich zum Refrain dynamisch und hymnenhaft auf.
Das anschließende "Dance, Kid, Dance" nimmt sofort Tempo auf und präsentiert sich im Stile einer perfekt aufs Radio abgestimmten Modernrock-Nummer. So weit, so gut. Der Anfang ist gemacht und lässt sich schon mal gut an. Wenn die kommenden 16 Tracks nur ähnlich gut zünden, dann dürften Shinedown in ein paar Monaten im Rennen um den begehrten Album-of-the-year-Titel durchaus ein Wörtchen mitreden. Doch plötzlich hauen Shinedown auf den imaginären "Get The Funk Out"-Buzzer. Alle Reverb-Regler auf zehn und ab durch den Chartspop-Reißwolf: Shinedown schielen mit einem breiten Schwiegersohn-Lächeln im Gesicht in Richtung Pop-Rock-Thron.
Das kuschelige "Three Six Five" schlängelt sich durch die Boxen wie eine gängige Countrypop-Single, die es aber ums Verrecken nicht in die Top 50 schafft. Spätestens mit dem überzuckerten Rocker "Young Again" fällt das große Ganze dann endgültig in sich zusammen. Irgendwo zwischen Sunrise Avenue und Liquido versinken Shinedown in einem austauschbaren Gemisch aus drucklosem Powerrock und völlig belanglosem Gitarrenpop. Die Energie des Beginns ist längst verflogen. Die Hoffnung auf Besserung verfliegt schnell. "Good Lord, am I out of my mind?", will Brent Smith wissen ("Dizzy"). Was antwortet man in so einem Fall?
Passend zum Titel nehmen Shinedown mit "Machine Gun" wieder etwas Fahrt auf. Es scheint so, dass die ganze Energie, die losgelöste Spielfreude und die damit einhergehende songwriterische Qualität, die in dieser Band stecken, immer erst dann zum Vorschein kommen, wenn man alle Leinen loslässt und einfach drauf los rockt. Der nächste Stimmungsabfall lässt nicht lange auf sich warten. "Outlaw" ist ein halbgarer Füller. Mit dem kraftvollen "Safe And Sound" zielen Shinedown nun auch zum ersten Mal im härteren Bereich daneben. Kurz darauf wendet sich aber das Blatt wieder. Das melodische, mit Banjo-Klängen garnierte "Searchlight" zeigt eine Band, die scheinbar doch weiß, wie man auch mit geringer Drehzahl beeindrucken kann.
Es geht nun auf und ab. "Bear With Me" kann man getrost überspringen. Ist dieser Refrain wirklich ernst gemeint? "Deep End" groovt gut mit atmosphärischen Synthies und einer klaren Linie. Das stampfende "Killing Fields" hat vielleicht den stärksten Refrain des Albums mit im Gepäck. Das Ende naht. Nach drei weiteren Fillern ("Back To The Living", "Wide Open", "So Glad That You Asked") hat sich der Großteil der Band bereits aus dem Studio verabschiedet.
Eine Akustikgitarre und der Frontmann sorgen für einen letzten musikalischen Farbtupfer (The Pilot"). Noch einmal lauscht man mit Wohlwollen und spendet Applaus. Dann ist die Klampfe weg und das Lagerfeuer erloschen. Fazit: viel zu viel. Punkt. So ziemlich der Hälfte aller Songs fehlt es an Herz und Leidenschaft. Einem starken Rocker folgt meist ein kleiner Bruder, der dem Vorgänger einfach nicht das Wasser reichen kann. Bei den vielen ruhigen Stücken des Albums ist es ähnlich. So kommen am Ende nur etwas enttäuschende drei Punkte zusammen. Es hätten auch vier werden können. Aber im Hause Shinedown traute sich ja niemand an eine Streichliste ran.


1 Kommentar mit 2 Antworten
Klingt so nach GAAAAANZ GROOOOßEM Stadion Rock, der alles vermissen lässt, was ich an Rock Musik mag. Und wahrscheinlich ist der Videosong sogar noch einer der bessere Klampfer. Wers brauch
Haben die eigentlich was mit denen hier zu tun?
https://www.youtube.com/watch?v=WGt-8adyab…
Das war ja dann früher mal ganz okay
Tatsache, ist die gleiche Band. Da hat jemand wohl seinen Bon Jovi Genen Früchte tragen lassen