laut.de-Kritik
Wenn Mat Sinner ruft, kommen die großen Melodic Rock-Stars.
Review von Stefan JohannesbergDer Name ist Programm. Matthias Lasch aka Mat Sinner fährt seine Heimatband mit einem großen Knall in die Metal-Rente. Alleine die Shouter, die er für "Boom Bang Goodbye" ins Studio holte, legen die Messlatte so hoch wie einst Carlo Thränhardt. Björn "Speed" Strid (Soilwork, The Night Flight Orchestra), Ronnie Romero (Rainbow, Michael Schenker), Michael Sadler von Saga, Erik Mårtensson (W.E.T., Eclipse) – wenn ein Sinner ruft, steht die Crème de la Crème des Melodic Rock Schlange.
Vielleicht belächeln viele So-Called-True-Metaler ihn in Deutschland wegen softer Ruhrpott-Attitüde, doch international wird die Leistung der letzten 40 Jahre anerkannt. Manchmal erinnert das – auf anderer Ebene – an die großen Scorpions. Trotz gigantischer Erfolge wundern sich 2026 noch immer Menschen, wenn Leute wie Billy Corgan, Kirk Hammett oder auch Dave Mustaine die Hannoveraner über den grünen Klee loben.
Zwei große Pluspunkte führen Sinner auf ihrem 19. und letzten Studioalbum ins Feld. Mat nimmt sich als Frontmann weitgehend zurück, konzentriert sich auf sein Bassspiel und überlässt große Teile des Rampenlichts seinen Gastsängern. Zweitens versucht er gar nicht, das Rad neu zu erfinden. Er macht das, was er am besten kann: bodenständigen, top-produzierten Melodic Rock mit kraftvollen Sängern, stabilen Soli und melancholisch-hymnenhaften Hooks – von der ersten Note des Openers "Dreams Can Come True" an. Mit dem ersten Riff, dem ersten Scream des brasilianischen Sängers Renan Zonta und den Wowhoo-Shouts im Refrain sitzt man auf der A7 im Ford Taunus und genießt das Leben.
Es folgt mit "Wait" ein US-Rocker, lässig aus der Hüfte geschossen. Die Leads harmonieren perfekt, Michael Bormann von Jaded Heart holt dich mit kehliger Stimme in die Bar am Sunset Strip, und die wunderbare Hook lädt zum Mitsingen ein. Danach breitet Ronnie Romero mit seinem leicht rauen Timbre die nächste große Geste aus. "Leave It All Behind" erinnert als mal stampfende Midtempo-Hymne, mal nur von der Gitarre getragen, an erfolgreiche Whitesnake-Zeiten. Romero steht zudem noch bei den US-Rockern "Hellbreaker" und "All Night Long" am Mikro. Während "Hellbreaker" zarte Accept-Vibes versprüht, droppt Ronnie auf "All Night Long" die Zeile des Albums: "Let's raise your glass one more time."
Das Album hat seine größten Momente immer dann, wenn Sinner sich locker und entspannt ins Melodic-Rock-Becken fallen lässt – und die perfekten Gäste findet. Auf der einfachen Motivationshymne "Are You Ready" ist Björn "Speed" Strid, Frontmann und Mitgründer der Melodic-Death-Metal-Band Soilwork und Sänger bei den großen The Night Flight Orchestra, genau der Richtige, damit der wenig originelle Track doch funktioniert. Auch bei "Born To Run" mit dem ebenfalls genialen Erik Mårtensson von Eclipse und W.E.T. und einem Lead von Ex-Sinner- und U.D.O.-Gitarrist Mathias Dieth strömt die Hoffnung wie Whiskey durch den Körper der 50-plus-Generation. Hymne.
Den Höhepunkt des Albums kredenzt Sinner jedoch mit Saga-Gründungsmitglied Michael Sadler. "Turn The Page" beginnt als Powerballade, entwickelt sich dann aber zum melancholischen Highway-Tune mit perfekten Chören. Sadlers hellere Stimme und der verstärkte Keyboard-Einsatz öffnen noch einmal neue Ebenen im bekannten Sinner-Sound.
Es gibt auf "Boom Bang Goodbye" keine Ausfälle, dafür viele Hits. Am Ende fragt man sich: Warum? Warum aufhören, wenn Spielfreude und Energie noch aus allen Poren sprießen? Doch jedem Ende wohnt ein Anfang inne, denn Mat konzentriert sich nun voll auf seine Power-Metal-Band Primal Fear.


2 Kommentare mit 6 Antworten
Don't judge a book by its cover aber das CD-Cover hält mich aktiv davon ab, mir auch nur irgendeinem Song anzuhören. KI + Photoshop-Philipp?
Es ist wirklich schlecht, aber das Album ist Bombe.
Wenn man mal alle Albencover von Mat mal vergleicht. Da ist das letzte und das jetzt schon "anders".
Who knows, vielleicht hat er sich künstlerisch weiterentwickelt und schwimmt sich zum Ende nun frei...
Das eine um 2003 war scho i-wie Arialisiert oder gar Times New Roman...
Aber es kann latürnich auch eine Art zeitgeist-Kalkül gewesen sein.
Was auch nicht schlimm sein muss.
Font ist mir sogar recht egal. Aber diese Komposition und das Motiv .. gewöhnungsbedürftig xD ich hört trotzdem mal rein
No font... ich hör trotzdem nicht rein.
Sinner liefern mit Boom Bang Goodbye ein starkes, überraschend frisches Spätwerk ab. Die Mischung aus klassischem Heavy Metal, eingängigen Hooks und leicht melancholischer Abschiedsstimmung funktioniert durchgehend überzeugend. Zwar fehlt es an echten Überraschungen, doch genau diese Verlässlichkeit macht den Reiz aus – ein ehrliches, kraftvolles Finale einer langen Karriere.
Das Cover hingegen fällt deutlich ab: kitschig, überladen und visuell eher abschreckend – es wird dem musikalischen Niveau des Albums in keiner Weise gerecht.
4 Punkte
Ist das ernst gemeint? Klingt für mich eher nach 2/5, wenn es nichts Neues gibt.
Kann ich verstehen, wie das rüberkommt – aber für mich ist „nichts Neues“ nicht automatisch ein Nachteil. Gerade bei Sinner finde ich es eher stark, dass sie ihren Sound so konsequent und auf hohem Niveau durchziehen, statt krampfhaft modern wirken zu wollen. Es ist kein innovatives Album, aber ein sehr rundes und stimmiges – und genau das rechtfertigt für mich die 4 Punkte