laut.de-Kritik
Das Wiener Luxus-Leben aus der Innenansicht.
Review von Magdalena GregoriRocking and Rolling hat seinen Ursprung in der US-amerikanischen Jugendkultur der 50er und 60er Jahre und ist eng mit Protest gegen Normen und Rassismus verbunden. Der Begriff alleine ist außerdem ein Slang-Ausdruck für Sex. "Die Drogen, der Sex und die Frauen sowieso / Baba schau' mich an ich bin ein Rock'n'Roll-Star" verkündet Bibiza im Titelsong und surft die große Pop goes Rock-Welle. Damit das aber nicht eintönig wird, hangelt sich Franz aka Bibiza von Rock über Pop zu Discofunk und wieder zurück.
Der Beginn des Albums klingt so, wie man sich einen verkaterten Morgen von Bibiza vorstellt. Obwohl die rockige Gitarre und kratzige Stimme des Wiener Musikers doch das letzte sind, was sich ein brummender Kopf beim Erwachen wünscht. Die anfangs schwerfüßige Stimmung, mischt "Frank" auf. Das Riff lehnt sich an "Rock You Like A Hurricane" von den Scorpions an und erinnert gleichzeitig stark an gefühlt jedes gewollt peppige Intro einer US-Kinderserie. Kindliche Freude scheint auch Franz zu empfinden, als er sich als Frank, François oder Papst Franziskus vorstellt.
"Meine Manie" gibt Einblicke in Bibizas selbsternanntes, manisches Künstler-Ich. "Meine Manie macht Geld / Ich fahr mit meiner Manie um die Welt". Mit nur drei wiederkehrenden Tönen stolpert der Track ins Ohr und schraubt sich hinein bis einem schwindelig ist - gefällig aber trotzdem spannend. Gegenteilig dazu plätschert "Sterne" dahin, ein Song, den man auch schon in der Austropop Hochphase der 70er gehört haben könnte, nur mit ein paar rockigen Gitarren-Akzenten.
Franz machts harder, better, faster, stronger. Jedenfalls sampelt er in der Hook den Hit von Daft Punk und widmet sich dem Unterwegssein als Musiker, besser gesagt als Rock'n'Roll-Star. Abwechslung kommt mit dem Intro von "Call My Manager!". Ein- und ausatmen befiehlt eine ruhige Frauenstimme, Bibiza leistet Folge. Aber nur solange er Kraft schöpft und seine Stimme dem wippenden Rhythmus hingibt, der von einer schwerelosen Melodie begleitet, zu Schweben beginnt.
Der nächste Track bringt zauberhaftes Discofeeling ins Hotel Imperial. "Schwarz-weiße Schachbrettfließen / Dürft ich dich übers Schachbrett biegen?", fragt sich Bibiza und teast das Wiener Luxusleben an. Ähnlich sexuell aufgeladen stöhnt "Du Schaust Gut Aus!". Zu treibendem Bass haucht der Wiener diffuse Gedankenfetzen über einen Crush. Nach der langen Nacht hilft nur eins: "Herr Ober, ich bräucht ein Soda ... Zitron", verlangt Bibiza mit einem wahrhaftigen Sommerhit nach dem Wiener Kultgetränk und zeigt, dass er auch mit einem alkoholfreiem Drink Spaß hat. Naja bis zum Ende, als er dann doch von einer Hüsn (Dosenbier) fantasiert.
"Schnapsidee" ersäuft dann jegliche Euphorie über "Rocknrollst★r". Den säuselnde Refrain und fremdschamigen Einsatz von Jugendsprache kann nicht mal die sonst angenehme Melodie retten. Durch und durch eine Schnapsidee.
Richtig persönlich und ehrlich ist dann "Wenn Du Am Boden Bist". Die Hymne klingt realistisch, ohne aber den typischen Bibiza-Spaßcharakter zu verlieren. Seicht wie eine Seifenoper schallt "Oh Ah Eh *_*" mit Anglizismen und Melancholie. Obwohl der Text keine poetische Meisterleistung ist, zeigt er einmal mehr die Power von gut eingesetzten fast schon erotischen Adlibs.
Mit rhythmischem Atmen gebärt Franz Bibiza den 13. und letzten Track des Albums. "Für Immer Oder Nicht" knüpft an die teils nachdenkliche und hinterfragende Stimmung des Vorgängeralbums "Bis Einer Weint" an und nimmt der sonst vorherrschenden Glorifizierung des Starlebens einen Zacken aus der Krone.
Bibizas neues Album, versucht nichts zu sein, es ist einfach da und macht Spaß. Der 27-Jährige lässt sein künstlerisches Ich in Form eines grantigen, alten Wieners immer mehr wie dessen jüngeren Enkel daherreden und bereitet Rock für die heutige Generation auf. Damit trifft er impulsiv auch den Ursprung des Genres.


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