laut.de-Kritik
Die ersten Anzeichen von Ermüdung.
Review von Yannik GölzPashanim ist so nonchalant. So nonchalant! Er steht seit Jahren an der Speerspitze des Pop-Rap-Crossovers. Und wie ein echter Popstar wider Willen kommt er nicht umhin, Release um Release eine große Show daraus zu machen, wie wenig Mühe er sich dafür geben muss.
Und das ist ja auch alles gut und charmant, bis es das nicht mehr ist. Jedes noch so hingeschlonzte Release hatte eben bisher substanzielle Pashanim-Banger im Angebot. "Lounge Musik" fühlt sich wie sein erstes Release an, auf dem diese richtig ausschlaggebende Single fehlt. Mit massiven 17 Songs über enge 30 Minuten zeigt sein Stil das erste Mal so richtig Ermüdungserscheinungen.
Es gibt schon ein paar Ansätze: "Giorgio Armani Flow" klingt instrumental wie der Ski Aggu-Classic "Tour De Berlin". "Augenblick" kommt mit einem der besten Stickle-Beats im jüngeren Gedächtnis. Hintenraus gibt es zwei starke, melancholischere Songs, denen der Minimalismus des Projektes gut zu Gesicht steht. "Berlin Calling" klingt gelungen wie Afterhour und "Kalter Krieg" samplet den "Archandroid"-Cut "Cold War" von Janelle Monae. Ansonsten? "Gucci Tom Ford" hat eine starke Hook und der extrem reduzierte Beat klingt überzeugend nach Timbaland. Auf dem Intro rappt er gut durch.
Das ist eine vollumfängliche Liste an Highlights auf dem Projekt - und es ist eine solide Liste an Tracks, von denen sich trotzdem keiner so richtig in den Vordergrund drängt. Auch die stärkeren, poppigen Instrumentals scheinen bewusst mit langsameren, ungriffigeren Flows herabgestuft zu werden. Die Zeit, in der er mit Songs wie "Ms. Jackson" aktiv das Pop-Crossover jagt, scheinen vorbei. Das süßholzige "Goldrichtig" geht wohl am ehesten in die Richtung, aber auch hier ist im Grunde kein Ton Melodie fürs Radio zu finden.
Aber leider fühlt sich dieses Reduzieren auf den reinen Rap sich nicht wie ein bewusster Schritt in irgendeine Richtung an. "Lounge Musik" radikalisiert eine Karriere voll skizzenhafter Songs noch weiter. Selbst nach mehrmaligem Hören sind da eine ganze Menge Tracks, die einfach keinen Eindruck hinterlassen. Die Songs fokussieren sich auf keine Gedanken, keine musikalischen Motive, keine Flows. Alles, was er hier sagt, könnte er auch dort gesagt haben. Wenn dann noch teilweise echt beschissene, lieblose Hooks wie auf "Promi Party" dazu kommen, stellt sich doch die Frage: Ist der Mann langsam zu nonchalant?
Das Ding ist ja ein bisschen: Pashanim wurde groß durch diese Fähigkeit, nicht cringe zu sein. Nicht cringe sein scheint eine seiner fundamentalen Ambitionen zu sein. Und es gibt schlechtere! Aber "Lounge Musik" zeigt in an einem Punkt seiner Karriere, die ein ganz klein bisschen Cringe vertragen könnte. Denn das hier ist ein Album vom derzeit wahrscheinlich größten Rapper des Landes - mit Release vier auch langsam aus dem Newcomer-Kapitel raus. Und da ist einfach mit Ansage nichts darauf, das auch nur einen Zeh aus seiner Komfortzone heraus setzt.
Wenn Pashanim so eisern das Gleiche weiter machen will, dann müssen wenigstens die Banger stimmen. Und "Lounge Musik" ist kein totaler Reinfall, da sind schon ein paar solide Songs drauf. Aber die völlige Weigerung, sich spürbar in irgendeine Richtung zu entwickeln plus die Tatsache, dass da kein neuer A-Tier-Song seiner Diskographie drauf ist, ergeben ein unerwartet unessentielles Release für einen Artist seiner Statur.


3 Kommentare
yoa geht klar. Schon sehr fun das album, aber ynk hat recht es fehlen die brecher. Für mich letzte ep ganz klar das beste pasha release. Da klang er wie ein newcomer.
7/10
Schade, dass nur in etwas jedem zweiten Ei ein Video verlinkt wird. Spontan höre ich da immer gerne mal rein. Ohne bin ich dagegen häufig zu faul, mich auf die Suche zu begeben
Schon nicht schlecht, aber ein echtes Highlight fehlt irgendwie.