laut.de-Kritik
Rückspiegel-Pop: hymnische Hoffnungslosigkeit.
Review von Emil DröllMan muss Blue lassen, was sie am besten können: da sein. Auch mit "Reflections" beweisen die Briten einmal mehr die unbestrittene Fähigkeit, niemanden zu verärgern – oder zu begeistern. Willkommen im Wohlfühlraum des gepflegten unteren Mittelmaßes.
Der Albumtitel verspricht Selbstreflexion, doch statt Erkenntnis gibt es vor allem Rückspiegel-Pop: "Reflections" blickt weniger nach innen als nach hinten. Reife scheint hier so fern wie nie zuvor, und allein das Albumcover lässt einen ratlos den Kopf schütteln: Jeder Viertel-Blue versucht, so angestrengt sexy zu schauen, wie nur irgendwie möglich. Das Einzige, was dabei herausspringt: Wahrscheinlich würde jeder MediaMarkt-Mitarbeiter dieses Album aus purem Selbstschutz ganz hinten einsortieren.
Selbst der Promotext scheint nicht weiterzuwissen. Versprochen werden dort "hymnische Hymnen". Ach so. "The Vow" bricht dieses Versprechen direkt im Opener: Kuschel-Pop auf Anschlag. "One Last Time" macht genauso wenig originell weiter. Es wird geraunt wie eh und je, ehe irgendwann die Liebesbotschaft in die Welt geschrien wird. Müsste man jemandem erklären, was belanglose Radiosongs sind, man würde einfach diesen Track abspielen.
Auch "You Should Know" hält eisern am bewährten Konzept fest. Dass die vier singen können, bleibt der einzige Trumpf in dieser ganzen Angelegenheit. Denn weder musikalisch, der Beat wirkt motivationslos, noch inhaltlich passiert irgendetwas Spannendes. Liebe, Verlust, Herzschmerz. Erzählt uns etwas Neues.
"Look What You Started" setzt die Geschichte fort, "Candlelight Fades" kippt endgültig in eine Schnulze. "The Day The Earth Stood Still" klingt, als hätte man selbst dieses apokalyptische Versprechen noch glattbügeln wollen. Hier eckt nichts an, hier transportiert nichts echtes Gefühl. Stattdessen denkt man unentwegt, dass sich hier jemand ziemlich geil findet. Oder vier Jemande.
Bei Titeln wie "All About Us" oder "Waste My Love" erübrigt sich jede weitere lyrische Erklärung. "Beautiful Spiritual" bedient sich quasi direkt bei der deutschen Schlagerproduktion, ehe uns "Find That Feeling" dann endlich erlöst.
Was Blue abliefern, sind dreizehn Varianten desselben Songs, getragen von der hartnäckigen Weigerung, alte Tage endlich hinter sich zu lassen. "Reflections" ist ein Album für begeisterte Radiohörer und für all jene, denen Hymnen noch nicht hymnisch genug sein können.


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