laut.de-Kritik
Flauschorgie mit feisten Drops.
Review von Maximilian FritzIm Anfang war das Lispeln: "TRIPPIN" im Opera Edit markiert den Opener von "Levi Did It", dem aktuellen Nummer-eins-Album des deutschen Exportschlagers Bunt. Gegen logopädische Störungsbilder jedweder Art ist an sich nichts einzuwenden, in diesem Fall fügt sich der Sigmatismus aber auf beinahe perfide Art ins Narrativ des Underdogs ein, der es gegen alle widrigen Umstände geschafft hat. Von Losern und Geborgenheit ist die Rede in diesem Cringe-Manifest der Teenage Angst für Gen-Z-Rave-Kids.
Im folgenden Original offenbart sich "TRIPPIN" mit fixem 2Step-Beat als Nachfahre der UKF-Ära und des Bicep-Stadion-Sounds – hymnisch, tragisch, doch voller Hoffnung. Man sieht vor dem geistigen Auge, wie Individuen mit seltsamen Frisuren in der niedersächsischen Pampa dazu hacken. Dass Bunt. mit dieser auf die Spitze getriebenen EDM-Emotionalität und den feisten Drops ausgerechnet in den USA Stadien vollmacht, nimmt nicht Wunder.
Wobei man bei aller Frotzelei zugeben darf, dass er und sein Producer-Team sich gut darauf verstehen, die volle Dröhnung Pop ins sauber genähte clubmusikalische Korsett zu pressen. "Back To The Start" etwa klingt mit seinem seichten House-Beat nicht viel poppiger als beispielsweise Fred again..,
Bunt. gibt allerdings klassischen Songstrukturen mit prozessierter Heliumstimme den Vorzug vor graduellem Spannungsaufbau. Womit wir maximal in der Strandbar landen, niemals aber im Club.
Im Grunde exerziert das Album jene Formel durch, die seit etwa zwei Dekaden die logische Folge des tanzmusikalischen Poptimismus ist: Verschiedene Feature-Gäste singen oder rappen über farblose Beats, um eine möglichst große Menge an Hörern abzuschöpfen. Manchmal wird's balladesk und mieft nach Hobbyraum-Coming-of-Age-Besäufnis: "First kiss, teenage shit, what a life, first drunken night, first drunken fight", heißt es in im bedeutungsschwangeren Titel "Nothing Lasts Forever", der mehr denn je nach Fred again.. klingt. Das ist so austauschbar wie universell und zielt in seiner Machart auf ein Publikum, das von seinen Eltern zu Gestört Aber Geil in der Wuhlheide mitgeschleppt wird. Sich darüber lustig zu machen, ist einfach. Es ernst zu nehmen, ist schwer.
Im Albumverlauf folgen noch drei Feature-Acts, die zumindest nominell aus dem Strudel von Belanglosigkeiten herausstechen. Weil man sie irgendwie kennt: Die Chainsmokers, Tom Odell und The Temper Trap. Festzuhalten bleibt aber nach dieser kompletten Flauschorgie von einem Album mit der emotionalen Flügelspannweite eines Kolibris: O.b.V. – ohne besondere Vorkommnisse.


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