laut.de-Kritik
Nostalgie im Y2K-Style.
Review von Magdalena GregoriIn der Modeindustrie, sagt man, kehren Trends alle 20 Jahre wieder. Das könnte eine Erklärung für die Rückkehr von 2000er-Fits und -Musik liefern. Auch wenn diese Zeit mit überladenen Outfits und günstigem Schmuck für Maximalismus steht, setzt Ceren eher auf Lo-Fi-Minimalismus. "Xoxo, Ceren" ist die erste EP der Musikerin, gesungen wird auf Deutsch und auch Türkisch.
"Liebes Tagebuch / Hab gefunden was ich such / Ablas abis um mich rum / Genau wie mein Pradatuch", haucht die 22-Jährige im Billie Eilish-Style ins Mikro. Dass die Tracks vor Gen-Z-Referenzen nur so strotzen, fällt nicht nur aufgrund Cerens Stimmfarbe auf, sondern auch wegen ihrer Sprache.
Der "Spring Luv"-Beat klingt wie das Glitzern von Wassertropfen im Sonnenlicht, wenn ein Stein über die Wasseroberfläche hüpft. Soweit so schön, leider verirren sich die Lyrics im Labyrinth der Belanglosigkeit: "Ich steh draußen auf Balkon und rauch ein / Hör unsre Lieder / Ich stalk dein Insta ganzen Tag / Frag mich / Wann schreibst du mir wieder."
Ceren singt über "Fashion Killa", der Track hört sich aber eher nach einem weißen T-Shirt an – halt basic. Ähnlich simpel, aber irgendwie gut: "Damals" ist einer jener Songs, bei denen man sich richtig anstrengen müsste, nicht mit dem Kopf zu nicken. Die Musikerin schwelgt in vergangenen Zeiten, in denen offenbar alles besser war: "So wie damals / Keine Sorgen, keinen Schmerz / So wie damals / Keine Löcher im Herz / So wie damals."
Der fünfte und letzte Track "So Wie Nie" lehnt sich an "High School Musical" an, den Kinohit aus den späten 2000ern. Thematisch kreist der Song um die Liebe, sowohl zu einem Menschen als auch zur Musik: "Rock die Stage, ich rock die Show wie nie / War immer ich, ich war nie so wie die / Und du bist anders und nicht sowie er / Ich glaub deshalb mag ich dich so viel mehr", träumt Ceren von einer eigenen Tour.
Cerens Lyrics werden zwar nicht Musikgeschichte schreiben, dafür gehen auch die türkischen Zeilen ins Ohr. Unterm Strich erinnert die Debüt-EP stark an die romantisierte Melancholie von Pashanim oder auch Verifiziert an, die wie Ceren Cloudrap durchgespielt haben. Der Sound von "Xoxo, Ceren" lässt mich dann tatsächlich Klapphandys und Crop Tops vermissen.


1 Kommentar
Joa, die EP war recht cute. "Fashion Killa" fand ich sehr cool, ich könnte aber mehr Sachen in Richtung "Dünya" vertragen. Dieser Song war wirklich wunderschön.