laut.de-Kritik

Schreit die Walküre, wackelt deine Türe.

Review von

Viel los auf dem ansehnlichen Cover von "The Screaming Of The Valkyries" von Cradle Of Filth. Dani Filth und seine mittlerweile im Kern wieder recht stabile Truppe haben sich seit "Existence Is Futile" mit Gitarrist Donny Burbage und Keyboarderin und Sängerin Zoe Federoff verstärkt. Experimente finden auf den schreienden Walküren trotzdem nur im engen Rahmen statt, bei den Briten stellt sich auf Album Nummero 14 vor allem die Frage: Wie ist das Gemisch aus Extreme Metal, Goth, Thrash, Melodic und Black Metal? Und: Verklebt der bandeigene Kitsch den Wikingerweibern die Flügel?

"To Live Deliciously" eröffnet zwar nicht köstlich, aber treibend und mit angenehmer Härte. Es ist eine Kunst, wie CoF sich auch im fortgeschrittenen Alter im Zweifelsfall auf hochkompetentes Geklöppel zurückziehen. Zwischen Chören und Keyboards und Trommelgewitter passt zwar viel, man wird als Hörer aber nicht ertränkt. Immer wieder brechen Ashoks und Burbages Riffs durch die Schichten und Filths theatralischem, hier aber songdienlichem Gesang.

"Demagoguery" hält das Niveau nicht ganz, was auch an den im Vergleich zum schlicht-hedonistischen Opener am simpel-doofen Text liegt und Zeilen wie "Mist clings tight to Elysian fields" oder mein absoluter Favorit "Severe puzzle boxes bursting to be solved". Wenn eure Ex-Partner das über euch sagen, dann habt ihr es ihnen wirklich nicht so leicht gemacht. Der Song weiß nicht nur inhaltlich nicht recht, wo er hinwill. Mehr abrupte Tempowechsel als The Fall Of Troy fügen sich irgendwann nicht mehr zusammen. "The Trinity Of Shadows" fährt den Schmalzanteil zu Beginn zu hoch und liefert sich dann einen Kampf zwischen gutem Metal und eher missglücktem Melodic Goth.

Auf "Non Omnis Moriar" spielt Federoff zum ersten Mal eine größere Rolle. Der Song hat einen angenehmen Groove und bietet der Sängerin & Filth genug Fläche für einen wiederholt gelungenen Aufbau. "White Hellebore" macht viel Spaß und vereint alle bislang gehörten Elemente, lässt dabei heftige Zäsuren und die vierte Keyboardspur weg. Schon hört sich das Ergebnis griffig und mitreißend an. Zum Schluss greift Zoe genau dann richtig ein, als sich der Song ein wenig verliert. "You Are My Nautilus" setzt die Reihe guter Songs fort, vor allem Frontmann Dani trägt den Song mit einer exzellenten Vorstellung, zum Ende hin übernimmt Marthus an den Drums. Das Stück ist rund und setzt seine Elemente eben nicht als nebeneinanderstehende Gimmicks ein, sondern kohärent und songdienlich.

"Malignant Perfection" zeigt die Grenzen ein wenig auf. Wenn das Songmaterial auch bei nur neun Songs nicht reicht, um das Niveau durchgehend zu halten, hört sich die Band schnell ziemlich alt an. An dieser Stelle leiden die Engländer darunter, dass die nun mal auch aus Kitsch geborene Bandformel unangetastet bleibt. Hier versteckt sich nämlich schon ein guter Song; nur wäre er vielleicht eher ein Alternative Rock-Song oder bräuchte zwei Schuss Industrial. Das CoF-Universum ist weit, aber limitiert im Zwang, allen Soundelementen Platz verschaffen zu müssen, obwohl Danis Songwriting nach mehr Breite verlangt. So wird ein gewisses Koordinatensystem nie verlassen – weshalb die Nebengründung Devilment erst erforderlich wurde.

In "Ex Sanguine Draculae" geht es um Blutdurst, was die emotionale Nachvollziehbarkeit bei den meisten ein wenig reduzieren dürfte. Ein nicht peinlicher Vampirsong ist Schwerstarbeit, die hier durch Härte erzwungen halbwegs gelingt; aber kann Dani wirklich nicht mal über was schreiben, was nicht völliger Stuss ist? Glenn Danzig machte es vor, wie Dunkelheit, Kitsch und gute Texte zusammenpassen (bevor er es selbst vergaß). Selbst Mozzers Texte voller Selbstzweifel passten gut zu Extreme Metal. "When Misery Was A Stranger" beschließt mit schwachem Refrain und viel Härte, die zu diesem Zeitpunkt wie ein guter, aber zu oft bemühter Ausweg klingt, ein Album des guten Handwerks und der verpassten Chancen.

Trackliste

  1. 1. To Live Deliciously
  2. 2. Demagoguery
  3. 3. The Trinity Of Shadows
  4. 4. Non Omnis Moriar
  5. 5. White Hellebore
  6. 6. You Are My Nautilus
  7. 7. Malignant Perfection
  8. 8. Ex Sanguine Draculae
  9. 9. When Misery Was A Stranger

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