laut.de-Kritik
Countrypop für den Fernsehgarten.
Review von Kai ButterweckIn den Niederlanden ist Douwe Bob eine ziemlich große Nummer. Seinen Durchbruch feierte der 33-jährige Sänger im Jahr 2016, als für sein Land beim ESC antrat und mit dem Song "Slow Down" am Ende den 11. Platz errang. Seitdem tummeln sich seine Alben regelmäßig in den Top-5 der niederländischen Charts. Im Pressetext zum mittlerweile siebten Longplayer "Outcast Town" weisen die Verantwortlichen darauf hin, dass Douwe Bob in Deutschland bereits auf dem Reeperbahn Festival und auch im ZDF-Fernsehgarten zu Gast war – eine Info, die bei der hiesigen Musikpolizei für ungefähr genauso viel Vorfreude sorgt wie die Ankündigung neuer Sound-Schandtaten aus dem Hause Bohlen.
Nach den ersten Minuten des Openers "Welcome To Outcast Town" atmet man erst einmal erleichtert durch. Der Song ist handwerklich solide arrangiert und bewegt sich stilistisch irgendwo im Bereich Folk-Pop mit deutlichen Country-Einflüssen. "Das Leben ist kurz – wir sollten sorgsam mit unserer Zeit umgehen und die Menschen um uns herum genießen", erklärt der Mann, der die bestehenden Weltsysteme anprangert und sich von den Mächtigen der Welt "verarscht" vorkommt.
Douwe Bob singt über die Freiheit, den Ehrgeiz, den Kampf gegen Sucht sowie "die Suche nach Abenteuern im Spannungsfeld eines stabilen Familienlebens". Dabei ist seine Stimme klar und angenehm zu hören, leider verfügt sie aber über vergleichsweise wenig Tiefe. So ist der emotionale Spielraum ziemlich eng abgesteckt. Klanglich erinnert das Ganze an eine countryeske Version von Sunrise Avenue ("Fly Away", "Wanna Be Free", "My Place"): eingängig, melodisch und massenkompatibel, aber eben auch viel zu glatt. Den Songs fehlt es an Ecken und Kanten. Selbst die hin und wieder eingestreuten verzerrten Gitarren können daran wenig ändern – sie verschwinden meist hinter einer dichten, poppigen Soundwand.
Man hört Douwe Bob immer dann gerne zu, wenn er sich reduzierter präsentiert. Nur von einem Piano begleitet verarbeitet er im Song "Photographs" die Geschichte seines alkoholkranken Vaters – ein bewegender Moment, der dem Album für kurze Zeit etwas mehr Gewicht verleiht. Leider sind derartige Momente viel zu selten. Statt die durchaus relevanten und persönlichen Themen mit mehr Rohheit und Intimität zu verknüpfen, vertraut der Sänger lieber einer leb- und lieblosen Mixtur aus Wartezimmer-Pop und Country. Trotz ernster und bisweilen sehr nachdenklicher Attitüde geht Douwe Bob auf "Outcast Town" so gut wie keine Risiken ein – also genau das Richtige für die bestimmt begeistert applaudierende Andrea Kiewel. Nichts für ungut, Kiwi.


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