laut.de-Kritik

Vitales Spätwerk der Postpunk-Pioniere.

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Die Britrock-Renaissance ist in vollem Gange. Oasis setzen 2027 ihre Mega-Tournee fort. Richard Ashcroft wird dort als Support Act wieder Hymnen seiner Ex-Band The Verve präsentieren. Pulp haben ihr Comeback nach einem Vierteljahrhundert nun auch mit einem Live-Album gekrönt, ähnlich wie Blur zwei Jahre zuvor.

Auch viele UK-Bands, die schon vor dem Britpop-Hype aktiv waren, sorgen derzeit für Furore. Starke neue Alben gab es von den Madchester-Königen The Charlatans, den Rave-Rockern Primal Scream und den Noisepop-Legenden Jesus and Mary Chain. Auch Idlewild und Teenage Fanclub machten sich wieder bemerkbar. Ganz zu schweigen von den Rolling Stones, die in den letzten drei Jahren gleich zwei Alben veröffentlicht haben.

Jetzt kehrt auch die zweitbeste Liverpool-Band nach den Beatles zurück. Zwölf Jahre nach ihrem letzten Studioalbum "Meteorites" legen die Postpunk-Pioniere Echo & The Bunnymen ihre dreizehnte LP vor. Im Einklang mit dem heiteren Cover, das eine fast wolkenlose Landschaft mit Apfelbäumen zeigt, fährt die Band die dunklen Akzente ihrer New-Wave-Ästhetik zurück und lässt sie in einen beschwingten, groovigen Sound übergehen. Zusammen mit neueren und älteren Bandmitgliedern sowie dem während der Aufnahmen verstorbenen Blondie-Drummer Clem Burke – liefert das Gründungsduo Ian McCulloch und Gitarrist Will Sergeant zwei Jahre vor dem 50. Bandgeburtstag ein vitales Spätwerk ab.

In nur wenigen Sekunden glückt der Übergang vom musealen Rückblick ins aktive Hier und Jetzt. Kaum hat "Take Me By The Hand" ein Goth-Riff platziert, das die Bandvergangenheit zitiert, überbietet es der Opener durch ein energisches Funk-Mantra mit Sprechgesang und Gitarrenschleifen. "Can't Be Sold" setzt den Groove nahtlos fort – mit Bowie-Manierismen, Händeklatschen und klirrendem Keyboard. "Brussels Is Haunted" perfektioniert schließlich das Band-Update: Mit Jangle-Gitarren und Shalala-Backing Vocals widmen die Bunnymen der belgischen Hauptstadt, wo sie ihren ersten Auswärtsgig spielten, ein Liebeslied der Heimsuchungen.

"I'm going back / Back to where it all began", singt Ian McCulloch in "Lab Rats Ran" und leitet den selbstbewussten Groove der Band gleich zum Ursprung der Menschheit. Mit Stones-Swagger und einer Saxophon-Wucht, die der E-Street-Band nacheifert, schlägt Mac the Mouth gekonnt eine Brücke zwischen sozialkritischen Schlagwörtern und abenteuerlichen Elvis-Geschichten. Manchmal gerät der Flow ins Stocken. Ausgerechnet "Hijacked", das den Albumtitel enthält, hadert mit seinem sperrigen Slogan. Auch "The Honey" verfängt sich in seinem minimalistischen Mantra.

Viel Freiraum und Leichtigkeit erlangt die Band in ihren Liebesliedern. Beim poetischen Spiel der Elemente, das die Bunnymen seit jeher ausmacht, lässt "I'll Be Your Sunshine" den Sturm, das Meer, den Himmel, die Wolken und die Sonne elegant von Violinen tragen. Richard Ashcroft hätte den Song sicher gern auf seinem letzten Album platziert. Entsprechend trotzt das Ensemble in "The Light That Surrounds You" demonstrativ den dunklen Seiten des Lebens, die es so oft nachgezeichnet hat. Entlang der Takte eines Streichermotivs mit Belle-and-Sebastian-Schwung erstrahlt eine optimistische Liebeserklärung an das Leben.

All die Energie des Albums findet in "An Unstoppable Force" einen stillen Gegenpol. Andächtig führt der 67-jährige Sänger durch eine pointierte, sphärische Ballade über den Tod: "Is there a place / In a fable or outer space?", fragt McCulloch. Eine Schlüsselfrage, die klug an frühere Klassiker der Band anknüpft. Sei es "Nothing Lasts Forever" oder die große Goth-Pop-Oper "The Killing Moon".

Trackliste

  1. 1. Take Me By The Hand
  2. 2. Can't Be Sold
  3. 3. Brussels Is Haunted
  4. 4. I'll Be Your Sunshine
  5. 5. Hijacked
  6. 6. The Honey
  7. 7. An Unstoppable Force
  8. 8. The Light That Surrounds You
  9. 9. Lab Rats Ran
  10. 10. Asimov
  11. 11. We Prayed In The Dark

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