laut.de-Kritik

Zwischen Airplay-Elektrometal und Wandtattoo-Poesie.

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Dass manche Hunde lieber begraben bleiben sollten, beweisen From Ashes To New auf ihrem neuesten Werk "Reflections". Dass die Amerikaner die Nu-Kuh seit Jahren melken, macht einigermaßen erwartbar, was auch diesmal stattfindet: Airplay-Elektronik-Metal, dessen Homogenität fast ebenso bemerkenswert ist wie seine Nicht-Originalität. Das Cover dazu: Schmetterling, Spiegelung, etwas bedeutungsschwangere Dunkelheit, alles schreit nach Wandtattoo-Poesie.

Schon der Opener "Drag Me" feuert einen Warnschuss ab: Matt Brandyberry rappt, dahinter stapelt sich eine düstere Elektronikwand, und nach zehn Sekunden weiß man exakt, wo es hingehen soll. Nur leider wird das Ziel meilenweit verfehlt. Der Song möchte aufputschen, möchte Aggression entfachen, möchte Fäuste in die Luft treiben – erreicht aber die emotionale Wucht einer Playlist, die man über die Fitnessstudioboxen hören muss, wenn man mal seine Kopfhörer vergisst.

Dass Nu Metal eigentlich von Energie, Reibung und einer gewissen Unberechenbarkeit lebt, lernt man auch bei "Forever". Denn hier fühlt man vor allem: nichts. Die oft bemühten Linkin Park- oder Papa Roach-Vergleiche drängen sich natürlich wieder auf, wer sie sehen will, soll sie sehen. Sicher ist nur: Mit From Ashes To New werden wohl die wenigsten Bands verglichen werden. Nicht, weil sie einen unverwechselbaren Stil hätten. Sondern weil sie Nu Metal auf ein neues Podest der Belanglosigkeit heben.

"Villain" marschiert stadionpopig weiter, die Rap-Parts bleiben zahnlos. Die Produktion kommt derart überladen, dass jede Kante glattgebügelt wird, die Hooks wirken wie aus einem Songwriter-Camp-Restposten. "Die For You" reiht sich nahtlos ein, mit viel Pathos und wenig Substanz.

Erst "Black Hearts" entwickelt so etwas wie Profil. Hier retten härtere Metal-Strukturen, was noch zu retten ist. Auch "Upside Down" macht etwas mehr Druck, wird aber zuverlässig von diesen ewig gleich klingenden Refrains ausgebremst. Das Ergebnis bleibt der zahnloseste Tiger, den ein Genre hervorbringen kann.

"(Not) Psycho"? Wie die Songs zuvor. "Parasite"? Wie der Song davor. Es wirkt wie ein Staffellauf austauschbarer Ideen. Und so spielen sich From Ashes To New weiter um Kopf und Kragen, mit einem Track nach dem anderen, der klingt wie sein Vorgänger, der klingt, als könne er von jedem beliebigen FATN-Album stammen – oder aus einer Playlist namens Modern Metal Motivation Mix.

From Ashes To New liefern damit erneut die leichteste Kost ab, die das Genre zu bieten hat. Menschen, die simple Konzert-Ekstase suchen und beim dritten Radiorefrain schon glücklich sind, werden hier vielleicht fündig. Alle anderen finden erstaunlich wenig: kein Kopfnicken trotz maximalem Gebuhle, kein Mitsingen trotz kalkulierter Hooks, keine Wucht trotz überkomprimierter Produktion. Lediglich ein Radiotrack nach dem anderen, bei dem man wunderbar in Gedanken versinken kann und komplett vergisst, was man da eigentlich hört.

Trackliste

  1. 1. Drag Me
  2. 2. Forever
  3. 3. Villain
  4. 4. Die For You
  5. 5. Black Hearts
  6. 6. Upside Down
  7. 7. (Not) Psycho
  8. 8. Parasite
  9. 9. New Disease
  10. 10. Darkside
  11. 11. Falling From Heaven
  12. 12. Your Ghost

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