laut.de-Kritik
Bekannte Hits im Akustik-Gewand und ein neuer Track.
Review von Toni Hennig2010 kleideten In Extremo auf "Tranquilo" ihre Tracks erstmalig in ein Live-Akustik-Gewand. Für "Tranquilo II", das nun erscheint, haben die Berliner mit Unterstützung von Oliver Satyr und Niel Mitra von Faun sowie Geiger Justin Ciuche alte Klassiker, Livehymnen und sowie neuere Stücke neu auseinandergenommen und zusammengesetzt. Neben den drei, die man auch auf der dazugehörigen Tournee sieht, sind noch so einige Gastmusiker*innen zu hören.
Den Beginn macht "Störtebeker" mit Monchi (Mikro) und Max Bobzin (Trompete) von Feine Sahne Fischfilet, das mit rauen und nordisch geprägten Tönen punkig die Scheibe einleitet. Danach zeigen sich In Extremo in "Sternhagelvoll" von ihrer schunkeligen und trinkseligen Seite. Mit der Neuinterpretation von "Spielmannsfluch" driftet die Musik in seichte Schlager-Gefilde ab. Das hat die Nummer nicht verdient.
"Frei Zu Sein" beschwört die Freiheit herauf, bleibt aber gegenüber der Originalversion vergleichsweise zahm, während es mit Laura Fella von Faun in "Liam" und Doro Pesch in "Feine Seele" gefühlige Duett-Klänge gibt. Zumindest Doro schlägt sich mit ihrer Reibeisenstimme gar nicht mal so schlecht. Als Duettpartnerin für andere Bands hat man sie schon deutlich nerviger in Erinnerung. Mit dem neuen Song "Heute Wird Der Himmel Brennen" schlagen die Berliner musikalisch mit markanten Geigentönen eine etwas andere Richtung ein, als man es von ihnen kennt. Textlich kommt der Track über Fan-Service aber nicht hinaus.
Besser macht es die Truppe, wenn sie sich mehr aus der eigenen Komfortzone wagt. "Rasend Herz" bekommt ein gelungenes Reggae-Gewand verpasst und versprüht zudem noch leichtes Orient-Flair. "Quid Pro Quo" durchziehen schwungvolle Ska-Trompeten. "Nur Ihr Allein" swingt chansonesk vor sich hin, während "Lebensbeichte" ordentliches Western-Feeling versprüht. Fans der härteren und rockigeren Klänge dürften mit "Blutmond" und "Troja" ebenfalls gut bedient sein. "Weckt Die Toten" und "Feuertaufe" unterscheiden sich dagegen nur minimal von den Originalfassungen.
Schade, dass man bei der all zu glatt und kommerziell klingenden Produktion den Live-Schwung vermisst, der "Tranquilo" einst so besonders machte. Die tribaleske und mitreißende Version von "Herr Mannelig" zeigt nämlich, dass die Energie der Tracks gerade auf der Bühne besonders zur Geltung kommt. Davon kann man sich bald bei Akustik-Tour der Berliner überzeugen.
Zwar bekommt man auf "Tranquilo II" wie schon beim Akustik-Vorgänger einige Überraschungen geboten. Jedoch wirkt die Platte gerade in der ersten Hälfte zu sehr wie das Abhaken einer Fanwunschliste.


Noch keine Kommentare