Vor der letzten Vorentscheid-Show tut sich was: Die Jury wird umbesetzt, der Chef funkt nun doch in das Publikumsvoting rein. Vielleicht mit Kalkül.
Hürth (mra) - Dreimal Stefan Raab und Konsorten, dann einmal Publikum: So wurde der Votingprozess für den deutschen ESC-Kandidaten im Vorfeld kommuniziert. Doch schon bei der letzten Show äußerte Raab Bedenken, die breite Masse würde nicht so zielorientiert denken, wie er es täte. Diese Befürchtung bescherte dem Chef offenbar schlaflose Nächte, denn jetzt gibt es eine kurzfristige Regeländerung.
Zum einen zieht sich Elton aus der Jury zurück. Er könne "wegen eines privaten Termins in dieser Ausgabe nicht mit auf dem Jury-Podium sitzen", so die Pressemitteilung. An seine Stelle tritt im Finale Nico Santos. Gastjurorin wird Conchita Wurst sein. Die Drag-Queen entschied den ESC 2014 mit "Rise Like a Phoenix" für Österreich.
Zum anderen grätscht die Jury nun doch in den Publikumsentscheid. Jeweils eine Coverversion und erneut den eigenen potenziellen ESC-Song werden die Künstler:innen am Samstagabend performen. Bevor das Publikum voten darf, schaltet sich nun die Jury ein: Aus den neun Kandidat:innen wählen Raab und Co. fünf aus. Dann ist endlich das Publikum gefragt.
Diese neun Acts stehen im Finale:
- JULIKA
- Benjamin Braatz
- Cosby
- Abor&Tynna
- Feuerschwanz
- LEONORA
- Lyza
- The Great Leslie
- Moss Kena
Im Vorfeld kristallisierten sich bereits zwei klare Favorit:innen heraus. RTL lud alle Halbfinal-Performances auf Youtube hoch: Mit Abstand die meisten Aufrufe verzeichnen die Mittelalter-Metaler Feuerschwanz und das Popduo Abor & Tynna.
Raab selbst sprach beiden Acts die wichtigste ESC-Qualität schon zu: Sie würden im Kopf bleiben. Er bemühte sich allerdings nur halbherzig, zu verschleiern, wen er lieber für Deutschland ins Rennen schicken würde."Wenn du nachher sagst, die wo der mit dem Cello war, [...] oder diesem 'lalala', ne?" Derartiges müsse beim ESC passieren, um einen deutschen Erfolg einzufahren, so Raab im Interview nach dem Halbfinale. Gemeint ist natürlich Abor & Tynnas "Baller".
Die anderen Juroren ließen im selbigem Interview durchscheinen, dass Raab wieder mal ein Machtwort gesprochen haben muss. "Im Nachhinein ist es Chefsache, und wenn Stefan ein gutes Argument hat, dann müssen wir ihm auch glauben" sagt Ex-Juror Elton in Bezug auf die Halbfinal-Entscheidung.
Was kann das bedeuten?
War der große Einfluss der Jury im Finale von Anfang an so geplant und nur schlecht kommuniziert? Wäre eine Möglichkeit. Aber welchen erwartbaren Effekt könnte das veränderte Judging-System auf das Endergebnis haben? Abor & Tynna wird der Chef sich ohne Totalausfall nicht aus der Top 5 nehmen lassen, das ist gesetzt. Dass er gewillt ist, den Unmut des Publikums auf sich zu ziehen, indem er Feuerschwanz vorzeitig aus dem Rennen nimmt, scheint ebenfalls unwahrscheinlich.
Raab könnte dennoch Folgendes kalkuliert haben: Feuerschwanz sind stiltechnisch der größte Ausreißer, neben From Fall To Spring starteten sie mit dem größten Fansupport in den Contest. Wer für Feuerschwanz stimmen wird, weiß das häufig schon jetzt. Die Kategorie Pop hingegen ist hart umkämpft, eine Verkleinerung des Kaders käme dem Wiener Geschwisterduo zugute. Natürlich ist dies reine Spekulation. Vielleicht sorgt es auch einfach nur für einen strukturierteren Showablauf, der Coversongs und erneute Contendersong-Performances elegant unter einen Hut bringt. Oder beides. Möglicherweise schaffen Raab oder Moderatorin Barbara Schöneberger ja in der Finalshow Klarheit bezüglich der Regeländerungen.
Das Erste, ONE, die ARD Mediathek und eurovision.de übertragen die letzte Ausgabe des "Chefsache ESC 2025 – Wer singt für Deutschland" am 1. März 2025 um 20.15 live aus Hürth.
3 Kommentare mit 5 Antworten
denke viele brüder kriege feuerschwanz wenn sehe concetta wurst
so viel Aufwand für wiedermal 0 Punkte.
0 Punkte wäre gar nicht das Problem, da es eine besondere Auszeichnung darstellt. Ich zum Beispiel, schicke meine Arbeitszeugnisse immer zurück, um sie noch schlechter formulieren zu lassen. Leider ist meine mit Absicht schlecht intendierte Leistung oftmals immer noch nicht ausreichend, um zum unteren Durchschnitt zu gelangen oder man will mich bestrafen, indem man mir als Sklave auch in diesem Punkt meine Freiheit abspricht. Sieht man übrigens auch in der Politik: Wer ganz links ist, fängt quasi rechts wieder an. Genau so ist es mit 0 Punkten. Es ist der A+++ Platz 1, das wissen auch alle.
... die höchste Strafe wären demnach 9 Punkte und der vor vorletzte Platz. Also völlig unverdächtig Schlecht.
... kurz noch, weil es mir gerade einfällt ironischer Weise: ich denke, dass das die Intention von "Smells like Teen Spirit" gewesen ist, die, möglicherweise ebenfalls zynisch einkalkuliert, komplett nach hinten losgegangen ist. Aber das ist wohl offensichtlich. Ist mir nur grad noch dazu eingefallen.
Ach, kurz noch zu den Arbeitszeugnissen: natürlich mache ich das immer subtil, also, verkaufe eine Floskel so, als wäre sie besser aber in Wirklichkeit stellt sie mich schlechter dar. Bisher hat das zwei mal geklappt. War wirklich witzig.
Ich wiederum fände es witzig, würde sich diese vollmundige "Chefsache" als Rohrkrepierer offenbaren, lasse mich gerne eines Besseren belehren, doch das ganze, aalige Getue schreit ja schon wieder nach dem prestigeträchtigen letzten Platz.
Raab kann sich den Feuerschwanz doch in den Arsch stecken. Elton übernimmt die Moderation.