Am Freitagabend bespielten Grenzkontrolle im Kesselhaus die Popkultur in Berlin. Und der Super-Hype aus Schweden Boko Yout bietet anschließend ein zusätzliches Fitnessprogramm.

Berlin (jas) - Das Pop-Kultur-Festival bietet fünf Tage lang ein vielfältiges Programm mit Live-Musik, Talks und Ausstellungen. Da passt der Punk-Rock-Widerstand der energiegeladenen Formation Grenzkontrolle aus Köln wunderbar rein. Vielleicht war die Halle für den arty Sound nicht gerade ideal. Zu hohe Decken und irgendwie wirkt diese Location kühl, obwohl es sehr warm war.

Trotzdem zieht Frontmann Don L. Gaspár Ali das Publikum sofort in seinen Bann. Betont spricht er die Worte ins Mikrofon. "Adrenalin" hat er mal in Berlin geschrieben, und bei "Schlechter Mensch" werden die Zuschauer:innen auch physisch mit einbezogen. Die Textzeile sollen sie laut mitsingen: "Wenn ich dir auf die Fresse hau', bin ich ein schlechter Mensch?" und dabei in die Hocke gehen. Der Sänger will es noch lauter hören, erst dann setzt die komplette Band wieder ein und das Publikum springt mit ihm in die Höhe.

Grenzkontrolle appellieren immer wieder, Haltung zu zeigen gegen Faschismus vor den anstehenden Wahlen in Sachsen-Anhalt. Dazu passt auch ihr Song "Revolution" der EP "Edelweiß" aus dem vergangenen Jahr mit eingängigen Melodien, fettem Rhythmus, stylischem Auftreten und der Message: "There Is no Planet B!"

Von Obdachlosigkeit und Drogen handelt "Neumarkt", ein Ort in Köln und Titel auf der zuletzt erschienenen EP Piraten (Bodenlos Records). Neben all dem Frust, der Verzweiflung und Zerstörung bleibt immer viel Platz für Liebe. Die finden Grenzkontrolle in ihrer Musik und bei ihren Auftritten. Da wird die Piratenflagge mit einem Lächeln geschwenkt. und es gibt auch eine eindrucksvolle Tanz-Performance von Gitarrist Kodia Funk, der sich geschmeidig zu Dons Worten auf der Bühne bewegt.

Neben Roza Rot am Schlagzeug und Basser Klaus mit Fellmütze (schwitz) und Sonnenbrille, unterstützen an diesem Abend eine Saxofonistin und ein weiterer Gitarrist die Bühnenshow. Am Ende gibt es dann noch einmal "Schlechter Mensch" und nochmals muss man in die Hocke gehen, aber auch das schafft man und freut sich auf die nächsten Power-Konzerte mit Grenzkontrolle.

Später gibt es einen weiteren Grunge-Rock-Burner aus Schweden. Im Palais steht man zunächst brav in der Schlange an, weil das Quartett Boko Yout wohl ziemlich angesagt sind. Und ja, gleich wieder so ein Powerpaket im prallgefüllten Saal. Für volle Action auf der Bühne sorgt vor allem Sänger Paul Adamah. Oberkörperfrei läuft er die Treppe hoch und runter, durchs Publikum und über die Bühne.

"Gusto" ist der Hit, und man schwankt zwischen Fugazi und Bloc Party-Nostalgie. Eine irre Dynamik mit Afrobeats und wirbelnden Drums. Der Moshpit darf dabei nicht fehlen, das vorwiegend jüngere Publikum macht brav mit und Paul hat keinerlei Berührungsängste. Hautnah ist man dabei und zum Abschluss gibt es jede Menge Luftherzen und Dankbarkeit.

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