Das Awareness-Konzept verspricht Schutz vor Übergriffen, dann steht als Teil der Headliner-Show Gzuz auf der Bühne, ein verurteilter Straftäter.
Ferropolis (dani) - "Bonez & Friendz", so lautete die Ankündigung für die Headlinershow beim Splash! am vergangenen Wochenende. Mit wem Bonez MC so befreundet ist, ist bekannt. Dass er neben etlichen anderen Gästen auch Gzuz auf die Bühne bat, konnte also niemanden wirklich verblüffen. Niemanden offenbar, außer der Ausrichtenden des Festivals: "Der Auftritt von Gzuz war weder angekündigt noch mit dem Festival abgestimmt", teilt mir die Pressestelle des Splash! auf Nachfrage mit.
Warum habe ich überhaupt nachgefragt? Nun: Ich stolperte doch erheblich über die Diskrepanz zwischen schönem Schein und Realität. In ihrem Awareness-Konzept, einzusehen auf der Festivalhomepage, verspricht das Splash! in blumigen Worten nämlich Schutz vor Übergriffigkeiten. Als "No-Gos" verbitten sich die Ausrichtenden da ausdrücklich unter anderem "sexistische Sprüche oder Anmachen", "körperliche oder verbale Belästigung" und "übergriffige Vibes".
Also ungefähr alles, das sich Gzuz hat zuschulden kommen lassen, und das nicht irgendwo, sondern auf dem Splash! Am 6. Juli 2018 stellte eine Frau Strafanzeige gegen den 187er, am 16. November desselben Jahres erging daraufhin ein Strafbefehl wegen sexueller Belästigung gegen Gzuz. Die Kolleg*innen von der Vice haben den Fall seinerzeit nachrecherchiert, der daraus entstandene Artikel ist auch das erste, das das Netz so ausspuckt, sucht man nach "Gzuz" und "Splash!" In einem anderen Fall, so berichtete unter anderem der Spiegel, verurteilte das Landgericht Hamburg Gzuz am 4. März 2022 zu einer mehrmonatigen Haftstrafe, weil er einer Frau ins Gesicht geschlagen hatte.
Kein Hausverbot für Täter?
Man sollte also meinen, ein Festival, das sich um den Schutz von Betroffenen von sexualisierter Gewalt sorgt, um Anstand oder auch nur um den eigenen Ruf, erteile einem Täter, der die ausgegebene Hausordnung mit Füßen tritt, Hausverbot. Die Nachfrage, ob dies geschehen sei, ignorierte die Presseabteilung des Splash! geflissentlich, ließ aber wissen: "Um den geordneten Ablauf der Veranstaltung zu gewährleisten, haben wir in diesem Fall davon abgesehen, von unserem Hausrecht Gebrauch zu machen und Gzuz vom Gelände zu verweisen."
Aha. Wir sollen uns jetzt also den Bären aufbinden lassen, dass sie beim Splash! vom geplanten Auftritt Gzuz' nichts gewusst haben. Was bedeuten würde, dass sie offenbar keinerlei Kontrolle darüber haben, wer in ihren Backstagebereichen und auf ihrer verdammten Mainstage herumläuft. Wow, in dem Fall hätte ich Fragen zum Sicherheitskonzept.
Aber ja, schon klar: Natürlich kannst du einen Gzuz nicht während der laufenden Show vor Publikum vor der Bühne zerren, ohne den "geordneten Ablauf der Veranstaltung" zu gefährden. Man hätte aber durchaus dafür Sorge tragen können, dass man in die Verlegenheit, das tun zu müssen, gar nicht erst kommt.
Hohle Worte zur Image-Politur
Würde man es ernst meinen mit seinem eigenen Awareness-Konzept, hätte man zum Beispiel einen anderen Headliner buchen können. Dass das 187-Camp ein unangenehmes, und Gzuz ja auch nicht der einzige problematische Kandidat da ist, ist ja kein Geheimnis. Wobei ich das Booking-Fass eigentlich wirklich nicht auch noch aufmachen möchte. Die erneut krasse Schieflage des Geschlechterverhältnisses im Line-Up und insbesondere der mikroskopische Prozentsatz von FLINTA, die Mainstage-Präsenz bekamen, rechtfertigte einen ganz eigenen Rant, dabei wähnte ich das Splash! in den vergangenen Jahren diesbezüglich eigentlich auf einem guten Weg.
Aber, nö: Auf die Hauptbühne lassen sie, in den Headliner-Slot, einen verurteilten Abuser. Ja, das kann man schon machen. Wir wissen ja alle, dass das Splash! leider kein Awareness-Leuchtturm ist, sondern eine riesige Mainstream-Profitmaschine, in diesem Jahr schwer geschmiert von Sprite. Es ist ja auch ihr gutes Recht. Dann allerdings aus Image-Politur-Gründen so zu tun, als ginge einem der Schutz von Betroffenen von sexualisierter Gewalt nicht meilenweit am Arsch vorbei, muss bei genau dieser eh schon gebeutelten Gruppe wie ein Faustschlag ins Gesicht ankommen. Diese Menschen können sich sicher auch einen Keks drauf backen, dass Gzuz, wie die Splash!-Presseabteilung noch wissen ließ, "das Festivalgelände unmittelbar nach seinem Auftritt wieder verlassen" hat. Nachdem er Rampenlicht und Applaus (und vermutlich auch seine Gage) abgegriffen hat.
Aber, hey! "Wir möchten jedoch ausdrücklich klarstellen, dass wir jede Form von Belästigung, Gewalt und unangemessenem Verhalten aller Personen entschieden ablehnen. Diese Werte stehen nicht im Einklang mit unserem Selbstverständnis als Veranstalter." Machen wir uns also keine Sorgen, Leute. Das Splash! ist ein kuscheliger Safe Space.











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