laut.de-Kritik
Perfekter Sound und Reime, die holpern und stolpern wie ein Eselkarren
Review von Alexander CordasAus dem Weg, hier kommen die Spezializtz!!
Mit ihrem selbstgebastelten Credo G.(ras) B.(eck's) Z.(ärtlichkeit) machen sie sich auf zum Kreuzzug gegen alle "Faker", die den Hip Hop nicht so lieben und leben wie sie selbst. Bei ihren Anstrengungen ist eines der streitbarsten Alben im Bereich des neueren deutschen Sprechgesanges herausgekommen. Daß die Spezializtz aka Oliver Harris und Dean Dawson keine Anfänger sind, wird nicht zuletzt durch die fette Produktion deutlich.
Was beim Sound überzeugt, fehlt dann aber an allen Ecken und Enden am Songwriting. Der Reimfluss ist ganz und gar kein freaky flow, wie im Info angekündigt, sondern holpert und stolpert sich durch die einzelnen Songs wie ein Eselkarren von Hückelhoven nach Weissnichwo. Daß Kiffen gleichgültig macht, war den Spezializtz auch schon immer scheissegal, auf PC geben sie einen Dreck und deshalb vögeln, kiffen und saufen sie sich durchs Programm, daß sämtliche Klichees voll und ganz bedient werden und das in einer Fäkalsprache, die nur noch peinlich daherkommt (vgl.Walter Mörs: Ihr Pipikackaärsche!).
Die vorgetäuschte Coolness wird durch Jingles zwischen den Songs hervorgehoben, in denen denen sich alles um's spezializtige Universum dreht. "Hey Nigger, gib mal den Joint rüber", oder "haste Beck's mitgebracht?" zählen da noch zu den Higlights. Andere hochgeistige Sprüche kann man getrost unter der Kategorie "Lachnisch, sons hol isch meine Brüda!" einordnen. Supa Spezializtz!
Endlich mal Jungs, die ihre mächtige Stimme gegen alle Verarscher im Hip Hop-Biz erheben. Aber wenn dann so ein Album herauskommt, dann lass ich mich doch vorher lieber zehnmal verarschen, ehe ich mich zu den Spezializten zählen lasse. Ein guter Song ("Kennst ja") bei einer Spielzeit der CD von über 70 Minuten ist dann doch zu wenig, um zu überzeugen. Daß deutsche Reimkunst 'ne Kunst ist haben sie immerhin erkannt. Aber vor der Eröffnung der eigenen Ausstellung sollten sie sich lieber die Ergüsse der Konkurrenz anhören.
Ach ja, Gras, Beck's und Zärtlichkeit: Ich hab' schon immer lieber Jever getrunken, Rülps...
3 Kommentare
Ganz toll. Und schon wieder wurde ein Hip Hop Album von jemanden bewertet, der von Hip Hop keine ahnung hat. Schuster bleib bei deinen Leisten und versuche nicht etwas zu bewerten was du garnicht verstehst.
oh. und das fällt dir schlappe neun jahre nach veröffentlichung dieser kritik auf?
rehspeck!
@Caster Troy: Ich geb dir Recht,in der Redaktion sitzen wahrscheinlich sehr viele Ich-hab-kein-Plan-von-guten-deutschem-Rap-aber-
ich-geb-immer-meinen-dummen-Senf-dazu-möchtegern
-Kritiker