laut.de-Kritik

Explosive Gitarrengewitter im Gothic-Dreampop-Nebel.

Review von

Vor vier Jahren erschien das Debüt-Album "Dawn Of The Freak" der belgischen Dreampop-Shoegaze-Band mit sehnsüchtigen Teen-Angst-Melodien, die zwischen Acts wie DIIV und The Drums, schüchtern schillerten. Nun widmet sich The Haunted Youth wieder der Jugend, doch das musikalisch aufgearbeitete Gefühlsleben ist nun aufgewühlt.

In die Soundpalette mischen sich dementsprechend Grunge, Emo sowie Gothic, und die Songs klingen rauer, explosiver und aufgeladener. In Anspielung auf The Cures Hit "Boys Don't Cry" – keine Aufforderung, sondern ebenfalls Teen-Angst-Hymne – konstatiert die Band um Frontmann Joachim Liebens nun oh ja, "Boys Cry Too" und kehrt damit ein Stigma im Songtitel um zum Sieg.

In den Songs spiegeln sich Verzweiflung, Qual, Schmerz, aber auch Aggression, übersetzt in zerbrechliche Melodien voller Hall, in die sich immer wieder verzerrte Reverb-Gitarrengewitter schieben. The Haunted Youth haben ein gespenstig gutes Händchen für Ohrwürmer, die sich sowohl emotional und energetisch einbrennen.

Manchmal erinnert das an frühe Editors, frühe The Cure und frühe M83. Das Debüt verhält sich zum Nachfolger somit wie ein Tagebuch zum Konzert, vom Introspektiven zum Aus-Sich-Herausgehen. Liebens erzählt, dass er während der Entstehung des Albums hauptsächlich Hip Hop-Acts gehört habe, als wichtigen Input nennt er Emo-Rapper Lil Peep: Die Texte gewannen so mehr Raum, drängen auf die Bühne statt hinter dem Nebel abzutauchen.

Insofern ist "Boys Cry Too" trotz seiner immer noch bittersüßen Atmosphäre und epischen Flächen ein selbstbewussteres Album, das die Breite und Tiefe von Emotionen in packende Songs verwandelt. Während der Erstling ein Trost für alle Freaks da draußen war, die in zwischen Nostalgie und Sci-Fi ihren Platz im Jetzt suchen, wird nun fast trotzig ein Platz im Hier eingefordert.

Trackliste

  1. 1. in my head
  2. 2. castlevania
  3. 3. deathwish feat. Max Fry
  4. 4. emo song
  5. 5. wake up
  6. 6. hurt
  7. 7. murder me
  8. 8. falling to pieces
  9. 9. i hear voices
  10. 10. forget me
  11. 11. ghost girl

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8 Kommentare mit 4 Antworten

  • Vor 17 Tagen

    Kannte ich bisher noch nicht, gefällt mir aber sehr gut. Besonders die tanzbaren Stücke erinnern mich an alte Sachen von Cure und Chameleons.

  • Vor 16 Tagen

    So, hab's jetzt mal heut morgen in einem Rutsch mal durch. Während "Emo-Song" wurd's etwas schwierig kurze Zeit, weil ich in der Bahn ständig unauffällig meine Handflächen vor's Gesicht halten musste. Gerade die letzten Songs erinnern stark an ein Gemisch aus TheCure/Blink182 und eine Prise Sweet Child O'Mine. Kann an dieser Stelle zusätzlich nochmal die Stand-Alone-Single "Into You" empfehlen, die zwar lange vor Schmalz dahinsiecht, bevor sie aber in einem GnR-Gedächtnis-Solo in ihrem referentiellen Feuerwerk komplett abfackelt und es wahrscheinlich aufgrund eben dieser Eindeutigkeit nicht auf das Album "geschafft" hat. Mir ist es völlig Schleierhaft, wie so eine Band noch dermaßen underrated ist. 5/5