laut.de-Kritik

Entschleunigter Indie-Rock untermalt ein Trennungsalbum.

Review von

Frontmann Kele Okereke gibt im Rahmen des neuen Bloc Party-Albums zu Protokoll, dass er bereit sei, über eine gewisse Romanze zu sprechen und das relativ direkt: "Ich habe keine Bedenken, darüber zu sprechen, denn diese Verbindung ist wichtig. Ich glaube nicht, dass ich in der Vergangenheit jemals so offen darüber gesprochen habe".

Herausgekommen ist "Anatomy Of A Brief Romance", das überraschend aufgeräumt, reflektiert und nüchtern ertönt. Seine sonst blumige Lyrik bleibt hier sehr klar sowie verständlich. Keine ambitionierten Wortspiele oder Metaphern wie beim Vorgänger, sondern die Ereignisse unmittelbar darlegend mit einfachen Vergleichen. Wie der Titel vermuten lässt, nimmt er uns vom ersten Blickkontakt bis hin zum Scheitern mit und entwirft eine durchaus unterhaltsame Geschichte.

Musikalisch schlägt sich das ebenfalls nieder. Sachte inszenierter, entschleunigter, professionell produzierter Indie-Rock mit kleinen elektronischen Ausflügen. "22.01.22" mimt den sanft-verträumten Einstieg als liebevolle Erzählung, gefolgt vom sinistren "Coming On Strong" samt cooler Bassline, bei dem sich die Bridge schön öffnet. "Love Bombs" beinhaltet einen verzerrten Gitarrenloop und verstärkt die Intensität, während Kele die aufblühende Liebschaft besingt.

Über das naiv-hibbelige "Pigwig" geht es in die Trademark-Ballade der Band "Lagoon Blue", bei dem zurückhaltende Strophen auf einen emotionalen Chorus treffen. Eine wirklich pittoreske Liebeserklärung an den neuen Partner: "The night descends so we head in / To watch a studio Ghibli film / I fall asleep on your sleeve / With those three words in my dreams."

Beim leider schematischen "Muscleworks" keimen erste Zweifel durch unausgesprochene Probleme und Verschlossenheit. Kele prangert das im dramaturgisch interessanten "Clark Kent" zwar an, nimmt ihn aber noch in Schutz. Beim wütenden "Worst Birthday Ever" samt unterdrücktem Drumming geht die Beziehung in die Brüche, auch ob der feindlichen Verwandtschaft seines nun Ex-Partners.

Im trotzig-zankwütigen "Not Your Problem" läuft der Refrain kontinuierlich im Hintergrund, die Instrumentierung gerät verspielt. Vom Tonus her höre ich da durchaus Interpol im Detail hindurchscheinen. "Now We Can't Be Friends" behandelt ebenjene pragmatische Einsicht und versucht sich an mäandernden Synthie-Melodien, verzettelt sich indes in zu vielen Tempoverschiebungen.

Vorhang auf für den Heartbreak-Song, der dem Ganzen eigentlich eine gewisse Gravitas schenken sollte, jedoch entpuppt sich "Rotherhithe" als schleppend und tatsächlich kitschig. "Moving On" beschwört immerhin alte "A Weekend In The City"-Zeiten herauf, wirkt dringlicher sowie intimer. Nachdem die inneren Wogen geglättet sind, schließt Kele diese Romanze in "Eulogy" versöhnlich ab im Kleid eines vergnüglichen Indie-Popsongs.

"Anatomy Of A Brief Romance" parliert von großen Gefühlen, die aber selten mitreißen. Etwas mehr Abwechslung und Verve hätte nicht geschadet, allerdings passen die Songs seltsamerweise gut zum ebenfalls ruhigeren Album "This Mirror Weighs A Ton" von Interpol, mit denen die Briten im Herbst dieses Jahres zusammen auf Double-Headliner-Tour gehen.

Trackliste

  1. 1. 22.01.22
  2. 2. Coming On Strong
  3. 3. Love Bombs
  4. 4. Pigwig
  5. 5. Lagoon Blue
  6. 6. Muscleworks
  7. 7. Clark Kent
  8. 8. Worst Birthday Ever
  9. 9. Not Your Problem
  10. 10. Now We Can't Be Friends
  11. 11. Rotherhithe
  12. 12. Stories
  13. 13. Moving On
  14. 14. Eulogy

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2 Kommentare mit 6 Antworten

  • Vor 6 Tagen

    Mittlerweile die vertonte Langeweile. Dabei waren die mal ganz gut.

    • Vor 6 Tagen

      Auf dem ersten Album waren sie genial. Mit einem grandiosen Schlagzeuger. Dann ging es zunehmend bergab. Nimmt man den Beginn zum Vergleich, ist das hier nur noch eine Frechheit.

    • Vor 6 Tagen

      "Mit einem grandiosen Schlagzeuger"

      Nicht bloß irgendeinem grandiosen Schlagzeuger, sondern einem, dem in der Folge Bloc Partys besagtem Debut fast ein Jahrzehnt lang in Sachen innovative Einfälle für diese Art Musik, Schnörkel im Spiel bei gleich-(oder verschieden-)zeitiger Tightness und Spielfreude - also sozusagen allgemeiner Schlagwerk-Grandezza - högschdens noch der Erin Tate von Minus the bear das Erfrischungsgetränk persönlicher Vorliebe reichen konnte. :suspect: :smug:
      .

    • Vor 6 Tagen

      Volle Zustimmung zum Rest und alles imho, versteht sich.

    • Vor 6 Tagen

      Ganz bei dir.

    • Vor 6 Tagen

      Seht, es ist Funk Elstner, gleich neben Motown B. Kerner!

    • Vor 5 Tagen

      Hottake: Ich bin lieber ein Wochenende in der Stadt als beim stillen Alarm.
      Der Drummer wurde ja schon zurecht gelobt und Kele war am Anfang auch toll. Ich glaube der konnte seine Energie einfach nicht so gut in die Post-Adoleszenz rüberretten.

  • Vor 6 Tagen

    Ich stimme euch voll zu. Obwohl ich die ersten 2 Alben sehr stark fand. Irgendwann setzte der Pumpkins-Effekt ein-> Teile der 1. Mannschaft ist weg und damit auch die Kreativität.