laut.de-Kritik

Der Smokie-Gründer covert sich durch sein Leben.

Review von

Im vergangenen Oktober feierte Chris Norman seinen 75. Geburtstag. Anlässlich dazu erschien die Schmuse-Single "Lifelines" – "ein Song über Erinnerungen und Erfahrungen aus meinem Leben und meiner Karriere – Momente, die in mir jene starken Gefühle hervorrufen, wie es nur Musik vermag", so der britische Sänger mit dem Reibeisentimbre. Ein knappes halbes Jahr später erscheint nun der nach der Single benannte Longplayer. Studioalbum Nummer 24 präsentiert sich in der Konzeptform. Chris Norman blickt noch einmal zurück, holt Erinnerungen aus dem Dunkeln ins Licht und verneigt sich vor seinen musikalischen Inspirationsquellen.

Die thematische Herangehensweise hat schon was. So geht es um Songs, die ihn begleitet haben, als er zum ersten Mal verliebt war, mit seiner ersten Band vom großen Durchbruch träumte, zum größten Solokünstler in Europa aufstieg oder den Tod seines Sohnes betrauerte. Beim Blick auf die Tracklist fallen einem bestimmte Songs sofort ins Auge. So nimmt sich der Smokie-Gründer den Tom Petty-Klassiker "Free Fallin'" zur Brust, ohne dabei für große Überraschungen zu sorgen. Sehr nah am Original und mit einem weichgespülten Ü60-Radiosound behaftet, dümpelt das Ganze so vor sich her.

Mit aufgeplusterten Drums kommt etwas Schwung in die Bude. Chris Norman taucht tief in die Achtziger ein ("Addicted To Love"). Über den Wolken nickt Robert Palmer anerkennend, genauso wie der noch unter uns weilende The Hollies-Frontmann Allan Clarke, der sich über eine weitere Coverversion des Evergreens "The Air That I Breathe" freuen kann. Musikalisch hat das alles keinen allzu großen Nährwert. Sicher, Chris Norman ist auch im hohen Alter noch erstaunlich gut bei Stimme. Aber sonst ist das Ganze doch ziemlich leblos, lieblos und altbacken zusammengestellt.

Auch mit ein bisschen mehr Tempo verdienen sich Chris Norman und sein Gefolge keinen Innovationspreis ("Whiskey In The Jar"). Zwischendurch tut es gar richtig weh, wenn sich der Sänger mit leidendem Organ durch die R.E.M.-Ballade "Everybody Hurts" quält. Natürlich darf auch eine neu eingesungene Version der vielleicht gruseligsten Norman-Nummer ever nicht fehlen ("Midnight Lady"). Hier applaudiert nur einer: Dieter Bohlen.

Chris Normans musikalische Zeitreise, bei der auch Chris Martin ("Fix You"), Leona Lewis ("Run") und das "Mexican Girl" Arm in Arm zum Schunkeln einladen, verkommt zum Herzensprojekt ohne Leben und Seele. "Ich habe einige besondere Songs aus den Jahrzehnten ausgewählt – Stücke, die mir damals wie heute sehr viel bedeuten. Und ich hoffe, dass sie auch euch viele schöne Erinnerungen zurückbringen", erklärt der Hauptdarsteller im Pressetext zum Album. Die Erinnerungen sind schön, keine Frage. Aber auch nur, wenn man die Originale aus dem Schrank holt.

Trackliste

  1. 1. Lifelines
  2. 2. So You Win Again
  3. 3. Crying In The Rain
  4. 4. Strawberry Fiels Forever
  5. 5. Run
  6. 6. Free Fallin'
  7. 7. Midnight Lady
  8. 8. Addicted To Love
  9. 9. All I Have To To Is Dream
  10. 10. Piece Of My Heart
  11. 11. Fix You
  12. 12. Mexican Girl
  13. 13. Whiskey In The Jar
  14. 14. The Air That I Breathe
  15. 15. Everybody Hurts

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5 Kommentare mit 4 Antworten

  • Vor einem Tag

    Man kann das seichte Gedudel zurecht doof finden und peinliche Nummern wie "who tf is alice" (darüber lachen nur Unterbelichtete mit 4,5 Promille), aber viele 70s Songs sind doch geile Ohrwürmer (ok, bin damit großgeworden).

  • Vor einem Tag

    Ich glaube, "Run" ist im Original nicht von Leona Lewis, sondern von Snow Patrol, um hier mal völlig sinnlos zu klugarschen.

  • Vor 12 Stunden

    Kurz mal reingehört - hätte angesichts der Songauswahl interessant werden können, wenn er den Songs eine eigene Note gegeben hätte - aber die gleichen Arrangements wie die Originale...? Bei Free Falling knödelt er sogar wie Tom Petty...

  • Vor 2 Stunden

    Du kannst sagen was du willst, ich finde das neue Album klasse! Im Moment ist Run mein Lieblings Song, aber ich mag alle Lieder von Lifelines. Chris hat gesagt, das es Lieder sind, die ihn durch verschiedene Phasen seines Lebens begleiten haben, und die spezielle Bedeutung für ihn haben. Ich nehme mal an, daß du kein Chris Norman Fan bist. Er hat die Lieder sehr gut seiner Stimme angepasst. Ich werde das Album immer wieder gerne hören.

  • Vor einer Stunde

    Hallo Kai Butterweck. Man merkt bei Ihnen sofort,dass Sie Chris Norman gar nicht richtig „kennen“ Ich finde es echt schäbig,wie Sie schreiben:Er covert sich durchs Leben. Dieses Album erzählt seine eigene Lebensgeschichte,die alles wunderschön getroffen hat. Chris Norman ist ein Weltstar,der ohne Probleme andere Musikstile in seiner eigenen Art und Stimme präsentiert und er hat nicht vor den eigentlichen Interpreten des Songs komplett zu kopieren. Ihre Worte: quält,dümpelt,leblos,lieblos und altbacken…sind einfach nur eine Schande,so über einen Weltstar zu schreiben. Holen Sie sich besser die Originale aus dem Schrank anstatt so einen Stuss über dieses tolle Album zu schreiben.