laut.de-Kritik
Klassischer Heavy Metal? Für die Thrash-Institution kein Fremdwort.
Review von Toni HennigDestruction lieferten zuletzt im Dreijahrestakt gute bis sehr gute Thrash-Kost. Das Metal-Rad werden die Südbadener zwar nicht mehr neu erfinden. Dafür verfeinern sie ihren Sound, wie "Birth Of Malice", das mittlerweile 16. Studioalbum, unterstreicht. Parallel stellen die Thrash-Metaller mit "The Art Of Destruction" einen Dokumentarfilm über die Entwicklung der Band vor.
Das Titelstück fungiert als bedrohliches akustisches Intro. Danach findet sich ein Song, der nach der Band benannt ist - und vor Selbstzitaten nur so strotzt. Musikalisch hauen Destruction ordentlich auf den Putz und bieten großartige Gitarrenmomente zwischen souverän heruntergerotzten Passagen der Marke Slayer und längeren, melodischen Soli. Auf jeden Fall stellt das gut aufeinander abgestimmte Duo Damir Eskić und Martin Furia eine absolute Bereicherung dar. Zudem zeigen auch die keifenden Vocals von Schmier keine Abnutzungserscheinungen.
"Cyber Warfare" bietet zu Beginn ein kurzes, cyberpunkartiges Sprachsample, schlägt danach aber eine recht wütende und düstere Richtung ein, was den Inhalt unterstreicht, der weniger dystopisch erscheint, als es der Anfang vermuten lässt. Eher schon klingen die Zeilen hochaktuell. Nochmal ordentlich an Tempo legen Destruction in "No Kings - No Masters" zu, das am ehesten an die alten Glanztage anknüpft und sich als der Hit der Platte erweist.
In "Scumbag Human Race" liegt der Fokus mehr auf schwer groovenden Zehntonnen-Riffs. Textlich setzen die Südbadener hier auf eine deutlich zivilisationskritische Botschaft. Das rifflastige und aggressive "God Of Gore" macht seinen Namen dann alle Ehre, während "A.N.G.S.T." eine bedrohliche Atmosphäre und leichtes Industrial-Feeling im Refrain, der auf Deutsch vorgetragen wird, aufkommen lässt.
Rifflastiger gestaltet sich wieder "Dealer Of Death". Leider machen sich jetzt erste melodische Abnutzungserscheinungen breit, auch wenn mit dem hymnischen "Evil Never Sleeps" oder "Greed", das für Bandverhältnisse eine fast schon opulente Struktur besitzt, klangliche Abwechslung nicht zu kurz kommt. Zumal sich die Gitarrenarbeit nun mehr am traditionellen Heavy Metal à la Judas Priest anlehnt. So bekommt man in der zweiten Albumhälfte mit "Chains Of Sorrow" oder "Greed" einige der besten Soli der Platte geboten.
Die derb heruntergeprügelte Version von Accepts "Fast As A Shark", die zu Beginn mit einem Heino-Sample daherkommt, lässt vermeintliche Schwächen jedoch schnell vergessen: Mehr Partystimmung im Thrash gibt es im Grunde nur noch bei den Kollegen von Tankard.
Von den 'Big Teutonic 4' des Thrashs, Kreator, Sodom, Destruction und Tankard, bleiben Kreator die mit Abstand besten Vertreter. Dennoch halten Destruction auch vierzig Jahre nach ihrem Debütalbum locker den Qualitätslevel, auch, wenn "Birth Of Malice" keinen zukünftigen Klassiker des Genres hergibt, sondern eher etwas für langjährige Fans darstellt, die sich auf neues Livematerial freuen: So mancher Song der Platte bereichert die Setlists zweifellos.
2 Kommentare mit 3 Antworten
Eigentlich ist der Beginn von "Fast as a shark" das Volkslied "Ein Heller und ein Batzen" von Albert von Schlippenbach von 1820 - und nicht Heino. Eine einzige simple Suche beim Suchdienst meines Vertrauens hat das zutage gefördert.
Der Song ist auch in der Version von Accept ein Song für die Ewigkeit.
Ich kann deine Erregung gut nachvollziehen. Das wichtigste ist, sich von der unbändigen Wut nicht überwältigen zu lassen! Sei stark.
Das ist für Post-Cracked Brain-Destruction ja ganz okay, aber.. naja. Haut niemanden vom Hocker der auf Thrash steht. Ich bezeichne so etwas als "Sampler-Metal." Genau was auf der beigelegten CD zu Szeneversion der Bildzeitung drauf ist. Macht man mal beim Putzen an, ohne das man sich groß die Namen der Bands durchliest.
Hallo. Mein Name ist „niemand“.
k?