laut.de-Kritik
Die Blockbuster-Supergroup zündet ein weiteres Rock-Feuerwerk.
Review von Kai ButterweckDas erste Livealbum steht noch keine drei Jahre im Regal, da kommen die Hollywood Vampires auch schon mit dem Nachfolger um die Ecke. "At Montreux Jazz Festival" fasst noch einmal die Geschehnisse des 24. Juli 2018 zusammen, als die Supergroup um Schockrock-Legende Alice Cooper und Leinwand-Gitarrero Johnny Depp das Finale der 52. Version des prestigeträchtigen Schweizer Festivals einläuteten.
Ein paar schräge Distortion-Töne machen den Anfang, und dann legt die Band mit den beiden selbstgeschriebenen Rockern "I Want My Now" und "Raise The Dead" auch schon los. Der Sound ist warm und satt. Die jubelnde Meute vor der Bühne ist vom ersten Moment an hellwach.
"We are the Vampires!", raunt Alice Cooper ins Mikrofon. Sekunden später erklingt auch schon die erste Coverversion des Abends. Die Spirit-Hommage "I Got A Line On You" geht gut nach vorne. Drummer Glen Sobel stehen bereits die Schweißperlen auf der Stirn und Joe Perry zaubert ein famoses Solo aus dem Ärmel.
Auch die Backing-Vocals funktionieren bereits prächtig. Die alten Herren brauchen nicht viel Anlaufzeit. Mit dem Love-Klassiker "Seven And Seven Is" nehmen die Hollywood Vampires weiter Fahrt auf. Zwei Minuten lang kracht es ganz gewaltig im Gebälk, ehe die Band mit dem groovenden "My Dead Drunk Friends" kurzzeitig auf die Bremse tritt.
Zur Mitte des Sets hin werden die Namen immer größer. Erst versucht sich die Band am legendären Boogie-Rock aus Down Under ("The Jack"). Dann verneigen sich die Hollywood Vampires vor dem Schaffen von Lemmy und Co. ("The Ace Of Spades"). Das Ganze fördert jetzt nichts Neues zu Tage. Aber Spaß macht es allemal.
In den ruhigen Momenten der epischen The Who-Hymne "Baba O'Reily" klatschen tausende Hände im Rhythmus mit. Die flotte Eigenkomposition "As Bad As I Am" beweist, dass die Band durchaus in der Lage ist, gute und prägnante Rocknummern zu schreiben. Auch das etwas entspanntere "The Boogieman Surprise" überzeugt. Die wahren Highlights, so ehrlich muss man schon auch sein, verbindet der Hörer aber eigentlich mit anderen hochrangigen Bands und Künstlern.
Für den Punk-Klassiker "People Who Died" drängt Johnny Depp ins Rampenlicht. Während der beiden Aerosmith-Nummern "Combination" und "Sweet Emotion" schwenkt das Spotlight – wen wundert's – rüber zu Joe Perry. Auch ziemlich gut: Johnny Depp als David Bowie ("Heroes"). Wenn der Rock 'n' Roll-Pirat in die Rolle des unvergessenen Pop-Chamäleons aus London schlüpft, kennt der Jubel vor der Bühne keine Grenzen.
Natürlich hat Alice Cooper auch noch die eine oder andere Soundperle aus dem eigenen Privatarchiv mit im Gepäck ("I'm Eighteen", "School's Out"). So mündet das große Ganze in einem imposanten generationsübergreifenden Rock-Feuerwerk, an das man sich als zahlender Augenzeuge sicherlich gerne zurückerinnert.


1 Kommentar mit 12 Antworten
"Auch ziemlich gut: Alice Cooper als David Bowie ("Heroes"). Wenn der Altmeister des Schockrock in die Rolle des unvergessenen Pop-Chamäleons aus London schlüpft, kennt der Jubel vor der Bühne keine Grenzen."
Die größte Leistung von Alice Cooper ist bei Heroes, dass er bei "Heroes" aussieht wie Johnny Depp, singt wie Johnny Depp, ja geradezu Johnny Depp ist.
Jetzt mal im Ernst, wie kann man Alice Cooper und Johnny Depp verwechseln?
Wer's nicht glaubt: https://youtu.be/tPc2O8tCsg4?si=2YcXFkkqFh…
Da hat wohl der Fluch der Karibik beim Rezensenten zugeschlagen.
DAS dachte ich auch! Noch schlimmer: Der Text wurde immer noch nicht korrigiert.
Der Text müsste noch viel mehr überarbeitet werden, denn Sweet Emotion singt Alice Cooper, nicht wie angedeutet, Joe Perry.
Mehr hab ich noch nicht genauer gehört, aber wahrscheinlich ist die ganze Rezi mehr oder weniger frei gestaltet, denn bei dem doch recht gesitteten Publikum in Montreux von einer "jubelnden Meute" zu sprechen, ist fast schon süß.
Wann hat laut.de endlich das Geld für nen ChatGPT-Premium-Account für solche Rezessionen?
Wenigstens ist die Musikpolizei hellwach, sehr schön. Korrektur kommt. Danke für den Hinweis. Aber: Auch gesittete Leute können jubeln - zumindest kann man es so klingen lassen. Und wenn das Spotlight zu Joe Perry rüberschwenkt, heißt das nicht zwangsläufig, dass der Gute auch am Mikro steht.
...wollte ich auch noch sagen: Andeutungen sind ja Andeutungen, weil sie eine gewisse journalistische Spritzigkeit implizieren.
Das mit der Musikpolizei ist leider selbstverschuldet:
Wer "Trau Dich - Schreib Was" als Vorlage in das Textfeld vorgibt, brauch sich nicht zu wundern, wenn es oft auch in diesem Kontext in Anspruch genommen wird, insbesondere bei einer offensichtlich hohen Autismus-Dichte.
Beide Seiten haben hier offensichtlich noch viel zu lernen. Ich bin aber optimistisch - ein bisschen links feilen, ein bisschen rechts feilen, und scho' passt's wieder.
@KB
Schreib keinen Müll zusammen, bemüh Dich wenigstens die offensichtlichsten Fehler nicht zu machen, dann braucht es auch keine "Musikpolizei".
Und klar, Meute ist natürlich eine passende Bezeichnung für gesittetes Publikum. In welchem Paralleluniversum?
Freue mich schon auf die jubelnde Meute bei Schillers die Räuber heute Abend. Nach der Pause gleicht das Theater meist einem Hexenkessel, in dem es buchstäblich kein Halten mehr gibt. Totaler Abriss. Da bleibt kein Stein auf dem andern.
Open Air oder Saal? Ich liebe es, wenn die Meute bei Schillers Räubern die Freilichtarenen stürmt. Man weiß da schon vor dem ersten Wort von der Bühne, dass am Ende nichts mehr ist, wie es zuvor war.
Das heftigste Meute Erlebnis hatte ich jedoch bei Nathan der Weise. Das glaubste nicht, wenn du nicht dabei warst. Abriss ist dagegen Kaffeekränzchen im Altenstift.
Oh, speaking of... Nachdem ich Goethes minderwertige Texte schon ordentlich verachtet habe, sind bestimmt alle schon sehr gespannt auf meinen Take zu Schiller:
Schiller ist supi. Im Gegensatz zum Ekel Jupp-Wolle verstand er nämlich etwas von menschlichen Gefühlszuständen, und komnte sie sehr leidenschaftlich und poetisch festhalten. Klar, bei Sturm und Drang ist u.A. jede Menge Schmu und poetischer Tand dabei, und die Klasse eine Büchners ist natürlich kaum zu erreichen. Aber Schiller ist trotzdem einer der wenigen deutschen Schriftsteller, die man sich geben sollte.
"Die Räuber" ist noch etwas ungelenk, holprig - Fritze hat das ja auch im Knirpsenalter geschrieben. Spätestens seit "Sensucht" (2008) hat er aber sein Potenzial für poppigen Elektro-Trance voll ausgeschöpft.
Ein Herz für Büchner und den Twist am Ende. Finde es ungemein progressiv, dass in deutschen Städten Straßen nach einem Elektro-Trance-Produzenten benannt werden btw.
Is halt doch nicht alles schlecht, in deutschen Städten und Dörfern.