Die Kandidat*innen für den Vorentscheid stehen fest: Sarah Engels, Marti Fischer und zahllose No-Names hoffen auf ihre Chance beim Grand Prix.
Wien (dani) - Die zahlreichen Absagen, unter anderem von Spanien, Irland und den Niederlanden, ändern nichts daran: Auch in diesem Jahr wird ein Eurovision Song Contest ausgetragen werden, und irgendjemand darf Deutschland, diesmal in Wien, auf einen der hinteren Plätze befördern. Wem diese Ehre obliegen wird, klärt am 28. Februar der deutsche Vorentscheid.
Nachdem das Projekt "Chefsache" im vergangenen Jahr sang- und klanglos abgesoffen ist, setzt 2026 niemand mehr auf die vermeintlich allumfassende Kompetenz von Stefan Raab. Auch der NDR, der die Veranstaltung seit 1996 verantwortete, ist diesmal nicht mehr zuständig, den Hut trägt inzwischen der SWR.
An der Moderationsfront ändert sich dagegen quasi nichts: Durch das "deutsche Finale" führt auch dieses Jahr wieder Barbara Schöneberger, seufz. Immerhin dürfte ihre Kollegin Hazel Brugger, die sich schon im vergangenen Jahr hervorgetan hatte, etwas Witz und frischen Wind mitbringen.
Neun wollen nach Wien
Neun momentan noch hoffnungsfrohe Acts wollen für Deutschland an den Star gehen. Über ihr Wohl und Wehe urteilt eine Jury. Die Entscheidung darüber, wer am Ende tatsächlich das Ticket nach Wien lösen darf, fällt aber das Publikum, ganz klassisch per Televoting. Zu beäugen wird der abendfüllende Bumms, wie gehabt, in der ARD sein.
Doch was sind das eigentlich für Leute, die sich da demütigen lassen wollen, auf einem internationalen Parkett, auf dem Deutschland nur alle Jubeljahre mal einen halben Fuß auf den Boden bekommt?
Diese hier:
Auf den ersten Blick springt nur der Name Sarah Engels ins Auge. Die DSDS-Finalistin von 2011 dürfte die mit Abstand bekannteste Teilnehmerin im Feld sein. Was sicher auch daran liegt, dass sie, seit sie seinerzeit (warum auch immer!) Pietro Lombardi unterlag, von "Let's Dance" über "The Masked Singer" bis hin zum "Großen Promibacken" durch so ungefähr jedes TV-Format tingelte, das sich auch nur halbwegs anbot. Dass sie zweifellos singen kann, ändert nichts daran, dass ihr Songtitel "Fire" halt in etwa so öde klingt wie ihre Motivation: "Mit meiner Musik Mut, Zusammenhalt, Kraft und den Glauben an sich selbst vermitteln", will sie. Ach, je.
Castingshow-Fans wissen Bescheid
Castingshow-Fans könnten außerdem Malou Lovis und Molly Sue kennen. Erstere, Singer/Songwriterin aus dem Münsterland, hat 2023 die 13. Staffel von "The Voice Of Germany" gewonnen, dort so gute Kontakte zu ihren Coaches, den Kaulitz-Brüdern, geknüpft, dass sie anschließend im Vorprogramm von Tokio Hotel durch Europa touren durfte. Molly Sue war Kandidatin bei "The Voice Kids" und, wie Engels, bei "Deutschland sucht den Superstar".
Der Name Ragazzki lässt befürchten, dass da jemand auf den Spuren von Tommy Cash wandeln oder diesen seltsamen Italo-Schlager-Trend der Abbrunzati Boys reiten will: Italo-Disco-Polska-Pop, so lautet die Selbstbeschreibung. Himmel, hilf! Minimal Hoffnung schürt der Umstand, dass einer dieser beiden Nasenbären Marti Fischer ist, Thekenkraft in Barbaras Rhabarberbar. Der Mann ist in der Tat witzig, er versteht was von Musik ... kann also nur verlieren. "Ciao, Ragazzki!"
Scheitern mit Ansage
Scheitern mit Ansage erwarte ich auch bei Wavvyboi. Der Typ ist mir tatsächlich schon zwei-, dreimal in anderen Kontexten begegnet. Grundsätzlich find' ich die Vorstellung, Gitarrenriffs mit dramatischen Melodien und einer überkandidelten Emo-Ästhetik zusammenzuspannen, auch gar nicht so uninteressant. Aber "Black Glitter", echt jetzt? Nachdem Lord Of The Lost mit einem ähnlichen Ding namens "Blood & Glitter" untergegangen sind? Ich sehe: sich wiederholende Geschichte.
Darüber hinaus gibts eine Handvoll Pop-Acts, die in etwa so generisch wirken wie ihre Namen und ihre Songtitel. Die Interpret*innen heißen Bela, Laura Nahr, Dreamboys The Band oder Myle, ihre Nummern "Herz" oder "Wonderland, "A OK", und genau so klingen sie auch. Also genau das Zeug, mit dem Deutschland traditionell die rote Laterne holt, oder, noch egaler, im unteren Mittelfeld landet. Was soll man also sagen? So lange, bis wir endlich kapitulieren und Scooter schicken: Alles richtig ausgesucht.

1 Kommentar mit 2 Antworten
Okay. Aber wann kapituliert ihr und schickt Scooter in die Meilenstein-Kategorie?
na, an MIR liegt das nicht.
Tu's einfach. Was soll schon Schlimmes passieren, wenn du ganz aus Versehen eine Review zu "... and the beat goes on" schreibst und hochlädst?