laut.de-Kritik

Das Metalcore-Quartett durchkreuzt Erwartungen.

Review von

Vier Jahre nach "Eternal Blue" veröffentlichen Spiritbox endlich ihre zweite Platte. Bislang mussten sich Fans mit zwei – wenn auch sehr guten – EPs zufrieden geben. Jetzt gibt es mehr: Elf Tracks haben Courtney LaPlante und ihr Ehemann Mike Stringer sowie Zev Rose und Josh Gilbert aufgenommen und veröffentlichen sie unter dem Titel "Tsunami Sea". Bei Singles wie "Soft Spine" kann die Platte nur gut werden, oder? Zum Glück lautet die Antwort "Ja", wie sich schon beim ersten Track herausstellt.

"Fata Morgana" ist einfach nur grandios. Zuerst überrollt die Metalcore-Band den Hörer mit einem brachial-krachenden Sound, um dann im Refrain die glasklare Gitarre in den Hintergrund zu packen. Atmosphäre? Check. Perfekter Härtegrad? Aber hallo. Schon hier zeigt LaPlante außerdem, dass sie stimmlich in der obersten Liga mitspielt.

Das macht sie aber noch deutlicher auf "Soft Spine", das bereits jetzt ein Klassiker ist. Wenn bei dem Song nicht ordentlich Bewegung in das Moshpit kommt, weiß ich auch nicht. Aber zurück zu den Vocals: Im Refrain zeigt sie wie im Leadup zum "Circle With Me"-Breakdown, wie schnell und scheinbar mühelos sie zwischen Screams und ihrer normalen Stimmlage wechseln kann. Eine beeindruckende Leistung.

Härter als auf "Soft Spine" wird es nur noch auf "No Loss, No Love", das sie als dritte Single teilten. Während die zerstörerischen Riffs geradezu nach Spiritbox schreien, experimentiert die Band auch mit Effekten auf LaPlantes Stimme herum. Davon bekommen Fans noch mehr zu hören. Abgespaced wird es auf "Black Rainbow", auf dem die Frontfrau kurz zum Roboter mutiert. Auch die dissonanten Gitarrenklänge in der Songmitte schrecken erstmal ab, doch mit mehrfachem Hören legt es sich etwas. Mein Lieblingssong wird es trotzdem nicht.

Um diesen Titel konkurrieren gleich mehrere Lieder, darunter "A Haven With Two Faces". Das Intro zieht wohl jeden in seinen Bann und löst mit dem Eintreffen von LaPlantes Vocals Gänsehaut aus. Die schreit sich dann noch ihre Seele aus dem Leib und macht es damit zum vollen Spiritbox-Erlebnis.

Wer seine Freunde langsam im Namen des Metals rekrutieren möchte, kann mit "Keep Sweet" anfangen. Der Track fällt um einiges poppiger als die bislang erwähnten Stücke aus, jedoch ohne die Hörerschaft zu vergraulen. Und dann wäre da noch "Crystal Roses", in dem sie mehr nach Hyperpop als Metal klingen. Viel beschreiben hilft nicht – hört es euch selbst an. Zum Ärger von Courtney LaPlante und ihren Bandkollegen gelangte der Song schon vor diesem Freitag ans Licht. Auf Social Media machte die Sängerin ihrer Wut Luft. Wie sie auf X schrieb, hätten sie den Release "nicht genehmigt" und nichts davon gewusst. Sie sei "extrem enttäuscht", ergänzte sie.

Zum Schluss noch eine kurze Abhandlung zu den zwei letzten Songs von "Tsunami Sea". Mit "Ride The Wave" demonstrieren sie, dass sie nicht an starren Mustern festhalten. Im halben Sprechgesang trägt LaPlante ihre Zeilen bis zum Refrain vor, ein Breakdown darf trotzdem nicht fehlen. Auch "Deep End" hätte ich so nicht von dem Quartett erwartet. Das führt mich zum Fazit: Spiritbox durchkreuzen auf "Tsunami Sea" teils Erwartungen, liefern gleichzeitig aber auch einige zukünftige Klassiker ab. Auf die allgemeinen Fan-Reaktionen darf man gespannt sein.

Trackliste

  1. 1. Fata Morgana
  2. 2. Black Rainbow
  3. 3. Perfect Soul
  4. 4. Keep Sweet
  5. 5. Soft Spine
  6. 6. Tsunami Sea
  7. 7. A Haven With Two Faces
  8. 8. No Loss, No Love
  9. 9. Crystal Roses
  10. 10. Ride The Wave
  11. 11. Deep End

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