laut.de-Kritik

Melodischer Songwriter-Pop mit einem Hauch Country.

Review von

Seit der Veröffentlichung ihres letztens Studioalbums "How Mercy Looks From Here" im Jahr 2013 ist im Leben von Amy Grant viel passiert. Die sechsfache Grammy-Preisträgerin und einstige Speerspitze der Contemporary Christian Music, die sich seit dem Release ihres Erfolgsalbums "Heart In Motion" mehr und mehr dem Mainstream-Pop zuwandte, musste in der jüngeren Vergangenheit einige schwere gesundheitliche Herausforderungen stemmen. Im Titeltrack ihres neuen Albums reflektiert die Sängerin die Zeit, in der sie eine offene Herzoperation und einen schweren Fahrradunfall verarbeiten musste. Zeitloser Songwriter-Pop begleitet Amy Grant, während sie mit erstarktem Überlebenswillen und einem Lächeln im Gesicht in den Rückspiegel blickt.

"The Me That Remains" ist eine musikalisch sanfte Reise, bei der die Heilung den Zielpunkt markiert. Dabei geht es der Sängerin nicht nur um die eigene Gefühlslage, sondern auch um die Gesellschaft. Auf ihrem Friedensmarsch führt sie Gespräche mit ihren imaginären Soulmates. John Lennon und Marvin Gaye blicken von ganz weit oben herab und lauschen neugierig – nicht nur Grants Worten, sondern auch den wunderschönen Melodien ("The 6th Of January (Yasgur's Farm)". Gemeinsam mit Ruby Amanfu stapelt Amy Grant Fragezeichen: "How do we get there from here? How do we take the next step?", singt das Duo und vereint sich dabei in einem wunderschönen Chorus.

So wie einst Sheryl Crow spielt Amy Grant gekonnt mit Puzzleteilen aus verschiedenen Genrewelten. Ein bisschen Pop, ein bisschen Singer/Songwriter-Rock und eine Prise Country wecken Erinnerungen an eine Zeit, in der ein Album mit dem Titel "Tuesday Night Music Club" die halbe Musikwelt verzauberte ("Please Don't Make Me Beg"). Mit ihrer sanften Stimme wickelt sie den Hörer um den Finger. Nach dem etwas trägen Filler "The Saint" bringt ein berührendes Klavierthema das kurzzeitig in Schieflage geratene große Ganze wieder zurück auf Kurs ("Beautiful Lone Companion").

Mit souligem Pop ("Til We GetI t Right") und unbeschwerten Reggae-Klängen "(Nothing Like A) Sunny Day") schert Amy Grant kurzzeitig aus. In dieser Phase des Albums geht der Zauber des Ganzen ein wenig verloren. Zusammen mit Country-Star Vincent Gil geht es wieder verstärkt in Richtung Country-Pop ("Friend Like You"), ehe das Klavier erneut das Kommando übernimmt ("The Other Side Of Goodbye").

Nach einem fast schon beängstigend starken Einstieg geht Amy Grant zum Ende ihres mit Spannung erwarteten neuen Albums leider ein wenig die Luft aus. Im finalen Albumdrittel kann die Sängerin das beachtliche Niveau der Anfangsphase nicht mehr ganz halten. Schade eigentlich. Bis zum Titeltrack deutete alles auf ein nahezu perfektes Comeback hin.

Trackliste

  1. 1. The 6th Of January (Yasgur's Farm)
  2. 2. How Do We Get There From Here
  3. 3. Please Don't Make Me Beg
  4. 4. The Saint
  5. 5. Beautiful Lone Companion
  6. 6. The Me That Remains
  7. 7. Til We Get It Right
  8. 8. (Nothing Like A) Sunny Day
  9. 9. Friend Like You
  10. 10. The Other Side Of Goodbye

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