laut.de-Kritik

Auf dem Weg in den Classic Rock.

Review von

1000 Mal gehört, 1000 Mal ist nichts passiert beschreibt "Achilles" wohl am besten. Denn auch auf dem achten Studioalbum von Audrey Horne treibt die Band ihren seit Jahren andauernden Genrewechsel weiter voran. Wo Alternative Rock früher eine Menge Freude machte, klingen viele Audrey Horne-Songs heute, als hätte man sie vor dem ersten Hören bereits 1000 Mal gehört.

Der Titeltrack simuliert dabei noch die Rampe, an der es im weiteren Verlauf bergab gehen soll. "Achilles" frönt tatsächlich eher progressiven Klängen, erzeugt eine schöne Atmosphäre und macht auch gesanglich und textlich gewohnt keinen Unsinn.

Mit "In The Eye Of The Hurricane" ist der Hörspaß allerdings schnell wieder verflogen. Nicht nur der Titel, auch musikalisch steht der Song den Scorpions ziemlich nahe. Vor allem die Hook erinnert zunehmend stark an die deutschen Rocker. Produktionstechnisch ist das zweifellos eine Spaß machende Nummer, Instrumente und Gesang sitzen auf dem Punkt. Aber warum Audrey Horne ihre astreine Gründungsmucke gegen klassischsten Classic Rock eintauschen mussten, wissen wahrscheinlich nur ihre Portemonnaies.

"Vampires" erinnert in seiner Instrumentierung an Dio und macht grundsätzlich ebenfalls Spaß. Will man sich den Song deshalb öfter anhören? Nö. "God Damn Beautiful" zieht dann vollends Richtung Glam-Feelgood-Rock. Alles scheint hier auf Hooktauglichkeit getrimmt, vor allem die Gitarren könnten so viel mehr, wenn sie denn wollten.

Das Intro von "Pretty Little Lies" macht wiederum klar, was gesanglich alles drin ist. Nämlich verdammt viel. Leider kommt der Song über eine pathosgeladene Schnulzenballade nicht hinaus. "Prodrome" fungiert dann als kurzes Interlude, ehe "Insanity" losprescht. Endlich mal Uptempo, das allerdings viel zu selten und viel zu zahm aufgebrochen wird. "Hell Is Eternity" variiert schon mehr. Zumindest musikalisch, denn lyrisch geht es kaum über die Zeile des Titels hinaus.

"Six Feet In The Ground" klingt dann wieder absolut generisch. "Running Through The Night" wird dagegen auf einmal zum Tony Soprano Theme-Track. Unerwartet, aber auch einfach mal was anderes auf dem Album. Der Song hetzt, der Song will etwas und genau das macht doch den ganzen Spaß aus. "New Star Falling" wird endlich wieder etwas Gitarrensolo-lastiger, bleibt ansonsten aber recht aussagelos.

Audrey Horne liefern hier mal wieder Musik ab, bei der man sich das Bier direkt im Einliter-Henkelbecher holt und sich auf einem Konzert an die guten alten Zeiten erinnert: als die Musik noch einfach war und man selbst noch jung.

Wenn das genau das Gefühl und die Altersgruppe sind, die Audrey Horne ansprechen wollen: bitte. Dass viel mehr drin wäre, zeigen die ersten Alben schließlich eindrucksvoll. Die Musik auf "Achilles" ist keineswegs schlecht, die Kritik fällt stellenweise vielleicht härter aus, als das Album es verdient. Aber genau das ist das Problem: Man weiß, was Audrey Horne könnten. Und man weiß auch, was sie ganz bewusst nicht mehr liefern. Aber sicher ist nun mal sicher.

Trackliste

  1. 1. Achilles
  2. 2. In The Eye Of The Hurricane
  3. 3. Vampires
  4. 4. God Damn Beautiful
  5. 5. Pretty Little Lies
  6. 6. Prodrome
  7. 7. Insanity
  8. 8. Hell Is Eternity
  9. 9. Six Feet In The Ground
  10. 10. Running Through The Night
  11. 11. New Star Falling

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