laut.de-Kritik
Ein Plätschern wie ein irischer Bach.
Review von Magdalena GregoriMade in Ireland wäre ein passender Aufkleber für Dermot Kennedys neues Album "The Weight Of The Woods". Nach einer vier-jährigen Veröffentlichungspause schließt der Sänger an sein zweites Album "Sonder" an, das 2022 die Spitze der Charts in Großbritannien und seinem Heimatland Irland erreichte.
Irland ist das große Thema in Kennedys neuem Album, traditionelle irische Instrumenten wie die Tin Whistle (Irische Metallflöte) oder die Bodhrán (Irische Trommel) und auch die Mandoline sind in mehreren Songs zu hören. Doch keine Sorge, als reines Irish Folk-Album lässt sich das Werk nicht betiteln, denn dafür ist und bleibt der populäre Approach von Dermot Kennedy zu präsent. Es geht dabei immer um große Gefühle und epische Stimmung, die gleich mit dem ersten Track "The "Weight Of The Woods (Reprise)" aufkommt. Dem Chor-Arrangement, das fast schon eine kirchliche Stimmung mitbringt, folgt recht abrupt das irischste Lied der Platte, "Honest".
Je mehr man sich der Mitte des Albums annähert, desto mehr entsteht das Gefühl von "ich habe eine Riesenportion Nudeln gekocht und muss die jetzt, damit ich sie wegbekomme, jeden Tag in der Arbeit essen". Einheitsbrei würde die Beschreibung also ganz gut treffen, wobei bei "Turnstile" und "Wasted" noch etwas nachgewürzt wurde und wieder mehr mit Rhythmus gearbeitet wird. Danach die Ruhe nach dem Sturm, oder eher nach dem Lüftchen; in "Blue Eyes" zeigt Dermot Kennedy, dass seine sonst starke Stimme auch zart und verletzlich sein kann.
So, fast vorbei, Track 11 von 14, schraubt sich endlich in mein Ohr und bleibt da auch. Lange habe ich überlegt, ob das daran liegt, dass die Melodie Ohrwurm-Potential hat oder sie einfach sehr in die Charts-Linie und den 2000s Stil reinpasst. Egal wie – ich kann mir gut vorstellen, dass der Song mit der Hook auch den TikTok Mainstream erobert.
Nach catchy kommt für Kennedy wohl traurig. Jedenfalls gibt er in der Ballade "The Only Time I Prayed" seinem Herzschmerz Raum und besingt seine Emotionen und eine verlorene Liebe. Zart wird's dann in "Happiness". Der letzte Track der den Namen des Albums trägt, ist das Ende einer Platte die mit musikalischem Minimalismus und emotionalem Maximalismus endet. "If I should fall down, under stars I can't call out, get me back to my homeground, let me add to the weight of the woods" der Musiker besingt nicht nur sein Zuhause, nein, gleich ein Großteil des Albums wurde unweit Dermot Kennedys Wohnsitz in der Nähe von Dublin aufgezeichnet.
Das dritte Studioalbum des Iren reiht sich somit ziemlich unspektakulär in bisherige Projekte ein. Seine Stimme bleibt weiterhin ein großer Träger der Musik, kommt jedoch wegen der oftmaligen Überlagerung durch die Studiomusik nicht so zu Geltung wie vielleicht in einem knallvollen, irischen Pub mit traditioneller Begleitmusik.
Natürlich, Plätschern muss nicht immer schlecht sein. Eingefleischte Dermot Kennedy Fans würden mir da wahrscheinlich recht geben. Auch wenn ich beim Wandern in der Natur zwischen der Überquerung eines Flusses mit Sturzfluten oder eines Bächleins wählen müsste, wäre meine Entscheidung klar zweiteres. Oder einfach umdrehen und in eine andere Richtung gehen.


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