laut.de-Kritik

Ein amtlicher Hit und erschreckend viel Durchschnitt.

Review von

Drowning Pool aus Texas gehören zu der Sorte Bands, die sich jahrelang das Hinterteil wund spielen, ein wenig Air Play im lokalen Radio bekommen, von bekannteren Kombos auf Tour mitgenommen werden, um schließlich doch noch den lang ersehnten Plattenvertrag in den Händen halten zu dürfen.

Auf ihrem Debut präsentieren Drowning Pool moshigen Gitarrensound, fett in Szene gesetzt von Jay Baumgardner. Eingängige Riffs, gepaart mit recht melodiösen Refrains und einem um Variabilität bemühten Sänger, einer stimmlichen Mischung aus Rob Flynn und Phil Anselmo.

Dave Williams, so heißt der Gute, wechselt von leicht grunzig, über psychotisch schreiend hin zu unerwarteter Melodie. Emotionen wollen authentisch ans Zielpublikum herangetragen werden. "Stay Sick", so stehts auch im Booklet geschrieben. Inhaltlich drehen sich seine Texte um Probleme im jugendlichen Alltag, Zusammenhalt und Glauben.

Mit "Bodies" haben Drowning Pool auch einen amtlichen Hit im Gepäck, kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Rest der Tracks erschreckend durchschnittlich erscheint. Es wird zuviel nach der Konkurrenz geschielt, statt auf die eigenen Stärken zu vertrauen. Das fängt beim Gesang an und hört bei den Riffs auf. Wenn die Cowboys das in den Griff kriegen, dürfte sich das Resultat weitaus besser anhören.

Trackliste

  1. 1. Sinner
  2. 2. Bodies
  3. 3. Tear Away
  4. 4. All Over Me
  5. 5. Reminded
  6. 6. Pity
  7. 7. Mute
  8. 8. I Am
  9. 9. Follow
  10. 10. Told You So
  11. 11. Sermon

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2 Kommentare mit 5 Antworten

  • Vor 3 Tagen

    Wer die härteren Songs Stainds oder der Band Flaw um die Jahrtausendwende oder speziell rauen, ungefilterten Nu-Metal aus dieser speziellen Zeitphase schätzt, wie z.B. Lost7 als Connoisseur dieses Sub-Genres, sollte hier mal reinhören. Mit dem tragischen Tode des Sängers Dave Williams (der gesanglich eine unheimliche Wucht an der Tag legte) ein Jahr nach Release dieses Debutalbums starb auch der originäre Bandsound...in der Folge gab es dann vornehmlich prätentiösen Hard-Rock von der Stange einer veränderten Band mit wechselnden Sängern ohne echte Identität im Soundbild. So gesehen steht dieses Album für sich allein, neben dem Übersong "Bodies" eine all Killer no Filler Tracklist und ein großer, dynamischer Spaß

    • Vor 3 Tagen

      Wollte ich tatsächlich letztens tun und hab's aufgrund diverser Verpflichtungen wieder vergessen. Werd's kommende Woche dann direkt nachholen ;)

    • Vor 3 Tagen

      Einer der wenigen New-Metal Bands, mit denen ich was anfangen kann... Is erstaunlich, wie Rick Rubin Metallicas Sound "dahinzwingen" wollte mit der Mische bei Death Magnetic und einfach nur breiige Übersteuerung raus kam.

    • Vor 3 Tagen

      Nu-Metal waren sie ja nur richtig beim Debut hier (in Teilen noch im Nachfolger, aber das war nicht mehr die gleiche Energie, da andere vocals und Stimmung). Danach und mit den anderen Sängern wurde es generischer Richtung Hardrock-Kneipe.

      Daher existiert die Band für mich nur mit diesem Album und Sänger, da es genau klingen muss. @Lost, erbitte dann feedback, glaube du wirst es lieben, das Teil hat alles was man als Fan des Genres wünscht (ausser große Rapparts, die brauchts auch nicht) und besitzt eine brutale Dynamik und Melodik

    • Vor 3 Tagen

      *genau so klingen*

  • Vor 12 Stunden

    Jaja, dem YT-Algorithmus sei Dank! Seit Monaten schlägt er mir das Flaggschiff "Bodies" vor und ich habe mich lange genug konsequent geweigert, einer Band zuzuhören, die wo ich glaubte nur dafür zuständig ist, die Nu-Metal-Aufzählungslisten als lang erscheinen zu lassen (Grüße geh'n raus an Mudhoney, deren einzige Funktion es war, so zu tun, als hätte es nicht nur 4 Grunge-Bands gegeben).
    Genau so klingt es dann auch beim ersten Durchhören: wie das etwas schlechtere Staind oder Was-Weiß-Ich. Neben "Tear Away" bleibt vor allem "Told You So" in bleibender Erinnerung. Jaja, ganz nett.

    Aber wisst ihr was lustig ist? Ich hatte einen Absatz noch mit "Bodies" vermerkt, weil ich den Song natürlich herauspicken wollte und dachte hinterher dann, es wäre irgendein Page-Script, ich Vollhorst.
    Frage: kann ADHS eigentlich einfach so ab 40 entstehen? Weiß das jemand? Wie oft muss man eigentlich behaupten, dass alles mit einem in Ordnung ist, um damit aufzuzeigen, dass man nicht an Dyskalkulie leidet!? 3 mal? 4 mal? Beides?Bodies?

    Soundmäßig befinden wir uns hier durchaus in ausgewogenen Fahrwassern - nicht zu viel, nicht zu wenig. Bloß nicht an Ort und Stelle dominieren, aber auch nicht völlig verschwinden, um hinterher sich vorwerfen zu lassen, man hätte nie an der Welle teilgenommen. Dazu später mehr.

    Sänger Dave Williams verkörpert für mich in der Retrospektive das wirkliche Nu-Metal-Dilemma bzw. eigentlich war es schon immer ein Trauma, das so nebenbei herlief, keiner es wirklich erkannte, es aber schon immer offensichtlich gewesen ist - auch mich hat es immer noch bis heute fest im Griff, ein Luxus, den sich nicht alle Männer ab 40 noch gönnen dürfen - nein, es ist auch nicht der (nicht)-Hut von Dave Gahan, sondern: Die Unentscheidbarkeit der Haarlänge.
    Kurz und gegelt, Lang und rockig, Dünn oder wellig/gefönt.
    Ich will nichts im Nachhinein heraufbeschwören, allerdings sind die Stylingwechsel im Nachgang schon bedrückend zu sehen.

    Kommen wir zum Eingangs beschwörten "Told You So", das lyrisch leider den Ton vorgibt, als hätte man Jonathan Davis stundenlang im Arsch rumgestochert, um ausschließlich absichtlich moderate(!) körnliche Kalendersprüche aus ihm herauszuprügeln ("Everything is not okay Tomorrow's another day" / "can't believe it all comes down to this - A penny for your thoughts would make me sick"). A Penny for Your Thoughts? NE, ODER? Was ist nur aus dem "unglücklichen" Sokrates geworden!?. Soviel zum Thema Nu-Metal und Sensibilisierung für psychische Auffälligkeiten.

    Zum Schluss wäre dann noch die Frage, warum ist diese Band eigentlich an mir vorbeigegangen?
    Vermutlich eine Mixtur aus erster großer Liebe (erstes Geburtstagsgeschenk von mir, fällt mir gerade ein: "Break the Cycle"), traumatischer 9/11 Berichte, P.O.D. und die wohl damalige bereits internalisierte Überzeugung, dass, wenn man die Deftones in Europa ignoriert, es mit Drowning Pool wohl gleichtun muss, weil halt beides mit "D" beginnt - Logik hat mich scheinbar schon immer fasziniert.

    Kennt ihr diese Not-Thesen aus wissenschaftlichen Arbeiten, wenn man zu faul ist, sich was wirklich cooles auszudenken? Dann schnappt man sich in der Regel irgendeine Randfigur,
    bläst diese auf, reißt eine Äußerung dieser aus dem Kontext und schreibt ihr eine außerordentliche Bedeutung für den Handlungsverlauf oder politischen Zusammenhang zu - was durchaus orginiell aber dennoch Unsinn sein kann - ich weiß, wovon ich rede.
    Dieses Album hier ist die SS Californian. Es konnte den Nu-Metal weder rechtzeitig retten, noch hatte es irgendeine wirkliche Bedeutung. Aber es lief, es funkte etwas.
    Es war einfach da und bekam (zurecht) etwas Aufmerksamkeit. Wirklich "Outside" halt vom Feuerwerk - durch's Loch gucken kann auch spannend sein. Nicht so für Captain Smith, der ist bekanntlich ertrunken.

    knappe 3/5!