laut.de-Kritik

Screamo-Gesang trifft Rocky Horror-Koketterie.

Review von

Als der Algorithmus mir "King Death" in die Das-könnte-Dir-gefallen-Wiedergabe spielt, ist es um mich geschehen. Was für eine Nummer: Beatsteaks-eskes Gitarrenintro gemischt mit Billy Talent-Screamo-Gesang trifft Rocky Horror-Koketterie.

Vier Songs sind zu dem Zeitpunkt online, "Melted Heart" klingt gut zwischen shaky Punk und Screamo-Attacken, "Tiger Baby" ramonet sich einen, und "Animal" hat einen melodiösen Punk-Flavour. Allen Songs wohnt neben Screams und Wucht eine Koketterie inne, die bei mir Assoziationen zur "Rocky Horror Picture Show" geweckt hätte.

Alle Versuche, weitere Songs vorab zum Anhören zu bekommen, scheitern, Anfragen verpuffen im Nichts. Also wird weiter recherchiert. Evil Island ist ein Projekt von Mitgliedern von OFF!, Glassjaw und den Blood Brothers, spricht das Internet. Und ich finde ein Video auf Insta mit dem Shouter dieser Band und der Blood Brothers. Besagter Johnny Whitney steht barfuß da und erinnert nicht nur mit seiner Frisur an (den frühen) Tobias Künzel. Besagter Johnny Whitney erzählt von den Vorbildern für das Album, Hole mit Courtney, The Swing Kids, The Ghouls, Slipknot und den Dead Kennedys.

Zunächst dachte ich, dass er in den Fällen spezifisch von den Ghouls sprach bezüglich der Momente, die mich an die Rocky Horror Picture Show erinnerten, er bezog es jedoch punktueller auf die Bridge bei "Melted Heart". Der Freitag der Veröffentlichung eröffnet beim ersten Durchhören zunächst zwei Optionen, als da wären, erstens klingt gut und kenn ich schon, zweitens, kenn ich nicht, brauche ich aber auch leider nicht, aber nicht auf die Art, dass es schlecht sei. Es ist nur irgendwie so, als säße ich im falschen Fanbus.

Der nach "Melted Heart" zweite Song "Terminatrix" ist so ein Song, die hohe Schlagzahl und musikalisch anarchistisches Chaos, Screams und Dresche sind zumindest für mich ohne Anknüpfungspunkt. Danach kommt "Animal", kenn ich, "Tiger Baby" auch, gehen beide wunderbar ins Ohr und in die Beine.

"T-Hexx" stampft ganz famos los, die Ramones-Backing-Vocals liefern sich ein Gesangsduell mit Schrei-Johnny im Rotzpunk. Der Vollständigkeit halber sei der berühmte Gast erwähnt, Guy Picciotto von Fugazi, der seit 23 Jahren nicht mehr gesungen hat. Der "Evil Island Death Cult National Anthem" haut auch wieder ordentlich auf die Zwölf.

Eine gute Woche nach Release, das Album wächst im Gehörgang und Bewegungssystem. Die Rotzbengel-Chuzpe von "Evil Island Death Cult National Anthem" wirkt inzwischen genau wie die anderen mir zu Beginn zu sperrigen Nummern wie "No Good" oder der Closer "Suicide By Cop", der so anarchisch klingt wie im Flug vaginal oder rektal auf Leinwand gesprühte Kunst aussieht.

Selbst wenn mancher Song nicht meinen Geschmack trifft, geziemt es sich zu abstrahieren, und deshalb werde ich einen Teufel tun, ein Album, das aus drei Vierteln subjektiv großartigen Punknummern besteht, die volle Punktzahl zu versagen, weil mir persönlich das Bindemittel zum Screamo hochtreibender Spielart fehlt, denn hier könnte sich ein weiterer von Ross Robinson produzierter Klassiker anbahnen.

Trackliste

  1. 1. Melted Heart (feat. Alexis Krauss)
  2. 2. Terminatrix (feat. Michael Gatto of XCOMM)
  3. 3. Animal
  4. 4. Tiger Baby
  5. 5. T-Hexx (feat. Guy Picciotto)
  6. 6. Evil Island Death Cult National Anthem
  7. 7. Grow Spikes
  8. 8. I Bought A Spell (feat. Jordan Blilie)
  9. 9. No Good
  10. 10. Moonlight Doomlight
  11. 11. Blinding Rage
  12. 12. King Death
  13. 13. Suicide By Cop

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