laut.de-Kritik

Boogie im Höchstgang.

Review von

Der Rock'n'Roll hat schon seltsamere Comebacks gesehen. Francis Rossi nennt sein neues Album "The Accidental", als sei es ihm aus Versehen passiert. Dabei klingt hier wenig zufällig, Rossi weiß schließlich genau, was er tut: Er nimmt den alten Quo-Motor, dreht ihn noch einmal auf und lässt ihn durch ein Set aus Rock-Pop-Songs stampfen, die erstaunlich lebendig wirken. Wer hier ein behäbiges Spätwerk erwartet, das sich in seine Vorgänger einreiht, bekommt stattdessen ein Album, das sich lieber nach vorne spielt als zurückzuschauen, auch wenn Rossi das Quo-Rezept dabei kaum verändert.

Schon der Opener "Much Better" zeigt, wohin die Reise geht: Rock als Fundament, Pop-Hooks als Zierde und eine unterschwellige Americana-Melancholie, die sich erst beim zweiten Hinhören zeigt. Ohrwurmcharakter, Piano, schlichte Drums, ein Solo, das nicht protzt, sondern trägt und eine Produktion, die atmet. Hier klingt nichts totkomprimiert, alles wirkt organisch, fast greifbar.

"Go Man Go" versteckt dann gar nichts mehr. Der Aufbau ist so deutlich bei "Whatever You Want", dass es fast schon wieder sympathisch ist. Drei Minuten stampft das immergleiche Riff durch den Track, kein kreatives Meisterwerk, aber ein Song, der leicht ins Ohr geht und dort noch leichter bleibt.

"Push Comes To Shove" rennt los, als wolle es "London Calling" einholen, orientiert sich aber ebenfalls stark am bewährten Rezept. Spätestens hier beginnt die Frage zu nagen: Wie oft kann Rossi diesen Boogie-Shuffle noch aus der Tasche ziehen, bevor es monoton wird?

Der Brite scheint das selbst zu merken. Denn "Back On Our Home Ground" wird bluesiger, langsamer, luftiger. Ein schleppendes Riff treibt den Song, eine röhrende Gitarre setzt Akzente, Rossi singt mit erstaunlicher Klarheit.

"Dead Of Night" pendelt zwischen pompösen und ruhigen Momenten, "Going Home" bricht wieder etwas stärker aus: Das Piano steht im Vordergrund, eine akustische Gitarre mogelt sich leise ins Arrangement, doch selbst hier bleibt der Shuffle der Grundbaustein.

"Bye My Love" zieht den Groove nochmal fester, und trotzdem: Es funktioniert. Immer wieder. Erst "Something In The Air (Stormy Weather)" beschwört endlich eine gänzlich andere Atmosphäre. Der Track erzählt, hebt sich ab, wirkt fast cineastisch. Genau das hat das Album gebraucht: einen Moment, der nicht sofort in den vertrauten Boogie-Reflex kippt.

"Picture Perfect" drückt danach wieder aufs Gas, als sei die Verschnaufpause nur angetäuscht gewesen und klingt dabei überraschend modern. "November Again" driftet stärker ins Erzählerische und funktioniert gerade deshalb. Rossi beweist: Selbst wenn er der Linie treu bleibt, kann er jedem Song genug Eigencharakter einpflanzen.

"Things Will Get Better" bietet ein Versprechen, dem es gar nicht mehr bedarf, "Oh So Good" beschreibt es dann schon treffender. "Beautiful World" nimmt sich mit sechs Minuten endlich Raum. Der Song baut sich langsam auf, boogied nicht sofort los, sondern lässt Spannung entstehen. Und wenn er am Ende ausbricht, fühlt sich das tatsächlich verdient an.

Nur "Time To Remember" wirkt wie ein Fremdkörper. Die Piano-Ballade drückt auf Pathos, wo das Album eigentlich von Bewegung lebt. Zu generisch, zu glatt, ein Track, der den Geist der Platte nicht so recht einfängt.

"The Accidental" ist am Ende genau das, was man von Francis Rossi erwarten darf: ein Rock-Pop-Album mit ordentlich Boogie-Drang, alten Rezepten und genug Charme, um diese nicht wie bloße Wiederholung wirken zu lassen. Rossi beweist, dass er Vergangenes mit frischer Spiellaune verbinden kann und schafft ein Album, das mehr ist als nur ein Solo-Nachtrag: Es rockt, es rollt, es lebt.

Trackliste

  1. 1. Much Better
  2. 2. Go Man Go
  3. 3. Push Comes To Shove
  4. 4. Back On Our Home Ground
  5. 5. Dead Of Night
  6. 6. Going Home
  7. 7. Bye My Love
  8. 8. Something In The Air (Stormy Weather)
  9. 9. Picture Perfect
  10. 10. November Again
  11. 11. Things Will Get Better
  12. 12. Oh So Good
  13. 13. Beautiful World
  14. 14. Time To Remember

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