laut.de-Kritik
40 Jahre Helloween - wer hätte das gedacht?
Review von Alexander CordasDas hätten sich die Hamburger Jungs vor vier Dekaden wohl nur in ihren feuchtesten Träumen ausgemalt, dass sie heute immer noch dick im Geschäft sind. Als 1985 die selbstbetitelte Mini-LP erschien, pardauzten sie mit einem heftigen Knall in die deutsche Metal-Szene. 16 Studio-Alben später erschien es den Herrschaften an der Zeit, einen Blick in den Rückspiegel zu werfen. "March Of Time" fasst die komplette Bandhistorie zusammen und erscheint als Dreifach-CD und in einer fünffachen farbigen Vinyl-Ausgabe mit Art-Print und einem Puzzle.
Wie Puzzlestückchen setzt sich auch die Trackliste zu einem wilden Ritt durch die Bandgeschichte zusammen. Die Compilation beleuchtet alle Studio-Alben, lässt aber die Debüt-EP und "Judas" außen vor. Das mutet etwas seltsam an, an der Qualität der Stücke wird es nicht gelegen haben. Dafür hätte man sich Sachen von "Pink Bubbles Go Ape" oder "Chameleon" sparen können. Beide Alben kann man sich auch mit großem Abstand nur mit sehr viel Mühe schön hören.
Dass die Kiske-Jahre überproportional vertreten sind, liegt in der Natur der Sache. Schließlich basiert der anhaltende Erfolg der Truppe maßgeblich auf den beiden Keeper-Alben. Vor allem der erster Part war für die Entwicklung dessen, was man heute Power Metal schimpft, eine wichtige Veröffentlichung.
Die Stücke mit Andi Deris sind durch die Bank solide, können an die Klassiker aber nicht anknüpfen. Dem Karlsruher haben es die Kürbisköpfe aber zu verdanken, dass der Helloween-Dampfer nach dem Rauswurf von Kiske wieder Fahrt aufnahm. Dass Michael Kiske und Kai Hansen seit 2016 wieder mit an Bord sind, hat wohl den meisten Fans ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Mit vier Tracks ist das XL-Line Up am Ende der Trackliste vertreten.
Die Song-Sammlung krankt etwas daran, dass es hier nichts zu hören gibt, was nicht schon an anderer Stelle veröffentlicht wurde. Den alten Stücken verpasste man noch ein Remaster, aber auch hier stellt sich die Frage, wer das bei den charmant rumpeligen Nummern überhaupt braucht. Wahrscheinlich werden sich die meisten Käufer von "March Of Time" aber auf das optisch wirklich gelungene Vinyl-Set stürzen, so sie denn das entsprechende Kleingeld parat haben.
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